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Aktion Welcome Dinner lädt Zugewanderte zum Picknick ein

Bei prächtigem Wetter trafen sich Zugewanderte und Einheimische an der Lindnerstraße zum Welcome-Picknick.

Bei prächtigem Wetter trafen sich Zugewanderte und Einheimische an der Lindnerstraße zum Welcome-Picknick.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Bei einem Picknick im Grünen kamen sich 60 Zugewanderte und Einheimische am Sonntag näher – und das lag nicht nur an den Leckereien.

In der spätsommerlichen Sonne dösen, sich am kalten Buffet bedienen, ins Gespräch vertieft sein oder mitsingen und mitklatschen, all das war am Sonntag auf einer Wiese an der Lindnerstraße, auf dem Gelände des Stadtsportbundes, möglich. Gemeinsam hatten die Aktion „Welcome Dinner“ (Willkommensessen) und die Evangelische Jugend Oberhausen dorthin zu einem Picknick eingeladen. Über 60 Personen folgten der Einladung zum Austausch der Kulturen. Das Motto lautete „Bunt statt braun“.

Ein Zeichen gegen Rassismus setzen

„Wir wollen damit ein Zeichen gegen Rassismus setzen“, erklärte Carina Brühl von der Evangelischen Jugend. Die Idee dahinter: Jeder bringt etwas zum Essen und Trinken mit und beim gemeinsamen Essen kommen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft einander näher, lernen sich kennen und bauen die Vorurteile ab, die es untereinander gibt.

Seit Jahren versucht die Aktion „Welcome Dinner“, das in geschlossenen Räumen umzusetzen. Diesmal und mit einem Partner fand es im Freien statt. Da spielte der Syrer Hamoni auf der Auod, einer syrischen Gitarre, und sein Landsmann Abraham sang kraftvoll dazu und schlug auf dem Tamburin im Rhythmus. Wer Hunger hatte, konnte ihn unter anderem mit Fatosch stillen, einem syrischen Salat aus gebratenem Fladenbrot, Tomaten, Petersilie, Gurke, Olivenöl und orientalischen Gewürzen. Oder an Kabab, gegrilltem Lamm- oder Rinderfleisch. Als Nachspeise gab es unter anderem arabischen Kuchen mit Teig-Zutaten wie Vanille, Limonade oder Orangensaft.

Sorgen der Zuwanderer

„Ich bin gekommen, weil ich nette Leute kennenlernen, die deutsche Kultur und vor allem Sprache besser verstehen möchte“, sagte Osama Niabe (27). Er kam 2015 mit dem Zustrom syrischer Flüchtlinge nach Deutschland, spricht schon passabel Deutsch. Seit sechs Monaten bemüht er sich darum, dass ihm sein Studium der Medienwissenschaften in Syrien anerkannt wird. „Das ist sehr bürokratisch geregelt“, klagte er.

Das gleiche Problem hat Mohamad Nadaf (26), der in seiner Heimat Tiermedizin studiert hat. Nach langem Anlauf, mehreren Deutschkursen, zwei Praktika und über 160 vergeblichen Bewerbungen hat er eine 15-Stunden-Stelle gefunden und besitzt eine vorläufige Zulassung als Tierarzt. Er muss sich aber nach vier Jahren noch einmal in ärztlichen Behandlungsregeln und im Standesrecht prüfen lassen, um die endgültige Zulassung zu bekommen.

Ständchen zum Geburtstag

„Die Arbeitsbelastung der Menschen in Deutschland ist hoch, so dass kaum Zeit besteht, aufeinander zuzugehen“, beklagte Osama. Arbeit zu finden, sei in seiner Heimat viel flexibler geregelt. Während er das erzählte, bildeten zahlreiche Picknick-Teilnehmer plötzlich einen Halbkreis um ihn. Hamon und Abraham stellten sich mit ihren Instrumenten dazu und in drei Sprachen brachten ihm alle ein „Happy Birthday“ als nachträgliches Geburtstagsständchen, stellten ihm ein Stück syrischen Kuchen mit einem Teelicht auf den Tisch.

Die Eingewöhnung in Deutschland sei schwer gewesen, berichteten die beiden jungen Männer. Ein anderes Wetter, eine andere Kultur, andere Ess- und Trinkgewohnheiten, fehlende Sprachkenntnisse. „Es war eine große Umstellung“, berichtete Mohamad. Mit Osama gehört er zum elfköpfigen Welcome-Dinner-Team in Oberhausen, das alle paar Wochen zum gemeinsamen Abendessen in kirchliche Gemeindehäuser, Jugend- und Kulturzentren einlädt. Auch dabei bringt jeder Teilnehmer etwas mit.

Kritik an den Medien

„Die Menschen in Oberhausen sind sehr aufgeschlossen“, freute sich Osama am Sonntag. Auch gebe es in Oberhausen aus seiner Sicht kein Wohnungsproblem für Zuwanderer. Generell aber halten die beiden Syrer es für bedenklich, dass die Medien in Deutschland im Zusammenhang mit Zuwanderern meist negativ berichten würden. Erfolgsgeschichten dagegen, von denen es viel mehr gebe, kämen kaum vor. Das führe eben zu einem verzerrten Bild der Lage.

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