Ausstellung

Mülheimerin hat ein Faible für kleinwüchsige Bäume

Ursula Funke aus Mülheim-Speldorf gehört dem Regionalverband Bonsai an und züchtet die Zwergenbäume. Bei der Jubiläumsausstellung Ende September in der Alten Dreherei stellt sie einige Exemplare aus.

Ursula Funke aus Mülheim-Speldorf gehört dem Regionalverband Bonsai an und züchtet die Zwergenbäume. Bei der Jubiläumsausstellung Ende September in der Alten Dreherei stellt sie einige Exemplare aus.

Foto: Jörg Schimmel

Broich/Speldorf.   Der Regionalverband Bonsai NRW veranstaltet seine Jubiläumsausstellung in der Alten Dreherei. Die Speldorferin Ursula Funke ist dabei.

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So klein wie sie sind, so strahlen sie doch enorme Stärke und Ruhe aus: Bonsai, kleine Bäume, die ihren groß gewachsenen Verwandten in nichts nachstehen. Denn: Bonsai sind keine genetisch zwergwüchsigen Pflanzen. Jede Baumart kann verwendet werden, um einen Bonsai daraus zu gestalten.

Ursula Funke pflegt in ihrem Garten in Speldorf Dutzende davon. Ihr erster Baum begleitet sie seit rund 30 Jahren. Inzwischen sieht er – mit Verlaub gesagt – ein wenig aus wie ein Baum-Opa, seine angeschlagene Optik aber ist in erster Linie der Sommerhitze geschuldet. Wie viele Gärtner hatte auch Ursula Funke in diesem Sommer während der Hitzewelle alle Hände voll damit zu tun, ihre Bonsai am Leben zu erhalten. „Teilweise habe ich drei, vier Mal am Tag gegossen und die Schalen, in denen die Bäume stehen, mit Wasser eingesprüht, das dann verdunsten kann“, sagt die Bonsai-Fachfrau.

Schon immer ein Faible für Bonsai

Schon immer habe sie ein Faible für Kleines gehabt, sei lange von Bonsai fasziniert gewesen, bevor sie 1988 richtig mit dem Hobby begann. Seitdem hat die Speldorferin zahlreiche Workshops und Schulungen besucht, betreut heute selbst beim Regionalverband Bonsai NRW einen Arbeitskreis. Geduld müsse man mitbringen, wenn man einen Bonsai gestalten wolle und Fingerspitzengefühl. Fein-säuberlich werden die Äste und Zweige der kleinen Pflanzen korrigiert – durch präzisen Schnitt wird die Form verbessert oder, mit Hilfe von Draht die gewünschte Wuchsrichtung erreicht.

Zudem nutzen Bonsai-Züchter die eigentlichen Wurzeln der Bäume, um daraus die wie verknöchert aussehenden Stämme zu kreieren. Damit die Pflanzen klein bleiben, steht ihnen nur ein begrenzter Lebensraum – zumeist flache Schalen – fürs Wurzelwerk zur Verfügung. Zur besonderen Augenweide werden die Gewächse etwa auch, wenn sie als Kaskade angelegt sind. Dabei soll der Stamm nicht nach oben ragen, sondern sich wie ein Wasserfall nach unten winden – im Idealfall sogar tiefer wachsen als die Pflanzschale.

Männliche Bäume erfüllen ihren Zweck

„Aber es gibt auch zickige Bäume unter den Bonsai. Die Zierquitte macht es in diesem Jahr nicht“, sagt Ursula Funke. Inzwischen aber kennt sie ihre Pappenheimer, weiß, dass manche winterhart sind und andere nicht und dass einige Pflanzen wie der Ilex mit den roten Beeren an ihrer Seite auch die männliche Variante brauchen, um bestäubt zu werden und zu gedeihen. Die Männer aber sehen hochgeschossen und nicht sonderlich gepflegt aus. Ursula Funke sagt dazu augenzwinkernd: „Die tun nur ihre Pflicht.“

Farbenprächtige Ahorne stehen in ihrem Garten, kleine Rosen, die gerade winzige Hagebutten tragen, Igelwacholder, eine Ölweide und Azaleen, die die Speldorferin als ihre besonderen Lieblinge vorstellt. Ausgesprochen pflegebedürftig sind alle ihre grünen Mitbewohner. Das führt inzwischen soweit, dass Ursula Funke und ihr Mann nicht mehr zusammen verreisen – einer muss für die Bonsai da sein.

Viele Pflanzen stammen aus Japan

Die allermeisten ihrer Pflanzen stammen aus Japan. Regelmäßig reist die 73-Jährige dort hin, besucht Messen wie die Bonsai-Weltausstellung in diesem Jahr, fährt zu spezialisierten Gärtnereien und sucht neue Exemplare aus. Ein teures Hobby? „Es gibt Bäume, die gehen für horrende Summen weg“, sagt die Expertin. Bei ihren eigenen Bäumen aber zähle zu allererst der ideelle Wert – schließlich pflege sie diese teils seit Jahrzehnten.

Über jede Pflanze führt sie Buch, hat alles dokumentiert. Nicht nur, weil jeder Bonsai, der aus Japan importiert wird, Papiere braucht, eine Gesundheitsprüfung durchlaufen und in Quarantäne muss, bevor er einreisen darf. Die Faszination an Bonsai für sie? „Aus den kleinen Pflanzen das Abbild eines großen Baumes zu erschaffen.“

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