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Mülheimer Hochschule Ruhr West verbindet Technik mit Kunst

Prof. Dr. Susanne Staude erforscht die virtuelle Umgebung im Museum Temporär an der Schloßstraße. Sie kann den Nutzer für Umweltschutz und für Behinderungen sensibilisieren

Prof. Dr. Susanne Staude erforscht die virtuelle Umgebung im Museum Temporär an der Schloßstraße. Sie kann den Nutzer für Umweltschutz und für Behinderungen sensibilisieren

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Service

Mülheim.  Ausstellung im Mülheimer Museum Temporär soll Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst beleuchten. Wie eine Black Box die Wahrnehmung täuscht

Was macht die Technik zur Kunst, was kann Kunst zur Technik beitragen? Die gemeinsame Ausstellung der Hochschule Ruhr West und des Museums Temporär „Antworten warten auf Fragen“ soll nur ein erster Schritt sein, die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Disziplinen auszuschnuppern.

Ausstellung zeigt Kunst, die man riechen kann

An der Schloßstraße 28 sind noch bis zum 15. September Projekte zu sehen, die diesen Bogen spannen. Am Deutlichsten zeigt dies vielleicht eine kleine „Black Box“, aus der junge Studenten ihr künftiges Start-up-Unternehmen ziehen wollen. Es soll Gerüche passend zu Filmen abspielen – „nur die, die man riechen möchte“, versichert einer der Macher.

Das kann eine Blumenwiese in einem Naturfilm sein, verbrannte Autoreifen bei „The fast and the furious“ oder der Geruch von Eisen in einem Genrefilm der blutigen Art. Die menschliche Nase lässt sich offenbar leicht betrügen: Gerade einmal 80 verschiedene Gerüche soll sie wahrnehmen können. Zehn Gerüche stellt die Box aktuell synthetisch her, 120 soll sie später können.

Technik sensibilisiert für Behinderungen und Fake News

Auch die virtuelle Brille und eine entsprechende virtuelle Welt kann der Kunst dienen und pädagogischen Nutzen haben. Eine Studentengruppe um Prof. Sabrina Eimler will beides nutzen, um etwa den gestressten Bürohengst für kurze Zeit in eine entspannte Welt abtauchen zu lassen, ohne dabei den Arbeitsplatz verlassen zu müssen.

Ebenso kann die virtuelle Welt erlebbar machen, wie es sich anfühlt, sehbehindert zu sein, einen Tremor zu haben. Oder aber durch ein Plastikmüll verseuchtes Meer zu schwimmen. „Die Nutzer haben versucht, den Müll aufzusammeln“, berichtet Eimler – der gewünschte pädagogische Effekt hat gegriffen.

Einer echten faulen Sache ist Eimler und ihr Team auf der Spur: Fake News, Hass und Diskriminierung im Netz. „Courage“ heißt ihr Projekt, das als „virtuelle Begleitung“ per Software solche verletzenden oder bewusst unwahren Inhalte aufspürt und den Nutzer sensibilisiert.

Kooperation zwischen HRW und Museum soll weitergehen

Prof. Susanne Staude, Prof. Oliver Koch und Museumsleiterin Beate Reese haben das Kunst-Experiment ins Leben gerufen, um die gegenseitigen Horizonte auch für zukünftige Kooperationen zu erweitern. Eine erste Einschätzung? Reese sieht traditionell viele Verbindungen von Künstlern die Technik etwa den 3D-Drucker oder den Kopierer für die Kunst nutzten. Und umgekehrt? „Keine Frage, das wird weitergehen“, antwortet Staude inspiriert, „Ich hatte beim Reinkommen sofort hundert Ideen.“

Öffnungszeiten der Ausstellung: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 10-14 Uhr

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