Stadtentwicklung

Lindgens-Areal: Investor kontert Kritik an massiver Bebauung

Das Lindgens-Areal am Kassenberg aus der Luft. Einen Baustart für das Prestigeprojekt zur Stadtentwicklung erwartete Investor SMW zuletzt nicht vor dem Jahr 2021.

Das Lindgens-Areal am Kassenberg aus der Luft. Einen Baustart für das Prestigeprojekt zur Stadtentwicklung erwartete Investor SMW zuletzt nicht vor dem Jahr 2021.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Mülheim.  Das attraktive Lindgens-Areal dürfe „nicht zugepflastert“ werden, hatte Peter Beitz (FDP) gesagt. Das will der Investor so nicht stehen lassen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nach der beißenden Kritik von FDP-Fraktionschef Peter Beitz an Plänen für eine üppigere Bebauung auf dem Areal der ehemaligen Lederfabrik Lindgens am Kassenberg meldet sich Investor SMW (Sparkasse Mülheimer Wohnungsbau) zu Wort – und mahnt eine sachliche Debatte an.

Beitz hatte im Stadtrat seinem Unmut darüber Luft gemacht, dass mittlerweile davon die Rede ist, dass 360 Wohneinheiten entstehen sollen. Dies ist das Ergebnis eine städtebaulichen Wettbewerbs, bei dem der Entwurf von „rha reicher haase associierte“ (RHA, Aachen) und dem Landschaftsarchitekturbüro „club L 94“ aus Köln als Sieger hervorgegangen war.

Beitz (FDP): Attraktive Lagen dürfen nicht zugepflastert werden

Der Entwurf sieht eine drei- bis fünfgeschossige Bebauung im Hinterland zwischen Kassenberg und Ruhr vor. Statt 200 sollen nun bis zu 360 Wohneinheiten möglich werden. Bei einer ersten Bürgerversammlung zum Bebauungsplanverfahren waren Zweifel laut geworden, ob Kassenberg und Düsseldorfer Straße den zu erwartenden Verkehr noch verkraften können.

„Attraktive Lagen müssen auch attraktiv bebaut und nicht zugepflastert werden“, echauffierte sich Beitz im Stadtrat. Die Pläne für das 4,2 Hektar große Grundstück würden dessen Bedeutung als Filetstück der Stadtentwicklung nicht gerecht. Beitz gab sich zudem überrascht, dass nun von 360 Wohneinheiten die Rede sei. Investor SMW mag das so nicht stehen lassen.

Investoren sehen städtebaulichen Entwurf als „Mittelweg“

Die Geschäftsführung verweist darauf, dass der aktuelle Planungsstand Ergebnis eines Wettbewerbs unter renommierten Büros für Architektur und Stadtplanung sei. Planungsausschuss und Stadtverwaltung seien eng mit einbezogen worden, so auch in der Fachjury zum Wettbewerb, wo SPD und CDU vertreten waren.

„Unter den neun eingereichten Entwürfen waren auch mehrere, die eine deutlich höhere Zahl an Wohnungen zugelassen hätten“, heißt es in der Erklärung der SMW-Geschäftsführung. „Die Jury hat sich für einen Mittelweg entschieden, der eine aufgelockerte Bebauung mit Grünflächen und Naherholungsqualität erlaubt.“

„Konkrete Vorgaben macht erst der Bebauungsplan selbst“

Für die SMW-Chefs unverständlich ist auch, warum sich Beitz beklagt, erst „aus der Zeitung erfahren“ zu haben, dass mit dem Entwurf rund 360 Wohneinheiten möglich wären. So steht es nämlich schon im Entwurf für den Bebauungsplan, der im September von der Planungspolitik in die erste Verfahrensstufe gehoben worden ist.

„Konkrete Vorgaben macht erst der Bebauungsplan selbst“, warnt sich SMW im frühen Stadium der Planung vor voreiliger Kritik. Klar sei für die SMW, dass das Gelände „erheblichen Spielraum für Bauherren bietet und auf eine Weise entwickelt werden soll, die den Bürgern zugutekommt.“

SMW: Größere Zahl von Wohnungen bedeutet nicht automatisch eine geringere Qualität

Ein harmonisches Miteinander verschiedener Baukörper und verschiedener Wohnformen sei möglich, für Menschen mit ganz unterschiedlichen Wohnwünschen. „Sollte die Politik entsprechende Signale senden, dann können auch öffentlich geförderte Wohnungen Teil des Gesamtkonzepts werden. Auch Büro- und Gewerbenutzung könnte ihren Platz finden. Die Vorstellung, dass eine größere Zahl von Wohnungen automatisch eine geringere Qualität der Bebauung bedeutet, ist ohnehin falsch.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben