Fridays for Future

Mülheimer Klima-Demo nimmt neuen Anlauf

„Wir sind laut“: Rund 40 Jugendliche und einige Erwachsene machten sich für den Klimaschutz stark.

„Wir sind laut“: Rund 40 Jugendliche und einige Erwachsene machten sich für den Klimaschutz stark.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Deutlich weniger Jugendliche gingen zur Fridays-for-future-Demo auf die Straße. Was die Bewegung bremst und was junge Leute dennoch antreibt.

„Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Stimmlich sind sie noch zu hören. Und doch läuft sich der Zug der Fridays-for-Future-Bewegung am Kurt-Schumacher-Platz nur langsam warm. Gerade einmal 40 Menschen, darunter etliche junge Leute, sind zur Freitagsdemo gekommen. Nicht schlecht, aber kein Vergleich zu den Anfangszeiten im Januar. Lokal scheint die Bewegung zu schwächeln – warum?

Der Bewegung fehlen die Abiturienten

An der Uhrzeit liege es nicht, glaubt Julian Schaa, der die Demo angemeldet und organisiert hat: „Im Gegenteil: Als wir noch zur Schulzeit demonstriert haben, haben sich gerade die Jüngeren nicht getraut mitzugehen, weil sie Angst vor dem Druck in der Schule hatten.“ Stichwort: Fehlstunden.

Lea Machno, die seit Januar für das Klima auf die Straße geht, sieht ein gravierendes Problem in der Unregelmäßigkeit der Demos: „Mal ist sie um 12, mal um 16 Uhr. Dann nur alle 14 Tage.“ Man müsse konstant bleiben, am besten wöchentlich, sonst präge sich das nicht ein. Auch fehle jetzt die Gruppe der Abiturienten, die nun von der Schule sind, aber die Jüngeren stark unterstützt hatten.

Für manche nur ,trendy’ – für andere ein Lebensstil

Ist Klimaschutz nicht mehr sexy genug? „Für manche ist das ,trendy’ gewesen, die Thematik ist aber nicht so durchgedrungen“, ist Franziska Brandl überzeugt. Sie sieht es an ihrem Bekanntenkreis: „Klimademo? Ach, heute nicht...“ Und wieder andere haben sich auch verändert, „positiv – sie haben durch die Bewegung ihren Lebensstil umgestellt“. So wie Brandl, die sich erst vegetarisch ernährt hat und dann auf vegan umstellte – „seit drei Monaten“, zeigt sie Daumen hoch. Demonstrieren sei gut. Aber wichtiger sei es ja, das eigene Leben umzustellen, meint die junge Frau.

Unverändert bleiben die Forderungen der Bewegung – manche ernst: Raus aus der Braunkohle, kostenloser ÖPNV und Fernverkehr. Andere reagieren mit Humor: „Helft mir bitte, mir wird warm“, hält ein Demonstrant im Pinguin-Kostüm ein Schild hoch.

Regelrechter Demonstrations-Tourismus

Der Einsatz, er ist noch da. Für manchen sogar ein regelrechter Demonstrations-Tourismus: „Um 11 war ich in Düsseldorf, um 13.30 Uhr in Duisburg und jetzt in Mülheim“, erzählt ein Sympathisant älteren Kalibers. „Der Zentralstreik in Aachen war imposant. Da konnte man die Überzeugung sehen“, erzählt er und schiebt nach: „der Kiddies“, ohne das despektierlich zu meinen.

Im Gegenteil, glaubt der Mann, der als Chemiker aus Überzeugung mitstiefelt – Science for future. Die aktuell geringere Schülerzahl sei aus seiner Sicht verständlich: „Am Schulanfang müssen sich alle neu organisieren: neue Klassen, neue Lehrer.“ Das werde sich bald ändern, ist der Chemiker überzeugt. Spätestens, wenn die Bundesregierung am 20. September ihre Klimapläne veröffentlicht – „dann sind wieder alle auf der Straße“.

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