Pop-Konzert

Alvaro Soler spielt in Oberhausen kniffliges Tauschkonzert

Alvaro Soler sang am Donnerstagabend in Oberhausen. Der deutsch-spanische Pop-Sänger ist unter anderem aus der Fernsehsendung „Sing meinen Song“ bekannt.

Alvaro Soler sang am Donnerstagabend in Oberhausen. Der deutsch-spanische Pop-Sänger ist unter anderem aus der Fernsehsendung „Sing meinen Song“ bekannt.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Sing meinen Song! 5000 Fans ließen sich von Alvaro Soler in der Arena nicht lange bitten. Der Deutsch-Spanier hatte noch einen weiteren Wunsch.

Wie bringt ein Sänger das Publikum dazu, den mehr als zweistündigen Auftritt nicht mit einem bulligen Smartphone vor der Nase zu verfolgen?

Der deutsch-spanische Pop-Sänger Alvaro Soler („Sofia“, „La Libertad“, „Loca“) kennt die Antwort und schafft es am Donnerstag tatsächlich, dass der Großteil der 5000 Fans für einen Moment die Handykamera in die Hosentasche steckt – Tauschkonzert in Oberhausen!

Alvaro Soler mit Liebeserklärung an die Schallplatte

Eine knifflige Aufgabe, keine Frage. Das Konzert ist noch nicht alt, da greift der 28-Jährige tief in die Nostalgie-Kiste. Er holt lange Luft und erzählt, wie er dem Charme der alten Schallplatte verfallen ist. Wie großartig es doch sei, wenn man die knisternde Verpackung vom Cover knibbelt, das Vinyl langsam auf den Plattenteller befördert – und vorsichtig die Nadel auflegt. Ganz anders sei das als ein schneller Klick im Internet. „Man weiß dann, dass man für die Musik etwas getan hat!“

Wenn er so erzählt, fühlt man sich wie beim Hochamt einer Ära, die der Weltenbummler wegen seines jungen Alters (Baujahr 1991) nur aus Überlieferungen kennen kann. Doch Alvaro Soler sagt über die Anfangszeit der heute wieder aufstrebenden Platte: „Es ist etwas Wunderbares, das sollten wir bewahren!“

Die Überleitung zum ursprünglichen, handyfreien Konzert ist danach leicht – und tatsächlich bleibt die König-Pilsener-Arena kurz frei von leuchtender Display-Elektronik. Nur ein einsames Feuerzeug schwenkt zur Melodie der Ballade. Alte Schule!

Alvaro Soler hockt sich mit Fans auf den Hallenboden

Alvaro Soler, der durch die Vox-Musikshow „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ seine Songs in immer mehr Wohnzimmer spielt, bietet im Gegenzug einen ungewöhnlichen Positionswechsel. Mit einem Bodyguard bahnt er sich den Weg in die Mitte des nicht bestuhlten Innenraums und hockt sich mit den verdutzten Anhängern auf den Arena-Fußboden. Im Glitzerlicht folgt ein Duett mit einem auserwählten Fan. Schmachtend sitzen, dann hüpfen – Alvaro Soler setzt auf die spanische Lebensfreude.

Diese versteht man grenzüberschreitend. Dabei könnte der Sohn einer spanischen Mutter und eines deutschen Vaters mit Sprachtalenten brillieren. Er erblickte in Barcelona das Licht der Welt, ging in Spanien auf eine deutsche Schule, lebte zwischenzeitlich in Japan und wechselte später in eine Berliner WG.

Seine Songs verkauft er sowieso weltweit. Ein Duett mit Superstar Jennifer Lopez gelang mit „El Mismo Sol“. Beim Latin American Music Award lieferte er einen feurigen Wechselgesang mit Rap-Schwergewicht FloRida – und ausgerechnet über den Streamingdienst Spotify knackt der Schallplatten-Fan die Rekorde.

Sicher fühlt sich Alvaro Soler – wenn er singt

Und in Oberhausen? Da wirkt der Weltenbummler fast schon verlegen, wenn er zwischendurch etwas erzählen möchte – was sympathisch herüberkommt. Stark und sicher ist er dagegen, wenn er singt. Es klingt, als würden seine spanischen Songzeilen den Sommer zu einer Zugabe überreden wollen. Warme, feurige Atmosphäre, bei der Konfetti-Kanonen sprühen und überdimensionale Strandbälle ins Publikum fliegen.

Ein zweiter Ricky Martin wird Alvaro Soler dagegen nicht mehr. Seine manchmal eigentümlich schlaksig wirkenden Hüftbewegungen nimmt der knapp 1 Meter 90 große Sänger mit Humor: „Man muss auch über sich selbst lachen können. Aber sich trotzdem nicht davon abhalten lassen!“ In seinem Hit „La Cintura“ (übersetzt: „Die Hüfte“) kann er ein Lied davon singen.

Alvaro Soler überrascht mit einem deutschen Text

Von Schongang kann beim letzten Tourkonzert des Jahres eh keine Rede sein. „Only thing we know“, das Spontan-Duett mit dem britischen Sänger Kevin Jones, erklingt in englischer Sprache und für einen kurzen Moment lässt Alvaro Soler sogar zu einem deutschen Text schmachten. Die Fans, vom Teenie über Eltern mit Grundschulkindern bis zum rüstigen Senior, sind bis zum finalen „Muchas Gracias“ selig.

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