Coronavirus

Kontaktverbot in Mülheim: Jugendliche bespucken Passanten

Das Mülheimer Ordnungsamt ist in der Stadt unterwegs und achtet auf die Einhaltung der Kontaktsperre.

Das Mülheimer Ordnungsamt ist in der Stadt unterwegs und achtet auf die Einhaltung der Kontaktsperre.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim  Die Polizei sucht drei Jugendliche, die Passanten bespuckt haben sollen. Die überwiegende Zahl der Mülheimer hält sich an das Kontaktverbot.

Tag eins nach der Einführung des Kontaktverbots. Wie sind die Erfahrungen des Ordnungsamtes und der Polizei in Mülheim? Die weitaus meisten Bürger halten sich an die Auflagen. In Mülheim musste die Polizei allerdings in einem Fall Strafanzeige stellen: Junge Leute hatten am Montag mit Corona gedroht und Passanten bespuckt.

In erster Linie wird das Ordnungsamt die Einhaltung der neuen Regelungen in der Stadt überprüfen. "Die Polizei wird parallel unterstützen, wir sind ja 24 Stunden im Dienst", so Polizeisprecher Christoph Wickhorst auf Anfrage. Die Behörden seien im engen Austausch miteinander. Die Polizei will noch nicht restriktiv vorgehen, zunächst kommunikativ. "Das ist ja", so Wickhorst, "für alle eine neue Erfahrung". Für den Bürger sei oft noch nicht nachvollziehbar, was er nun noch dürfe und was nicht. Anfragen werden derzeit täglich an die Polizei gestellt, die darum bittet, nicht den Notruf dafür zu wählen.

Mülheimer Bürger halten sich überwiegend an die Auflagen

Die Bürger verhielten sich überwiegend vernünftig, diese Beobachtung machte auch das Ordnungsamt. Die Menschen seien allein oder zu zweit unterwegs, halten die nötigen Abstände zueinander ein. Es gibt wohl aber auch unrühmliche Ausnahmen, wie jenes stark alkoholisierte Trio, das am Montag gegen 12 Uhr am Heifeskamp in Dümpten Passanten angepöbelt und sogar bespuckt, dabei mit dem Coronavirus gedroht haben soll, wie Zeugen der Polizei berichteten.

"Das ist keine Bagatelle. Auch wenn das als Spaß gemeint war, so wird das keinesfalls toleriert", sagt Polizeisprecher Peter Elke. Die jungen Leute konnten vor dem Eintreffen der drei Streifenwagen flüchten, einer mit dem Fahrrad. Sie müssen sich, wenn sie ermittelt werden, wegen des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz verantworten. Das ist eine Straftat, erinnert Elke. Hinweise aus der Bevölkerung, wo man sich nicht an die Auflagen halte, gab es schon zuvor, und dem werden auch nachgegangen, so die Polizei, die damit rechnet, dass es künftig noch mehr werden.

Mülheimer Ordnungsamt hat am Wochenende zehn Strafanzeigen gestellt

Das Ordnungsamt hat am Wochenende mehrere Hundert Locations im gesamten Stadtgebiet abgefahren und rund 150 davon kontrolliert. Zehn Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen die Allgemeinverfügung wurden gestellt, zumeist waren es Restaurants oder Kioske, die sich nicht an die Öffnungszeiten gehalten hatten, sagte Stadtsprecher Volker Wiebels.

Der Kommunale Ordnungsdienst wurde um zehn Verwaltungsmitarbeiter aufgestockt. Aktuell sind - abzüglich von Krankheitsfällen - rund 25 Mitarbeitende unterwegs, um auch die Einhaltung des Kontaktverbots zu kontrollieren. "Die Menschen verhalten sich sehr diszipliniert", so Wiebels. "Der Großteil der Leute hat jetzt verstanden, dass es darum geht, die Ausbreitung des Virus' zu verhindern." Und auch darum, die weitere Einschränkung der persönlichen Freiheit zu vermeiden.

ENTWICKLUNG DER EINSÄTZE

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in den letzten beiden Wochen haben in Mülheim und Essen bereits zu Veränderungen der Einsatzzahlen bei der Polizei geführt. Diese Zahlen gelten für beide Städte.

Vom 9. bis zum 23. März gab es in diesem Jahr mit 99 Anzeigen weniger Körperverletzungsdelikte als im Vergleichszeitraum 2019, da waren es 147.

Die Leute sind weniger unterwegs und mehr zu Hause, die häuslichen Gewalttaten haben sich verdoppelt: von 32 in 2019 auf 63 Taten. Es wurden auch mehr Ruhestörungen angezeigt: 325 waren es 2019, in diesem Jahr schon 355.

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