Stadtgeschichte

In zwei Monaten strahlt das Mülheimer Schloss fast wie neu

Seltene Ansicht. Frisch saniert präsentiert sich das Fundament des Turms aus karolingischer Zeit. Dahinter sind das noch eingerüstete Hochschloss (r.) und der Westflügel an der Straße Am Schloß Broich zu erkennen.

Seltene Ansicht. Frisch saniert präsentiert sich das Fundament des Turms aus karolingischer Zeit. Dahinter sind das noch eingerüstete Hochschloss (r.) und der Westflügel an der Straße Am Schloß Broich zu erkennen.

Foto: Diego Tenore / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Das Broicher Schloss in Mülheim strahlt bald wieder. Sieben Jahre hat die Sanierung gedauert, 4,7 Mio. Euro gekostet. Fest zur Wiedereröffnung.

Viel Kleinarbeit haben Handwerker im Innenhof des Broicher Schlosses sowie an den Fassaden. Kleinarbeit, die notwendig ist, um das Baudenkmal in seiner Substanz zu erhalten und weiterhin nutzen zu können. Mit dem denkmalgerechten Sanieren der Fassaden und Fenster wird „gleichzeitig moderne Technik installiert und unter dem Pflaster des Hofes verlegt“, erklärt Marc Baloniak, Leiter Tourismus der Marketing und Tourismus-Gesellschaft (MST), bei einer Baubesprechung. Mitte Oktober sind die Gerüste abgebaut und der Schlosshof in großen Teilen neu gepflastert. Danach soll es für die Bürger ein angemessenes Wiedereröffnungsfest geben. Die Räume des Geschichtsvereins im Hochschloss sind ab Januar 2020 wieder zugänglich. Spenden für die Schlosssanierung werden aber auch weiterhin gebraucht.

Pflegeplan zur regelmäßigen Wartung des Mülheimer Schlosses

Die städtische MST verwaltet seit einigen Jahren neben anderen Gebäuden die Broicher Schlossanlage. Darum muss sie sich um deren Instandsetzung kümmern. Sie wird nach Abschluss der aktuellen Arbeiten einen Pflegeplan für die regelmäßigen Wartungsarbeiten an dem historischen Gebäudekomplex bekommen. „Dafür werden wir auch die notwendigen Beträge jährlich in unseren Etat einstellen“, erklärt Baloniak.

Aus Sicherheitsgründen musste die MST im Jahr 2010 bereits das Eingangsportal instand setzen. „Danach begannen die Planungen für die komplette Schlossanlage“, schildert Marc Baloniak das Vorgehen. Als Arbeits-, Finanz- und Zeitpläne fertig waren, starteten in 2013 die Arbeiten an den Außenmauern des Westflügels.

„Dort hatten wir größere Schäden zu sanieren, mussten einige Steine austauschen. Der Aufwand im Innenbereich fiel dagegen geringer aus“, erläutert Projektleiter Ägidius Strack.

„Broicher Mörtel“ festigt die Mauerfugen

Für die Fugen zwischen den Sandsteinen hat das Team einen speziellen Mörtel entwickelt. „Auf diese Erfahrungen konnten wir aufbauen und den ,Broicher Mörtel’ in allen folgenden Bauabschnitten einsetzen.“, beschreibt der Projektleiter. Über die letzten sieben Jahre und über alle Mauern verteilt, seien dabei etliche Kilometer an Fugenlänge zusammengekommen. Die Broicher Mörtelmischung wird auch bei zukünftigen Reparaturen eingeschmiert werden.

Mehrere Gräben durchziehen zur Zeit den Innenhof des Schlosses. Die Bauleute haben dabei nicht wie Heinrich Schliemann in Troja gearbeitet. „Aber wir haben einige Überraschungen und historische Mauerreste vor dem Hochschloss entdeckt. Diese sind inzwischen archäologisch, dokumentiert, bewertet und wieder geschützt im Boden konserviert“, so Baloniak.

Neue Anschlüsse für Strom und Wasser im Schlosshof

„Aus diesem Grund mussten wir an mehreren Stellen neue Leitungsgräben ziehen, um Anschlüsse für Strom und Wasser erreichen zu können“, sagt Lars Klotzbach. Der Landschaftsarchitekt hat dabei auch mehrere Anschlüsse am Bühnenbereich und auf der Hoffläche verteilt, „die bei Veranstaltungen benutzt werden können“. Damit sollen Kabel- und Schlauchstränge auf dem Boden bei Festen wegfallen.

Die Feuerwehr hat eine Trinkwasserringleitung mit mehreren neuen Löschanschlüssen bekommen. Diese stabilisiert gleichzeitig die Versorgung der Sanitäranlagen im Schloss. An zahlreichen Kabelenden nahe der Mauern wird der Stromlieferant Innogy LED-Strahler anschließen und deren Betrieb auch finanzieren. „Demnächst können wir damit das Schloss abends illuminieren“, bedankt sich Marc Baloniak.

Demnächst wird das Schloss abends beleuchtet sein

Für rund 4,3 Millionen Euro ist die Schlosssanierung damit bald abgeschlossen und „wir sind im Kostenrahmen geblieben“, betont Projektleiter Strack. „Mit allen Arbeiten konnten wir die Substanz der historisch wertvollen Gebäude erhalten und vorerst sichern“, ergänzt Ursula van Straalen, Mitarbeiterin der Unteren Denkmalbehörde.

Einige Eingänge haben jetzt kleine Rampen statt einer Stufe. „Komplett barrierefrei ist das Schloss aber nicht zu haben“, sagt Marc Baloniak. Das sei aus Gründen des Denkmalschutzes nicht zu verwirklichen.

In den 1960er Jahren sei Schloss Broich umfassend saniert worden. „Wir hoffen, dass bei korrekter und regelmäßig notwendigen Reparaturen für die nächsten 50 Jahre keine großen Arbeiten hier erforderlich sind“, sagt die Denkmalpflegerin der Stadt. In zwei Monaten können die Mülheimer wieder mit ihren Gästen die ursprüngliche karolingische Burg mit späterer Schlosserweiterung besuchen.

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