Freizeit

Wie der Denksport Schach Kinder für sich begeistern kann

Chelsea (11) und Tijana (10) aus der 5. Klasse des Essener Helmholtz-Gymnasiums versuchen sich in einer Schachpartie gegeneinander.

Chelsea (11) und Tijana (10) aus der 5. Klasse des Essener Helmholtz-Gymnasiums versuchen sich in einer Schachpartie gegeneinander.

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Im Rhein-Ruhr-Zentrum bringt der Großmeister Sebastian Siebrecht Kindern das Schachspiel bei. Die Herausforderungen umgeht er dabei spielerisch.

Mit nachdenklichem Blick verfolgt der elfjährige Haytem den Spielzug des Schach-Großmeisters Sebastian Siebrecht und setzt zum Gegenzug an, zögert dann aber doch. „Wer kann noch helfen, den König anzugreifen?“, ermuntert Siebrecht den Fünftklässler. Haytem lässt sein Pferd springen, kommt dem König damit gefährlich nahe. „Super“, lobt sein Gegner.

Mit der Initiative „Faszination Schach“ tourt Sebastian Siebrecht seit sieben Jahren durch ganz Deutschland. Aktuell hat es den Essener mit seiner Großveranstaltung in das Rhein-Ruhr-Zentrum verschlagen – auch dort mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche für das Spiel der Könige zu begeistern. Klassenlehrerin Inga Jürgen ist bereits zum zweiten Mal mit einer Klasse bei den Kinderschachtagen dabei. Von der Konzentrationsfähigkeit der Schüler ist sie aufs Neue fasziniert: „Das ist ein absolutes Kontrastprogramm zu dem, was sie sonst so kennen. Hier bekommen sie einen anderen Ansatz zum Sport.“

Kein Sport für alte Leute

Bei Chelsea und Tijana scheint der Plan zu funktionieren: Die beiden Fünftklässlerinnen aus der Sportklasse des Helmholtz-Gymnasiums in Essen sind in ihre Partie vertieft. Zwischendurch ist noch Zeit für die ein oder andere Neckerei, vor allem bei gelungenen Spielzügen ist die Freude groß.

„Früher dachte ich immer, dass das nur ein Spiel für alte Leute ist“, erzählt Tijana. Auch Klassenkameradin Chelsea stand dem Schachspiel zunächst kritisch gegenüber: „Ich habe das gar nicht als Sport gesehen.“ Im Unterricht haben sie vorbereitend aber gelernt, was Denksport ist.

Parallelen zu anderen Sportarten

Beim Ausprobieren zeigen sich sogar Parallelen zum Leistungssport, den die Schüler der Sportklasse betreiben. „Das ist wie beim Tennis, da muss ich auch überlegen, wie ich den Gegner austricksen kann“, berichtet Tijana. Die Fußballer Heytem und Genz sehen das ähnlich. „Beim Fußball sucht man nach Lücken für einen Pass, hier sucht man auch nach einer Lücke“, erklärt Haytem.

Damit setzen die Schüler genau das um, was ihnen Sebastian Siebrecht vermitteln möchte: „Vorausschauendes Denken, Strategie und Durchsetzungsvermögen.“ Die Herausforderung bestehe dabei besonders darin, die Kinder und Jugendliche auf dem Level abzuholen, auf dem sie sich gerade befinden. „Man kann mit dem Schach eine weite Spanne bedienen, das Niveau kann weit auseinander gehen“, erklärt Siebrecht.

Kleine Geschichten helfen beim Vermitteln

Für die sechs Tage, an denen der Großmeister mit seiner Initiative im Rhein-Ruhr-Zentrum gastiert, sind auch Kindergartenkinder angemeldet. „Selbst jungen Kindern kann man die Grundlagen des Schachs vermitteln“, erklärt Siebrecht. Dabei sei der Fokus auf das Spielerische entscheidend: „Metaphern und kleine Geschichten sind da ganz hilfreich.“

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