Stadtentwicklung

Mit Naturschutz bleibt Mülheims Ruhrinsel als Bauland tabu

Das Areal der Trinkwassergewinnung ist schon lange Landschaftsschutzgebiet. Um erwachsene Begehrlichkeiten auf diese Fläche zu unterbinden, will die Stadt die komplette Fläche unter den höherwertigen Naturschutz stellen.

Das Areal der Trinkwassergewinnung ist schon lange Landschaftsschutzgebiet. Um erwachsene Begehrlichkeiten auf diese Fläche zu unterbinden, will die Stadt die komplette Fläche unter den höherwertigen Naturschutz stellen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Mülheim.  Die Stadt will die Ruhrinsel vom Landschafts- in den Naturschutz erheben, um Magerwiesen und Artenvielfalt zu erhalten. Bauen ist dort dann tabu.

Die grüne Wieseninsel zwischen Kraftwerkskanal und Altruhrarm war schon immer „verbotenes Gebiet“. Hohe Zäune riegelten das Wassergewinnungsgelände der RWW-Gesellschaft ab. Nur bestimmte Personen durften das Landschaftsschutzgebiet betreten. Nun will die Stadt die rund 10,25 Hektar große Fläche in ein Naturschutzgebiet umwandeln, das strengeren Regeln unterliegt als bisher. Bezirksvertretung 1 und Umweltausschuss werden bald darüber beraten. Akzeptieren die politischen Gremien nach den notwendigen Beteiligungsverfahren die Änderungen zum Landschaftsplan, wird es weitere Einschränkungen und Verbote im Einzugsbereich der Ruhrinsel geben.

Projektentwickler würden auf der Insel bauen wollen

Nachdem die RWW (Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft) ihr Wasserwerk an der Dohne aufgegeben hat, braucht sie auf der gegenüberliegenden Seite des Kraftwerkskanals ihr Trinkwassergewinnungsgelände nicht mehr. Die Brunnenanlagen dort bleiben jedoch erhalten. Das Wasserwerk am Ufer ist bereits an einen Immobilienentwickler verkauft.

Auch für die Ruhrinsel gegenüber haben mehrere Häuserbauer bereits ihre Fühler ausgestreckt. „Hochwertiges Wohnen am Wasser“ ließe sich immer bestens vermarkten, lautete ihr Argument. „Die Brücke zur Verkehrsanbindung ist auch zu regeln“, gab es Überlegungen geldstarker Projektentwickler. Dem erteilen Stadtplaner jetzt eine klare Absage.

Naturschutz von Mendener bis Schlossbrücke

Hatte der Landschaftsschutz noch mehrere Ausnahmeregelungen für die Ruhrinsel zugelassen, ist der Naturschutz höherwertig. Werden die Ratsgremien nach der Bürgeranhörung den Landschaftsplan – wie vorgeschlagen – neu regeln, dürfen Angler im Bereich der Ruhrinsel gar nicht mehr fischen. „In einem 20 Meter breitem Streifen längs dem Ufer der Ruhrinsel an der Dohne ist das Schwimmen und Befahren der Ruhr untersagt“, steht ebenfalls in den Änderungsvorschlägen für den Naturschutz.

Mit dem Ausweiten des Naturschutzes über die komplette Ruhrinsel Richtung Innenstadt, wird sich das bisherige Naturschutzgebiet „Saarn-Mendener Ruhraue“ ab „Kocks Loch“ zusammenhängend vergrößern. „Die Ruhrinsel an der Dohne ist aufgrund der vorhandenen Lebensräume, der Artenausstattung und ihrer Lage von besonderem Wert für Naturschutz und Landschaftspflege“, lautet die Begründung.

Magerwiesen sind besonders schützenswert

Bereits 1996 hatte die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten empfohlen, die Fläche unter Naturschutz zu stellen. Damals hatte die RWW wegen ihrer Trinkwassergewinnung Bedenken vorgetragen. Daher galt bisher „nur“ der Landschaftsschutz.

Längst erfüllen die „Magerwiesen der Ruhrinsel die Kriterien als gesetzlich besonders geschütztes Biotop“. Solche artenreichen mageren Wiesen seien in NRW „dramatisch zurückgegangen und stark gefährdet“. Weitere Argumente für den Naturschutz: „Die für die Öffentlichkeit gesperrte Fläche dient als Rückzugsort störempfindlicher Arten im dicht besiedelten und als Naherholungsraum genutzten Ruhrtal. Sie sichert damit den landesweit bedeutsamen, aber in der Stadtmitte eingeengten Biotopverbundkorridor Ruhrtal.“

Schmaler Uferweg bleibt erhalten

Zusätzlich wirke die Fläche als „Frischluftentstehungsgebiet und Frischluftschneise vor allem für die stark verdichtete Innenstadt“. Die Ruhrinsel sei als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen und diene als Hochwasser-Ausdehnungsraum oberhalb der Engstellen des Ruhrtals im Bereich der Schloßbrücke.

Wie bisher soll der schmale Uferweg zwischen Kahlenbergwehr und Wasserkraftwerk für Fußgänger und Radler erhalten bleiben. Ob dieser für die Iga (Internationale Gartenbau-Ausstellung 2027) erweitert werden kann, steht nicht in der der Vorlage zur Planänderung.

Ruhr zum Schutz der Artenvielfalt

Es soll auch in Zukunft „ruhig bleiben zum Schutz der Artenvielfalt“, heißt es auf Seite 13 der Planerläuterungen. In Weiterhin dürfen auf der Fläche keine Gehölz gefällt oder ausgerissen werden. Auch das Töten von Tieren verbietet der Naturschutz. In früheren Zeiten lud der RWW-Vorstand auch örtliche Politiker zur Jagd nach Wasservögeln auf die Ruhrinsel ein. Das ist Vergangenheit und ist in Zukunft ebenfalls dort verboten.

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