Medizinforum

Herz außer Takt: Das nächste Medizinforum in Mülheim

Damit es möglichst gar nicht erst zum Notfall kommt, raten Mediziner zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.

Damit es möglichst gar nicht erst zum Notfall kommt, raten Mediziner zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.

Foto: Jan Dommel / Johanniter

Mülheim.  Leser können beim nächsten Medizinforum der WAZ-Redaktion im St. Marien-Hospital in Mülheim dabei sein. Diesmal zum Thema: „Herz außer Takt“.

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Das nächste Medizinforum der WAZ steht an. Das Thema am Mittwoch, 25. September, ab 17 Uhr in der Contilia Akademie im St. Marien-Hospital: „Herz außer Takt“. Ab jetzt können sich Leser für die Veranstaltung anmelden.

„Herz-Rhythmus-Störungen sind eine der häufigsten Herzerkrankungen, ein Dauerbrenner“, sagt Prof. Dr. Heinrich Wieneke, Direktor der Klinik für Kardiologie am St. Marien-Hospital. Zum Glück sei das „Herzstolpern“ in den meisten Fällen ungefährlich, man könne damit alt werden. Und dennoch ist natürlich Vorsicht geboten, eine ärztliche Kontrolle angeraten.

Zwei Mediziner vom Fach werden referieren

Wieneke und sein Kollege, der leitende Oberarzt PD Dr. Heiner Post, werden interessierten Mülheimern am 25. September zwei Vorträge bieten: Wieneke spricht darüber, wie Patienten mit Hilfe im Körper eingesetzter Schrittmacher oder Defibrillatoren mit einer Herzschwäche besser leben können.

Post wird über das Vorhofflimmern referieren und auch neue Möglichkeiten diskutieren, wie Patienten ihre Herztätigkeit selbst überwachen können, zum Beispiel mit einer Apple Watch, die als Armbanduhr getragen wird.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herz-Rhythmus-Störung

Das Vorhofflimmern ist die häufigste Herz-Rhythmus-Störung. Laut Post sind rund zwei Millionen Bundesbürger betroffen. Anders als im Akutfall eines Herzinfarktes sei das Vorhofflimmern aber selten ein Fall für den Notarzt. Manchmal tauche das Vorhofflimmern als Zufallsbefund beim EKG auf, weil der Patient es selbst gar nicht wahrgenommen habe.

Dennoch: Das Vorhofflimmern stellt ein Risiko dar: „Es kann sich ein Blutgerinsel bilden und zu einem Schlaganfall führen“, sagt Wieneke. Ein Drittel der Schlaganfälle, so die Mülheimer Mediziner, sind auf ein Vorhofflimmern zurückzuführen. Heute gäbe es „viele verträgliche Medikamente“, um dem Risiko zu begegnen.

Die Ablation ist heute ein gängiger medizinischer Eingriff

Auch kathetergestützte Eingriffe können helfen. Heute ist die Verödung von Zellen, die Fehlimpulse abgeben, eine gängige medizinische Praxis. Bei Risikopatienten, sagt Post, „sollte man eine solche Ablation früh erwägen“, auch schon in jungen Jahren.

Wer Vorhofflimmern bei sich feststellt oder bei dem es bei Routineuntersuchungen auftaucht, der sollte sich eingehender checken lassen. Mittlerweile werden bei Wieneke, Post und Kollegen auch immer mehr Menschen vorstellig, denen ihre Apple Watch ein Vorhofflimmern „diagnostiziert“ hat.

Hilfsmittel wie die Apple Watch werden die Zukunft bestimmen

Die Fachmediziner sehen hier einen deutlichen Trend der technischen Entwicklung. Noch sind sie skeptisch, ob die am Markt verfügbaren Hilfsmittel wie die Apple Watch in ihrer Messgenauigkeit tatsächlich zuverlässig sind. In fünf bis acht Jahren aber, so schätzt Post, sei die Entwicklung sicher so weit. Ein Langzeit-EKG sei aktuell noch unverzichtbar.

Wenn das Herz zu langsam ist oder kurz aussetzt, hilft nur noch der Einbau elektrischer Hilfsmittel, um den Herzrhythmus zu stabilisieren. „Schrittmacher gibt es seit 55 Jahren“, sagt Wienecke, heute sei die Bandbreite groß. Hightech-Stimulationsgeräte könnten heute gar „noch was rausholen, wo man dachte, dass die Möglichkeiten erschöpft seien“.

Darf ich noch schwimmen, fliegen, Fahrrad fahren?

Am 25. September will Wieneke erläutern, was Patienten mit eingebautem Schrittmacher oder Defibrillator, der im Notfall einen 800-Volt-Schock ans Herz abgibt, im Alltag zu beachten haben. Die Fragen sind vielfältig: Darf ich noch schwimmen, fliegen, Fahrrad fahren? Mich einer MRT-Untersuchung unterziehen?

Auch die Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen werden Thema sein. Hier wären ein hoher Blutdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen oder „unregelmäßiges Leben“, etwa Schichtarbeit, zu nennen.

Mit 60 einen Marathon laufen: Das kann den Körper überlasten

Ein dicker Bauch und zu wenig Bewegung, daran kann man etwas ändern. „Einen sehr guten Schutz vor dem Vorhofflimmern bieten Abspecken und 30 Minuten Bewegung am Tag, etwa strammes Spazierengehen“, sagt Post. Bewegung aber, ohne es zu übertreiben.

„Wer sich sportlich überlastet, steigert das Risiko wieder“, sagt der Oberarzt und blickt etwa auf den 60-Jährigen, der sich einen Marathon zumutet. „Das“, sagt Post, „hat die Natur so nicht vorgesehen.“

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