Städtische Haushalsverluste

Mülheims Kämmerer lehnt den Verkauf von RWE-Aktien weiter ab

Auf einer Podiumsdiskussion der WAZ zu den RWE-Aktien diskutierten Ernst Gerlach (NRW-Bank) und Frank Mendack (Kämmerer) bereits im Dezember 2018 über Halten oder Verkaufen der Anteile des Stromproduzenten.

Auf einer Podiumsdiskussion der WAZ zu den RWE-Aktien diskutierten Ernst Gerlach (NRW-Bank) und Frank Mendack (Kämmerer) bereits im Dezember 2018 über Halten oder Verkaufen der Anteile des Stromproduzenten.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Grünen wollen städtische RWE-Aktien verkaufen, um Kreditzinsen zu sparen. Kämmerer Mendack: Bei den aktuellen Kursen rechnet sich das nicht.

Kämmerer Frank Mendack erteilt dem Verkauf von RWE-Aktien weiterhin eine Absage. Zum jetzigen Zeitpunkt würde der Erlös rund 102 Millionen Euro bringen.

Das entsprich 0,5 Prozent der der aktuellen Kredite von mehr als zwei Milliarden Euro. Die Grünen hatten im Finanzausschuss erneut diesen Antrag gestellt. Er fand keine Mehrheit.

Die Stadt besitzt knapp 4,5 Millionen RWE-Aktien

Zur Zeit besitzt die Stadt 4.455.157 Aktien des Stromlieferanten. „Sie bringen pro Stück einen Dividende von 70 Cent, was einer Rendite von 3,06 Prozent entspricht“, führte Mendack aus. Der Verkauf aller RWE-Aktien würde kurzfristig keine Erleichterungen bei den Kreditzinsen bringen, aber bereits ab 2020 einen Dividendenverlust von 3,1 Millionen Euro bedeuten. Dann fehlten dem städtischen Haushalt weitere 2,4 Millionen Euro, die an anderen Stellen zum Verlustausgleich gespart werden müssten.

Der Aktienkurs müsste am mindestens 112 Euro steigen

Der Verkauf des Mülheimer Aktienpaketes würde sich beim „aktuellen Wert der RWE-Aktie erst rechnen, wenn die Dividende dauerhaft auf unter 15 Cent fällt“, erklärte Mendack. „Die Prognose für die Dividende ist jedoch steigend. Bleiben das Zinsniveau weiterhin niedrig und die die Dividende bei 70 Cent, müsste der Kurs der RWE-Aktie auf mindestens 112 Euro steigen, damit bei Aktienverkauf für die Stadt eine Zinsersparnis (aus Krediten) spürbar werde. „Die Dividendenrendite kann durch einen steigenden Aktienkurs ebenso fallen wie durch eine verringerte Ausschüttung“,

Niedrigzinsen mindestens noch für ein Jahr

Ebenso haben die städtischen Haushaltsexperten steigende Zinsen für die Kassenkredite beleuchtet. Steigen die Zinsen auf mehr als drei Prozent bei gleichbleibendem Aktienkurs, könnte sich ein Verkauf lohnen. „Volkswirtschaftlich ist das aktuell nicht herzuleiten“, sagte Frank Mendack im Finanzausschuss. Die Europäische Zentralbank habe erst kürzlich für ein weiteres Jahr die Niedrigzinsphase festgeschrieben. verlängert. Dagegen habe sich der Kurs der RWE-Aktie im vergangenen Jahr „deutlich besser entwickelt als der DAX“.

Kauf von Medl-Anteilen scheidet zur Zeit aus

Den Verkaufserlös in Blockheizkraftwerke zu investieren hält der Kämmerer „für überdimensioniert“. Auch der Kauf von Medl-Anteilen erscheint problematisch. Nur rund 17 Prozent könnte die Stadt übernehmen, stünde dabei nicht noch die Grunderwerbssteuer über die SWB im Raum. Weil die aktuellen Beteiligungsverhältnisse bis 2036 festgeschrieben sind, scheide ein Anteilserwerb aus.

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