Kabarett

Grandioser Kabarett-Abend mit Bruno Jonas im Ringlokschuppen

Der bayerische Kabarettist Bruno Jonas war am Donnerstagabend als Teil der Kulturgut-Reihe im Mülheimer Ringlokschuppen zu Gast.

Der bayerische Kabarettist Bruno Jonas war am Donnerstagabend als Teil der Kulturgut-Reihe im Mülheimer Ringlokschuppen zu Gast.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Der Kabarettist Bruno Jonas war mit seinem Solo-Programm im Mülheimer Ringlokschuppen zu Gast. Dabei stellte er eines besonders unter Beweis.

Wer sich seit Jahren schon über so genannte Comedians ärgert, den könnte ein Abend mit dem bayrischen Kabarettisten Bruno Jonas trösten. So gehört der 66-jährige studierte Theaterwissenschaftler eher zu den Intellektuellen seiner Zunft, die mit dem Tod von Dieter Hildebrandt ihren Alt-Star verloren hat. Zudem ist der wunderbare Gerhard Polt immer seltener vom Schliersee auf die einschlägigen Bühnen der Republik zu locken.

Bruno Jonas zündete im Mülheimer Ringlokschuppen ein Pointen-Feuerwerk

Jetzt war der Passauer Bruno Jonas, dem gereiften deutschen Fernsehpublikum aus den 80er Jahren noch als Akteur und Autor der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und aus Hildebrandts „Scheibenwischer“ bekannt, mit seinem Solo-Programm „Nur mal angenommen!“ in der Kultur-Gut-Reihe im Mülheimer Ringlokschuppen zu Gast.

Auf den inzwischen üblichen Klamauk und auf die schlechten Witze der Komödianten verzichtend, bewies Jonas seinem gereiften Publikum wie scharfsinnig und amüsant ein Abend mit einem echten Kabarettisten sein kann, der hier sehr geschmeidig mit großartigem Sprachwitz seinem Meister Hildebrandt stilistisch und rhetorisch sehr nahe war. Das von so viel Schlagfertigkeit beinahe erschlagene Publikum durfte sich an einem Pointen-Feuerwerk erfreuen, das man heute nur noch selten geboten bekommt.

Plauderei mit einem Höchstmaß an Ironie – auch über die AfD

Mit einem Höchstmaß an Ironie plauderte der hellwache Polit-Analytiker über den Klimawandel, über die Politik Erdogans, über Gender-Zumutungen, über Digitalisierung und über die AfD als Futter fürs Kabarett. „Eigentlich gut, dass sie im Parlament sind, früher wusste man nie, wo die waren. Und Leute, die so denken, hat es vorher auch schon gegeben“.

Die präsidiale These, dass „der Islam zu Deutschland gehört“, wollte Jonas auch nicht unterschreiben, aber wer fordere, dass „die Vernunft zu Deutschland gehört“, der müsse fürchten, „dass der Seehofer dann für eine Obergrenze ist“. Da der Klimawandel zu lange brauche in einer Demokratie mit ihren ganzen politischen Gremien und Kompromissen, müsse man diese Demokratie zehn Jahre lang aussetzen und „eine Klimadiktatur schaffen“.

Das Mülheimer Publikum spendete viel Beifall für einen grandiosen Kabarett-Abend

Der Kabarettist sprach dann auch noch über seine Rolle als Paket-Annehmer in seinem Mietshaus, über Laubsauger in Hundehaufen und darüber „ob die Leopard-Panzer“ für die Türkei auch „Diesel-Abgas-Filter“ besitzen. Auch die neue politische Korrektheit nahm Jonas aufs Korn. So werde jetzt in Augsburg ein renommiertes altes Hotel wegen seines Namens „Drei Mohren“ abgerissen. Viel Beifall für einen grandiosen Kabarett-Abend.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben