Papier ist das verbindende Element

Foto: Herbert Höltgen

Das ist natürlich schon eine starke Pose, mit der Andrascz Jaromir Weigoni auf dem Cover seiner von der Kunststiftung NRW geförderten vierteiligen CD-Edition mit Gedichten zu sehen ist: Langes wallendes Haar, konzentrierter Blick, die Falten treten deutlich hervor und die Finger sind wie beim Rezitieren kelchförmig geformt, als wollte er etwas Wichtiges auf den Punkt bringen. Nur das kurzärmlige Hemd im gedeckten Ton wirkt etwas neuzeitlich. Es erinnert, und da sind auch die Initialen, an Albrecht Dürer, mit der Jahreszahl 1500.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das ist natürlich schon eine starke Pose, mit der Andrascz Jaromir Weigoni auf dem Cover seiner von der Kunststiftung NRW geförderten vierteiligen CD-Edition mit Gedichten zu sehen ist: Langes wallendes Haar, konzentrierter Blick, die Falten treten deutlich hervor und die Finger sind wie beim Rezitieren kelchförmig geformt, als wollte er etwas Wichtiges auf den Punkt bringen. Nur das kurzärmlige Hemd im gedeckten Ton wirkt etwas neuzeitlich. Es erinnert, und da sind auch die Initialen, an Albrecht Dürer, mit der Jahreszahl 1500.

Auf einem der Silberlinge, was schon ein herrlicher Kontrast zu der optischen Erscheinung ist, liest Bibiana Heimes „Unbehaust“. Ein 25 Minuten langer Text, in dem der mehrfach ausgezeichnete, 60-jährige gebürtige Ungar mit viel Empathie bemüht, „sich in den Kopf einer asiatischen Einwanderin hinzuversetzen, die versucht, in der Gesellschaft klarzukommen.“ Es ist ein starker Text. „Ein Leben im Übergang, wohin es geht, weiß ich nicht“, heißt es da. Die Stimme mal gedoppelt, mal klingt sie wie ein Megafon, dann wird mal Hall untergelegt. Doch das sind die Ausnahmen.

„Er lässt mit Lust an der gesprochenen Sprache, an der Schönheit von Worten, Tonfall, Melodie und Rhythmus hören“, schreibt die Journalistin Regine Müller im Klappentext. Was den Text teilweise in den Hintergrund treten lässt, ist eine gewöhnungsbedürftige Klangcollage von Tom Täger, der an der Delle eine Musikschule und das Tonstudio betreibt, in dem neben den Lyrik-Scheiben unter anderem schon die frühen Sachen von Helge Schneider eingespielt wurden. Täger selbst redet lieber von „komischen Geräuschen“, die er allesamt mit Papier erzielt. Bei Täger sprach Weigoni schon 1991 seine Gedichte als Literaturclips auf Compact Disc ein, zu einer Zeit also, „als der Claim Hörbuch noch nicht abgesteckt war“.

Papier ist das zentrale und verbindende Element bei einer Präsentation von „Unbehaust“ am heutigen Samstag, um 19.30 Uhr, im Makroscope, Friedrich-Ebert-Str. 48 (Eintritt frei). Papier, so sieht es Weigoni, ist ein sinnliches Medium, das mit einem Geruch verbunden ist, das man fühlen und hören kann, auf ihm werden Noten, Gedanken und Skizzen notiert. Es ist das klassische Medium der Vervielfältigung, an deren Anfang der Druck mit Gutenbergs beweglichen Lettern von Luthers Bibel vor 500 Jahren stand, was für ihn die zentrale Kulturleistung darstellt. Mit dem Künstler Haimo Hieronymus, dessen Arbeiten auch im Makroskop zu sehen sind, fertigt Weigoni hochwertige Künstler-Bücher in limitierter Auflage an. Der 48-Jährige arbeitet entgegen der Konvention: Den Schutzumschlag des Buchdeckels versieht er mit einem Original-Druck. Das die dick aufgetragene Farbschicht ungeschützt ist, brüchig wird und dann ganz zerstört ist, stört ihn dabei keineswegs. Neben der CD-Box liegt in Kooperation mit Hieronymus nun auch Weigonis Lyrik-Oeuvre im aufwendigen Schuber vor und wird heute Abend vorgestellt. So schließt sich auch der Bogen zu Dürer. Den Hausherrn, Klaus Urbons kennt Weigoni schon seit 1989. Damals machte er als Mitarbeiter des Lokalrundfunks, das sich seinerzeit Antenne Ruhr nannte, ein Feature über das Kopiermuseum, das Urbons in der Altstadt betrieb. Das Interview brachte er ihm auf einer Musikkassette vorbei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben