Debatte

Am Theater Oberhausen gibt’s Ärger um angeblichen Rassismus

Das Oberhausener Theater am Will-Quadflieg-Platz.

Das Oberhausener Theater am Will-Quadflieg-Platz.

Foto: Mara Tröger

Oberhausen.   Eine dreiköpfige Schauspielertruppe erhebt schwere Vorwürfe gegen Kollegen. Die wehren sich vehement und sehen den Ruf des Hauses in Gefahr. 

Am Oberhausener Theater herrscht offenbar großer Zoff um angeblich rassistische Äußerungen. Das freie Künstler-Trio Technocandy, das am Freitagabend Premiere mit seinem Stück „Schaffen“ feierte, erhebt in einem Interview mit der Tageszeitung taz schwere Vorwürfe gegen die Theater-Verwaltung.

Aus der Belegschaft erreichte unsere Redaktion anschließend ein Hilferuf: Angestellte fühlen sich durch die Kritik der Künstlergruppe nicht nur diffamiert, sondern sind zutiefst enttäuscht und traurig. Als Rassisten dargestellt zu werden, sei eine persönliche Beleidigung, wie sie schlimmer nicht sein könne.

In zwei Lager gespalten

Im Interview geht es um eine Anti-Rassismus-Klausel, die Technocandy gerne in ihrem Vertrag verankert sehen möchte. Diese Klausel soll Künstlern den Rücken stärken, sollten sie während der Produktionszeit rassistischen Äußerungen ausgeliefert sein. Doch die Verwaltung, so der Vorwurf der Schauspieler, weigere sich. „Vermutlich, weil sie glauben, dass es hier keinen Rassismus gebe“, heißt es in dem taz-Interview.

Die Weigerung käme einem „Schuldeingeständnis“ gleich, sagt Golschan Ahmad Haschemi darin. Ahmad Haschemi bildet mit Frederik Müller und Banafshe Hourmazdi das Kollektiv Technocandy. Banafshe Hourmazdi ist zudem festes Ensemble-Mitglied am Oberhausener Theater.

Die Verwaltung wisse wohl, dass „innerhalb dieses Hauses rassistische Vorfälle passieren können“, spekuliert Golschan Ahmad Haschemi. Sie spricht von einem „weißen Verwaltungsapparat“, der die Spielregeln mache.

Fiedler steht hinter Technocandy

Deutlich wird in dem Interview zudem, dass sich zwei Lager am Theater bilden. Denn sowohl Intendant Florian Fiedler als auch die künstlerische Leitung stünden auf der Seite von Technocandy, sagt Frederik Müller in dem Interview. Nur die Verwaltung sträube sich.

Florian Fiedler stellt sich auf Nachfrage hinter die politische Forderung der Künstler von Technocandy, aber auch hinter sein Team. „Wir haben hier eine tolle Belegschaft.“ Das große Problem sei, dass der Begriff „Rassismus“ emotional sehr aufgeladen sei und schnell für erhitzte Gemüter sorgen könne. Ihm gehe es nicht um Anschuldigungen, sondern darum, das Thema des strukturellen Rassismus’ im Theater aufzugreifen.

„Wir müssen Verletzungen heilen“

Und wie geht’s nun weiter? Mit einer hoffentlich sachlichen Diskussion, wünscht sich Fiedler. „Wir müssen Verletzungen, die auf beiden Seiten entstanden sind, heilen und Missverständnisse aus der Welt räumen.“

Das Interview und die damit verbundenen Vorwürfe haben mittlerweile auch die Kulturpolitik aufgeschreckt. Für den heutigen Montag wurde eilig eine Krisensitzung einberufen.

Es sei wichtig, das Thema nun sachlich aufzuarbeiten, meint Manfred Flore, SPD-Mitglied im Kulturausschuss. Zu einem abschließenden Urteil sei er noch nicht gekommen, er stellt jedoch klar: „Ich kenne das Oberhausener Theater seit Jahrzehnten und habe es immer als sehr weltoffen erlebt, offener als es unsere Gesellschaft zum Teil ist.“

>>> Keine gute Kritik für „Schaffen“

Weder Jürgen Hennemann, Verwaltungschef des Oberhausener Theaters, noch Kulturdezernent Apostolos Tsalastras waren am Sonntag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Premieredes Technocandy-Stückes „Schaffen“ kam bei einigen Kritikern nicht gut an: laienhaftes Spiel, schlechter Gesang, bearbeitungsbedürftiger Text. Eine ausführliche Kritik gibt es hier: waz.de/216404789

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