Politik

Mülheimer SPD klopft Satirepartei „Die Partei“ auf den Busch

Wer lacht zuletzt? Dieter Spliethoff (v.l.), Fraktionvorsitzender der SPD im Rat,  und sein Parteigenosse Sven Bortlisch diskutieren im neunten Podcast mit Andreas Frank und Dominik Messink von der Partei „Die Partei“.

Wer lacht zuletzt? Dieter Spliethoff (v.l.), Fraktionvorsitzender der SPD im Rat, und sein Parteigenosse Sven Bortlisch diskutieren im neunten Podcast mit Andreas Frank und Dominik Messink von der Partei „Die Partei“.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  „Braucht die Politik mehr Witz?“ Im Podcast steigt die Mülheimer SPD in den Ring mit der Satirepartei „Die Partei“. Wer dabei zuletzt lachte.

Mit Segelbooten statt SUVs auf der A40, der Benennung des ständig aussetzenden RS1-Fahrstuhls in „Helmut Kohl“ hat die neue Mülheimer Partei „Die Partei“ die Lacher auf ihrer Seite. „Wie populistisch ist das denn?“, bohrt der Mülheimer SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Spliethoff deshalb in seinem neunten Podcast bei dem Vorsitzenden Dominik Messink und seinem Parteikollegen Andreas Frank nach. Die lassen bei allem Jux durchblicken, dass sie ernsthafte Politik machen wollen.

Freidenker haben Spaß – Realpolitik kassiert täglich Schelte

Nur offenbar keine sogenannte Realpolitik. „Wie lustig ist eine Steuererhöhung?“, konfrontiert Spliethoff seine Gäste freundlich, aber durchaus angriffslustig mit dem Joch der Ratsparteien: die leeren Kassen. „Ich habe von euch gelesen und mich geärgert“, räumt der SPD-Ratsmann ein, denn für Themen wie den ausgezehrten ÖPNV, die sanierungsbedürftige VHS kassieren Politiker derzeit kräftig Bürgerschelte. „Und ihr sagt einfach: Die Politik braucht mehr Witz.“

„Die Steuererhöhung war nicht der beste Witz“, kontert Andreas Frank, ein besserer Witz seien hingegen der Trubel um den Oberbürgermeister gewesen und die geplanten Kürzungen im Nahverkehr.

Auch in der Frage VHS wolle man nicht das „hässliche Haus an der hässlichen Aktienstraße“, sondern das Gebäude einfach selbst für einen Euro kaufen und als Parteizentrale selbst nutzen. Vielleicht auch selbst sanieren – Frank: „Da brauchen wir natürlich Gutachten und Gegengutachten.“

Wie schwer sich die ,ernsthaften’ Parteien mit Freidenkern und Satire tun, die sich mit ihrer Doppelbödigkeit kaum klassisch einfangen oder ,entlarven’ lassen, zeigt das Gespräch zwischen den beiden Seiten immer wieder.

SPD: Wir bereiten gerade ein großes Programm vor

Aber auch, wie sehr die Politik am Diktat der Finanzen hängt. Den schweren Stand seiner Zunft nimmt Spliethoff mit Humor, hakt aber nach: „Wie unterscheiden sich bei euch Humor und ernsthafte Politik?“ Das könne man nicht, räumt Frank ein, für den Vorsitzenden Messink ist jedoch „Humor ein Medium, um die Menschen wieder für Politik zu gewinnen. Bei Jugendlichen kommt das gut an – die fragen dann: Was meint ihr damit?“

Allerdings funktionierte das Nachbohren auch umgekehrt: „Was wollt ihr denn?“, dreht Andreas Frank den Spieß um, als ihm der Vorwurf, populistische Antworten auf komplexe Probleme zu bieten, offenbar etwas zu bunt wird. „Wir bereiten unser großes Programm vor“, muss Spliethoff selbst die Karten auf den Tisch legen, dass auch bei den ,normalen Parteien’ nicht alles so konkret ist, wie man glaubt.

Die Partei will weniger Autoverkehr, mehr ÖPNV und Grün

Doch berechtigt ist Spliethoffs Frage schon: Was würde „Die Partei“ denn bei Wahlerfolg im Rat tun? Noch sei man dabei, die Kompetenzen und Themen festzustecken, kündigte Frank an. Stadtentwicklung, Klimaschutz, Integration kristallisierten sich aber schon heraus. Einsparungen beim Nahverkehr seien aber ,inakzeptabel’. Frank kündigt an, zugunsten von Fahrrädern und ÖPNV den Autoverkehr in der Innenstadt einschränken zu wollen nach dem Vorbild von London, Paris und Kopenhagen. Auch ,Ruhrbania’ hätte es mit der Partei nicht gegeben. „Wir wollen weniger Verdichtung, mehr Grün“, so Frank.

So weit von dem entfernt, was Grüne und Sozialdemokraten wollen, ist „Die Partei“ offenbar nicht, „die Idee des Sozialen ist ein starkes Element bei uns“, räumt Frank ein. Wenn auch formal ein anderer Geist regiert. Standesgemäß verabschiedet sich die Partei von den SPD-Leuten nicht ohne Nadelstich: „Wir wünschen euch viel Erfolg bei der Kommunalwahl – ihr könnt es gebrauchen.“

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