100 Jahre VHS

60 Mini-Kurse füllen den Familientag der Oberhausener VHS

„Zeit für Dialog“ im Schatten des Gasometers: Im Jubiläumsjahr hat die Volkshochschule ihre Qualitäten großflächig plakatiert.

„Zeit für Dialog“ im Schatten des Gasometers: Im Jubiläumsjahr hat die Volkshochschule ihre Qualitäten großflächig plakatiert.

Foto: Contact Kommunikation

Oberhausen.  Die Volkshochschule reicht zur Feier ihres 100-jährigen Bestehens kleine Häppchen aus dem großen Programm-Menü – von Makramee bis Rudelsingen.

Die meisten Volkshochschulen landauf, landab feiern am 20. September die „lange Nacht der VHS“. Im Bert-Brecht-Haus aber will man alle Generationen erreichen – und feiert am Samstag, 21. September, ein sechsstündiges Familienfest von 12.30 bis 19 Uhr. „Wir wollen herzlich einladen, dieses Haus auszuprobieren“, sagt Dr. Gesa Reisz, die VHS-Leiterin.

Sämtliche sechs Etagen mit Programm gefüllt

Als Festkomitee zum 100-jährigen Bestehen ihrer Volkshochschule haben Susanne Aleweiler und Hans-Joachim (Hajo) Mattheis sämtliche sechs Etagen des Bildungszentrums am Saporishja-Platz für den großen Tag mit Programm gefüllt – und zwar mit soviel Programm, dass Wissensdurstige und Bildungshungrige unweigerlich vor der Qual der Wahl stehen. Aber sie können sich spontan entscheiden, denn weder Anmeldung noch Gebühren werden fällig an diesem Schnuppertag in Übergröße. „Für uns ist das kein 08/15-Fest“, meint Hajo Mattheis zum ambitionierten Ansatz, „das ganze Angebot der VHS“ zu spiegeln – in Mini-Seminaren, bei denen der Spaßfaktor ganz groß geschrieben werden soll.

Gesa Reisz nennt prompt zwei Beispiele, die sehr bewusst mit altbackenen VHS-Klischees spielen. So gibt’s um 13 Uhr einen „Makramee-Schnupperkurs“. Und die VHS-Chefin bestätigt: Die im Ursprung orientalische Knüpftechnik zur Herstellung von Ornamenten, Textilien oder Schmuck – jahrzehntelang wohlfeiles Objekt des Spotts von Ästheten wie Fortbildungsverächtern – sei wieder „heiß“. Die Trendwende von uncool zu kultig hat die kleine Ukulele bereits geschafft – versteht sich, dass gleich mehrere „Uke“-Einheiten für Fingerfertige dabei sind.

Heißluftballon parkt auf dem „Sapo“-Platz

Kalligraphisch Interessierte können sich sowohl an arabischen wie an chinesischen Schriftzeichen versuchen – oder soll’s vielleicht Sütterlin sein? Denn nicht nur viele der Volkshochschul-Honorarkräfte gestalten diesen prallvollen Nachmittag, sondern auch erfahrene Kursteilnehmer. Ein starkes optisches Signal dürfte schon der Heißluftballon setzen, den die Gastgeber auf dem „Sapo“-Platz parken wollen. Den Platz wünscht sich Gesa Reisz zum guten Schluss des Tages gefüllt mit lustvoll singenden Menschen: Der Einladung von Nito Torres und Constanze Jung, den Stimmwundern und Stimmungskanonen des Ebertbades, dürfte sich schwer widerstehen lassen.

Doch trotz des Ballons vor der Tür des B.-B.-Hauses: Abheben will das VHS-Team nicht. „Wir bauen keine Luftschlösser“, versichert Gesa Reisz, „sondern zeigen nur, was zu unserem Angebot gehört“. Allerdings mit manch überraschendem Dreh. So kann sich jeder an einer 15-minütigen Kurzversion des eigentlich halbstündigen Einbürgerungstests versuchen – natürlich ohne eine „Ausbürgerung“ fürchten zu müssen. In der Summe sind’s 60 Kurz-Kurse. Wem sich bei dieser Angebotsfülle der Nacken verspannt, kann sich sogar zu einer Gratis-Massage ins sechste Obergeschoss begeben.

Oder man tankt auf an der Cocktailbar im Hof, frischt beim Bingo wahlweise sein Englisch oder Französisch auf. Oder versenkt sich nabelschauend beim Meditativen Kreistanz. Unter 60 Angeboten dürfte jeder sein liebstes VHS-Klischee bestätigt finden.

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