Corona-Auflagen

Mülheimer feiern Vatertag in Corona-Zeiten ohne Bollerwagen

Vatertag 2020 in Mülheim: Auf dem Leinpfad versuchen sich Radfahrer und Fußgänger nicht in die Quere zu kommen.

Vatertag 2020 in Mülheim: Auf dem Leinpfad versuchen sich Radfahrer und Fußgänger nicht in die Quere zu kommen.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die meisten Mülheimer Männer verzichteten auf feucht-fröhliche Touren. Eine illegale Straßenparty und Streit mit Ordnungskräften gab’s in Broich.

Bollerwagen, Alkohol, Musik: Den Vatertag feiern viele Männer normalerweise feucht-fröhlich und scharenweise mit einer Tour samt Bollerwagen quer durch Mülheim. Diesmal hätte sogar das tolle Sommerwetter mitgespielt. Wenn - ja, wenn da nicht Corona wäre. Die Pandemie hat dem bunten Treiben der (angehenden) Familienväter einen Strich durch die Rechnung gemacht und den meisten Männern die Bollerwagen-Tour vermasselt.

Giovanni Richter zieht eine Sackkarre an den Ruhrstrand an der Mendener Brücke. Gemeinsam mit Cousins und den Kindern möchte der Familienvater ein Picknick machen und wenigstens ein bisschen den Vatertag feiern. „Das heißt aber nicht, dass wir uns jetzt maßlos betrinken, es ist mehr ein Väter-Söhne-Ausflug, den man ja in der Form endlich wieder machen darf“, freut sich Richter, und betont, „dass wir natürlich auf den notwendigen Abstand achten, damit es kein kurzes Vergnügen wird, weil das Ordnungsamt etwas zu beanstanden hat“.

Zahlreiche Boote auf der Ruhr unterwegs

Die klassische Vatertags-Truppe mit Bollerwagen, trifft man am Donnerstag nicht. Anstatt einen über den Durst zu trinken, nutzen viele Väter den sonnigen Tag für einen Ausflug mit der Familie. Zu Fuß, mit Fahrrädern oder auch auf dem Wasser. Zahlreiche Boote sind auf der Ruhr unterwegs, man hält kurz an für einen kleinen Plausch unter Freunden, verabschiedet sich schnell wieder, damit es auch nicht auf dem Wasser zu großen Ansammlungen kommt. Es scheint, als hätten sich die Mülheimer mit den Einschränkungen in dieser seltsamen Zeit zu einem großen Teil arrangiert.

Nur Kanadagänse verstoßen gegen die Abstandsregeln

Auch am Ruhrstrand und anderen Uferbereichen sieht man nur vereinzelt Paare, Freunde oder Familien, die es sich auf Decken gemütlich gemacht haben und die Sonne genießen. Gegen die Abstandsregeln verstoßen hier nur die unzähligen Kanadagänse, die die ungewohnt menschenleere Wiese zur Nahrungssuche nutzen.

Etwas abseits haben Angela und Lothar Asbeck ihr Lager aufgeschlagen. Die Rentner aus Mellinghofen kommen bei gutem Wetter öfter hierher und genießen die Ruhe. „Sonst, also ohne Corona, ist hier immer viel mehr los und es knubbelt sich ziemlich“, sagt Angela Asbeck. „Jetzt sitzen wir hier ganz entspannt, beobachten, was so auf dem Wasser oder gegenüber auf dem Leinpfad los ist, und lassen die Seele baumeln.“

Viel los auf dem Leinpfad und auf der Schleuseninsel

Viel Betrieb herrscht hingegen wieder auf dem Leinpfad und auf der Schleuseninsel. Fahrradfahrer und Fußgänger versuchen sich nicht in die Quere zu kommen. Auch hier sind ausschließlich Familien oder Paare unterwegs. Feucht-fröhliche Vatertags-Truppen? Fehlanzeige. Selbst in der Müga haben sich nur vereinzelt sonnenhungrige Mülheimer auf der großen Wiese niedergelassen. Väter, Mütter und Kinder nutzen den Wasserspielplatz für eine kühle Erfrischung.

Biergärten und Terrassen gut besetzt

Für die Gastronomen, denen nun auch das Vatertagsgeschäft durch die Lappen geht, ist es dennoch ein kleiner Trost, dass sie überhaupt wieder öffnen können. Es ist zumindest ein Lichtblick. Denn die Menschen sind nicht nur sonnenhungrig. Auch das Essengehen, dieser kulinarische Luxus, hat vielen Mülheimern sichtlich gefehlt. Auch wenn es mit Einschränkungen verbunden ist.

Und so sind an diesem Vatertag die Biergärten und Terrassen der Lokale (corona-) verhältnismäßig gut besetzt. Und dort wird dann auch angestoßen. Ein Prost auf die Väter. Ein Prost auf die ganze Familie!

An der Bude am Entenfang war es wieder „grenzwertig“

An manchen Stellen im Stadtgebiet haben sich die Vatertags-Ausflügler allerdings nicht ganz so vorbildlich verhalten. Insgesamt sprach das Ordnungsamt an Christi Himmelfahrt sechs Platzverweise aus und schrieb eine Anzeige.

Am Entenfang etwa sei es grenzwertig gewesen, berichtet Stadtsprecher Volker Wiebels. Das Büdchen habe wieder geöffnet, entsprechend mehr Menschen zog es an den See, um die 100 Besucher. „Dort war viel los, daher waren wir mehrfach vor Ort“, so Wiebels.

Genauso an der Ruhr und auch in der Müga. Dort sei es zwar voll gewesen, „aber nicht so, dass wir räumen mussten“. Erst am Abend habe sich eine größere Gruppe Jugendlicher unter den Viadukten in der Müga versammelt - diese Party sei aber „diskussionslos vom Ordnungsamt aufgelöst“ worden.

Musik-Truck und Streit mit Ordnungskräften in Broich

Zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften kam es aber gegen 19.30 Uhr ein paar Meter an der Prinzeß-Luise-/Ecke Duisburger Straße. „Dort stand ein Musik-Truck mitten auf der Straße und eine Traube von Menschen davor“, berichtet Wiebels. Die etwa 40 Besucher seien stark alkoholisiert gewesen und filmten die Ordnungskräfte mit Handys. Der Anordnung, die Videos zu löschen, seien sie nicht nachgekommen. „Die Kollegen waren kurz davor, die Polizei einzuschalten“, so Wiebels.

Der Besitzer des Party-Trucks sei aus einer anderen Stadt angereist und konnte keine Genehmigung vorweisen. Er musste die Musik ausschalten und den Ort verlassen.

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