Politik

Absage aus Gewissensgründen

Foto: Veröffentlichung gegen Honorar

Oberhausen  Friedensaktivistin Ellen Diederich aus Oberhausen sollte für die Linken zur Bundespräsidentenwahl. Nach reiflicher Überlegung lehnte sie ab.

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Die Oberhausener Friedensaktivistin Ellen Diederich wurde von der Landtagsfraktion der Linkspartei nominiert, in der Bundesversammlung am 18. März einen neuen Bundespräsidenten zu wählen. Eine große Ehre für die seit Jahrzehnten politisch engagierte Frau. Und doch: Nach tagelangem zähen Ringen mit sich selbst stand für Diederich fest: „Der Kandidatin der Linken, Beate Klarsfeld, kann ich aufgrund meiner politischen Überzeugungen nicht zustimmen.“ Ihre Zusage zog sie deshalb zurück, die Reise nach Berlin wird sie nicht antreten.

„Die Entscheidung der Linken, nur Vertreter aus sozialen Bewegungen einzuladen, verdient meine Achtung. Ich bin parteilos, komme aus der 68er Bewegung, die sich für Freiheit, soziale Gerechtigkeit, Basisdemokratie, Frieden, und Emanzipation von Frauen und Männern im umfassenden Sinne eingesetzt hat“, erklärt die gebürtige Dortmunderin Diederich.

Enthaltung war keine Alternative

„Nachdem ich mich aber eingehender mit Beate Klarsfeld beschäftigt habe, war mir klar, dass ich sie nicht wählen kann“, so Diederich. „Mich einfach zu enthalten wäre für mich auch keine Lösung.“ Denn Joachim Gauck, der Kandidat der anderen vier Bundestagsfraktionen, stellt für sie keine Alternative dar. „Bei ihm fehlt mir das Thema der sozialen Gerechtigkeit.“

Für Ellen Diederich, die sich seit 50 Jahren in der Friedensbewegung engagiert und in Oberhausen das Internationale Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen e.V. betreut, war das keine einfache Entscheidung. „Ich schätze die über fünfzigjährige Arbeit des Ehepaares Beate und Serge Klarsfeld sehr. Sie haben sich in unermüdlichen, teilweise hochgefährlichen Einsatz dafür eingesetzt, dass nationalsozialistische Verbrecher, denen es gelungen war, nach dem Krieg unterzutauchen, gefasst und bestraft werden.“

Doch haben Ellen Diederich verschiedene Äußerungen von Beate Klarsfeld irritiert. „Frau Klarsfeld stimmt mit der Drohung eines Militärschlags, eventuell sogar eines atomaren Angriffs gegen den Iran überein.“ Unvereinbar mit der Position einer Friedensaktivistin wie Ellen Diederich: „Diese Drohungen haben mit unseren Bemühungen um friedliche Lösungen nicht das Geringste zu tun.“

Kontakt mit den sozialen Bewegungen nicht verlieren

Ein weiterer kritischer Punkt für Diederich ist Klarsfelds Unterstützung für Nicolas Sarkozy bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich. „Dessen Sozialpolitik, Kriegshandlungen und Atomkraftpolitik sind meines Erachtens nicht mit den Zielen der Linken oder gar der Friedensbewegung zu vereinbaren.“

Darum stellt sich für Ellen Diederich immer mehr die Frage, warum die Linkspartei Beate Klarsfeld überhaupt aufgestellt hat. „Wohin geht die Politik der Partei ,Die Linke’? Ich hoffe, nicht in diese Richtung.“ So würde der Kontakt zu den sozialen Bewegungen ein Stück weit verloren gehen.

Diese Befürchtungen äußerte Diederich jetzt in einem Brief an die Fraktion der Linkspartei im Düsseldorfer Landtag. „Ich hoffe auf eine ehrliche Debatte“, heißt es dort am Ende.

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