Polizei

Mülheim: Warum die Terrorabwehr im Bahnhof nach Waffen sucht

Eine Woche lang kontrollieren Polizeibeamte Bürger im Mülheimer Hauptbahnhof nach Waffen. Im Fokus stehen junge Leute. Schlägereien zwischen Jugendlichen am Essener Hauptbahnhof waren der Auslöser. 

Eine Woche lang kontrollieren Polizeibeamte Bürger im Mülheimer Hauptbahnhof nach Waffen. Im Fokus stehen junge Leute. Schlägereien zwischen Jugendlichen am Essener Hauptbahnhof waren der Auslöser. 

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim  Eine Woche lang kontrollieren Polizeibeamte im Mülheimer Hauptbahnhof Bürger auf Waffen. Nach Ausschreitungen stehen Jugendliche im Fokus.

Manchmal kann es gut sein, dass man bei der Suche nicht fündig wird: Die vier Bundespolizisten, die seit Mittwoch in der Passage im Hauptbahnhof nach Waffen kontrollieren, sind darüber nicht traurig, bislang eben keine Messer, Schlagringe, Pistolen oder nur Baseballschläger in den Taschen der Pendler gefunden zu haben. Doch die Aktion dauert noch bis Mittwoch an, „warten wir es ab“, sind die Beamten geduldig.

Nicht, dass Waffen ansonsten hier erlaubt wären, wie Mancher bei Bekanntwerden der Aktion in Facebook-Foren schon unkte: Es geht hier auch um Objekte, die augenscheinlich nicht zu den Waffen zählen, aber dennoch gezielt als solche mitgeschleppt werden wie das Teppichmesser, der Schraubendreher oder auch das so genannte Tierabwehrspray – „Alltagsgegenstände, was eben unauffällig in die Tasche passt“, kommentiert ein Beamter.

Im Fokus: Jugendliche und junge Erwachsene

Jedenfalls bei einem bestimmten Klientel, erzählt der Oberkommissar, der normalerweise bei der Terrorabwehr am Flughafen arbeitet. Und er meint damit keine Handwerker, sondern „unsere Zielgruppe sind typischerweise Jugendliche, die mit zunehmendem Alkoholkonsum gewalttätig werden“. Der Bahnhof scheint ein idealer Treff zu sein für sie und junge Erwachsene, um sich zum Zoff regelrecht zu verabreden. Wie vor wenigen Tagen am Essener Hauptbahnhof.

„Es gibt am Bahnhof viele Fluchtwege, die Supermärkte haben 24 Stunden geöffnet, es gibt eine hohe Fluktuation und man findet hier auch leider leicht Opfer für Taschendiebstähle und Schlägereien“, zählt der Oberkommissar die vermeintlichen Vorteile auf. Immer öfter werden auch Obdachlose zum Ziel von Gewalttaten solcher ,Halbstarker', weil sie oft wenig Widerstand leisten können.

Profiling ist nicht unumstritten

Was treibt sie an? Bandenrivalität, Aggression, Perspektivlosigkeit? In Essen wird das konkret noch ermittelt, doch klar ist, dass in vielen Fällen Alkohol und Drogen im Spiel sind. Mit ihnen scheint die Gewaltbereitschaft zu wachsen, also filtert die Polizei auch hier gezielt nach solchen Anzeichen.

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Unbedenklich ist auch ein solches „Profiling“ nicht, es stand in den vergangenen Jahren oft in der Kritik, diskriminierend oder sogar rassistisch motiviert zu sein – erleben die Beamten häufig Anfeindungen oder Widerstand? „Selten – weil wir den Menschen erklären, warum wir sie ansprechen. Wenn sie uns verständlich machen, warum sie etwa Werkzeug bei sich tragen, ist die Untersuchung auch schon beendet“, erklärt der Oberkommissar.

Manche begrüßen die Polizeipräsenz

Doch für alle Fälle tragen die Beamten sichtbare Schutzwesten, sie gehören zum Standard wie die Handschuhe, erklärt ein Beamter. Mit den corona-bedingten Masken wirken die Bundespolizisten beeindruckend, doch Mancher begrüßt die verstärkte Polizeipräsenz – eine Frau grüßt explizit die Beamten freundlich. „Das erleben wir immer wieder. Mancher will auch einfach mal mit uns plaudern“, meint der Oberkommissar. Corona hat eben viele Gesichter, und nicht zuletzt sorgt die Präsenz just dafür, dass die Terrorabwehr die Bundespolizei am Bahnhof unterstützt, weil aktuell am Flughafen wenig los ist.

Doch es gibt die feine Gratwanderung, wann ein positives Sicherheitsgefühl in ein unbehagliches Überwachtwerden umschlägt. „Die Grenze liegt etwa bei acht Polizisten“, verrät der Oberkommissar. Dann seien die Menschen alarmiert, ob vielleicht gerade etwas passiert ist oder passieren wird.

Noch keine Funde: Bilanz in einer Woche

Waffen haben die Polizisten am Mülheimer Bahnhof bislang noch nicht aufgespürt – auch das liegt daran, dass das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren wurde. Viel ist am Donnerstagmittag nicht los. War es vielleicht taktisch unklug, die Aktion öffentlich anzukündigen? „Es ist gesetzliche Vorschrift, wenn wir eine Allgemeinverfügung aussprechen“, klärt ein Polizeisprecher auf. Noch bis zum 20. Januar, 6 Uhr morgens, gilt diese im Mülheimer und Essener Hauptbahnhof inklusive der Gleisanlagen. Danach ziehen die Beamten Bilanz.

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