Filialaufgabe

Mülheim: SPD sorgt sich um Nahversorgung auf der Heimaterde

Die Netto-Filiale am Sunderweg in Mülheim-Heimaterde hat geschlossen. Die Firma Kels, Eigentümer der Immobilie, überlegt noch, was dort realisiert werden kann. Viele Anwohner wünschen sich wieder einen Supermarkt oder ein Café.

Die Netto-Filiale am Sunderweg in Mülheim-Heimaterde hat geschlossen. Die Firma Kels, Eigentümer der Immobilie, überlegt noch, was dort realisiert werden kann. Viele Anwohner wünschen sich wieder einen Supermarkt oder ein Café.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim  Seitdem der Netto-Markt am Sunderweg dicht hat, müssen gerade ältere Menschen weitere Wege in Kauf nehmen. SPD beklagt generelles Problem.

Anwohner und Ortspolitiker der Mülheimer SPD auf der Heimaterde zeigen sich besorgt über die Schließung des Netto-Lebensmittelhandels am Sunderweg. Gerade für ältere Menschen entstehe nun eine Lücke in der Nahversorgung.

Bereits in der vergangenen Woche hat der Netto-Markt am Sunderplatz seine Türen geschlossen. In der Facebook-Gruppe "Die Heimaterdler" wird darüber heiß diskutiert. "Schade" finden es die meisten Nutzer, die noch Kindheitserinnerungen mit der kleinen Filiale neben der Grundschule verbinden. Bereits vor einigen Jahren hat die Bäckerei schräg gegenüber von Netto dicht gemacht - nun wünschen sich viele Anwohner wieder einen Nahversorger an der Stelle, einer schlägt gar einen "Bürgerladen mit Café" vor, "als Genossenschaft".

Gerüchte über Getränkemarkt aufgelöst

Gerade viele ältere Menschen nutzten die kurzen Wege zum zentral gelegenen Netto, um dort Lebensmittel einzukaufen. Nun müssen sie etwas weiter gehen: Einzig verbliebener Supermarkt auf der Heimaterde ist der Edeka-Markt Kels auf der Kleiststraße.

Dessen Geschäftsführer Felix Kels ist Eigentümer der Immobilie am Sunderplatz und schaltete sich in die Diskussion in der Heimaterde-Gruppe ein. Wohl auch, um ein Gerücht aufzulösen, das sich unter den Nutzern verbreitet hatte: Netto wurde gekündigt, damit ein Getränkemarkt entstehen könne.

Mietvertrag wurde von Netto nicht verlängert

"Wir sind seit vielen Jahren Eigentümer der Immobilie und haben an Netto vermietet", bestätigt Felix Kels. Netto habe die Möglichkeit gehabt, den Mietvertrag um weitere fünf Jahre zu verlängern, diese aber nicht genutzt. "Über die internen Hintergründe der Schließung wissen wir nichts." Wie das Grundstück weiter verwendet werde, sei derzeit noch offen. "Es gibt im Moment mehr als eine Option für den Standort, daher wird es erst in den nächsten Wochen eine Entscheidung geben", sagt Kels.

"Leider hat uns Corona bei der Planung und Abstimmung mit dem Bauamt erstmal einen Strich durch die Rechnung gemacht und das Ganze verzögert." Ein Getränkemarkt sei allerdings unter verkehrstechnischen Gesichtspunkten und vor dem Hintergrund von Lärm und Emissionsschutz nicht umsetzbar - "und von uns auch nicht geplant", versichert der Händler.

SPD will sich für Lebensmittelhandel einsetzen

Die SPD will sich nun dafür einsetzen, dass am Standort auch künftig ein Lebensmittelmarkt angesiedelt ist. „Wie ein Blick auf Seite 28 des ‚Masterplans Zentren und Einzelhandel‘ der Stadt aus 2015 zeigt, entstünde mit dem Wegfall einer Lebensmittelversorgung an diesem Standort ein ‚Nahversorgungsloch‘“, analysiert Carina Feske, SPD-Kandidatin für den Heißener Kommunalwahlbezirk 10 und selbst auf der Heimaterde wohnhaft: „Der Standort hat unstreitig seine Berechtigung gerade für die fußläufige Versorgung im Stadtteil.“

Ohnehin stehe die Filialaufgabe am Sunderplatz stellvertretend für eine problematische Entwicklung: Die Konzentration von Supermärkten auf Standorte, die ausschließlich auf eine gute Erreichbarkeit mit dem Auto ausgelegt sind. Dies gehe seit vielen Jahren zu Lasten der Nahversorgung im Quartier. Dieser Entwicklung müsse man aktiv mit den Mitteln der Stadtplanung begegnen, meinen die Ortspolitiker.

INFO:

- Neben der zunehmend älteren Wohnbevölkerung spielten bei der Standortwahl von Nahversorgern auch soziale und ökologische Gründe eine Rolle, so Daniel Mühlenfeld, umweltpolitischer Sprecher der SPD.

- Nicht jeder Haushalt habe ein Auto zur Verfügung. "Mit Blick auf die zu erreichenden Einsparziele bei den CO2-Emissionen gerade im Verkehrssektor ist eine Nahversorgung im Wohnquartier auch ein Beitrag zur Minderung von klimaschädlichen Schadstoffausstößen", so Mühlenfeld.

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