Kinotipps

Alte Querköpfe auf Gipfeln und Vergnügungsdampfern

Ein Vollbad in schaumigen Udo-Jürgens-Schlagern: „Ich war noch niemals in New York“ legt ab als Film-Musical.

Ein Vollbad in schaumigen Udo-Jürgens-Schlagern: „Ich war noch niemals in New York“ legt ab als Film-Musical.

Foto: UFA

Oberhausen.  In Cannes und in Berlin preisgekrönte Filmkunst kommt endlich ins Arthouse-Programm. Und ältere Damen widersetzen sich amüsant ihren Töchtern.

Zwei sehr unterschiedliche Filme mit widerborstigen alten Damen als Heldinnen, dazu zwei mit Goldenem Bären und Goldener Palme ausgezeichnete Kunstwerke fürs Kino: Das ist der bunte Mix der aktuellen Arthouse-Woche.

Riege müht sich redlich um passables Singen und Tanzen

Eine Hochglanz-Musicalproduktion aus deutschen Landen auf der großen Leinwand: Damit überrascht „Ich war noch niemals in New York“ in der Lichtburg dreimal täglich um 14, 18 und 20.30 Uhr, nach dem in Hamburg dauerbrennenden Bühnenhit zu den Liedern von Udo Jürgens. Der TV-Moderatorin Lisa Wartberg (Heike Makatsch) kommt ihre Mutter Maria (Katharina Thalbach) abhanden, die nach einem Unfall ihr Gedächtnis verliert. Das einzige, was sie noch weiß: Sie will nach New York. So schleicht sie sich als blinde Passagierin auf ein Kreuzfahrtschiff. Tochter Lisa und ihr Freund und Helfer Fred (Michael Ostrowski) folgen ihr, doch bevor sie die verwirrte Dame von Bord bringen können, legt der Luxuskahn ab. Die Drei müssen nun ihre Überfahrt abarbeiten. Im Dekor der 1950er Jahre müht sich eine erstklassige Schauspieler-Riege redlich, auch passable Sänger und Tänzer abzugeben.

Auf ihre Art noch extravaganter – und weitaus glaubwürdiger – agiert die 83-jährige Edie in „Edie – für Träume ist es nie zu spät“, zu erleben im Kino im Walzenlager um 18 Uhr. Als ihre Tochter Nancy sie in ein Altersheim stecken will, nimmt Edie ihr Leben selbst in die Hand und will sich einen fast vergessenen Traum erfüllen: den Berg Suilven in den schottischen Highlands zu erklimmen. Sie engagiert den jungen Jonny, um sie für den herausfordernden Aufstieg vorzubereiten. So stolpern beide unverhofft in eine Freundschaft, die ihr Leben auf den Kopf stellt. In der Hauptrolle der forschen, aber liebenswerten Edie bezaubert eine brillant aufspielende Sheila Hancock.

Von der Schwierigkeit, neue Wurzeln zu bilden

Einen wesentlich jüngeren Querkopf porträtiert das Berlinale-prämierte Werk „Synonymes“, jeweils um 20 Uhr im Walzenlager-Kino: Yoav hat keinen guten Start in Paris. Die Wohnung, an deren Tür er klopft, ist leer. Als er ein Bad nimmt, werden seine Sachen gestohlen. Dabei ist der junge Israeli in die „Stadt des Lichts“ gekommen, um so schnell wie möglich seine Nationalität loswerden. Auf seinen ziellosen Streifzügen durch Paris sucht der Möchtegern-Franzose Halt bei Caroline und Emile, einem jungen Paar, mit dem er sich anfreundet. Doch ihr Interesse scheint nicht ganz selbstlos zu sein. Basierend auf eigenen Erfahrungen erzählt Nadav Lapid mit trockenem Humor von der Schwierigkeit, neue Wurzeln zu bilden.

Starke Konkurrenz distanzierte „Parasite“ beim Filmfestival in Cannes und gewann die Goldene Palme: Der koreanische Regisseur Bong Joon Ho mixt mit Sinn fürs Groteske die Genres in seiner Geschichte von der armen Familie Ki. Sie lebt Im wahrsten Sinne des Wortes ganz unten: Der Putz ihrer Kellerwohnung blättert, der Müll staut sich. Die Eltern sind arbeitslos, die fast erwachsenen Kinder helfen mit Gelegenheitsjobs aus. Das Glück wendet sich als ein Freund Ki-woo eine Tutorenstelle vermittelt. Im modernistischen Haus der reichen Familie Park soll er der Tochter Englischstunden geben. Bald arbeiten alle Kis für die Parks: Die Tochter kümmert sich um den Sohn, der Vater wird Chauffeur, die Mutter Haushälterin. Die Kis machen sich beängstigend unentbehrlich, zu erleben in der Lichtburg täglich um 18.15 und 20.30 Uhr.

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