Coronakrise

Badegäste freuen sich über Freibad-Eröffnung in Oberhausen

Nur auf den ersten Blick geht es im Aquapark wie in normalen Zeiten zu. Aber es dürfen maximal 400 Gäste gleichzeitig in der Anlage sein. Das Personal muss zusätzlich auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften achten.

Nur auf den ersten Blick geht es im Aquapark wie in normalen Zeiten zu. Aber es dürfen maximal 400 Gäste gleichzeitig in der Anlage sein. Das Personal muss zusätzlich auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften achten.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Nur 400 statt 1800 Besucher gleichzeitig durften am Donnerstag auf die Liegewiese des Aquaparks in Oberhausen. Ein vorsichtiger Freibad-Start.

Die Schlange vor dem Aquapark, dem Freizeitbad am Centro, trügt. Sie ist nur Corona geschuldet, mit den Flatterband-Serpentinen und dem Sicherheitsabstand. An diesem Donnerstagmittag, Christi Himmelfahrt und Vatertag, haben sich dort gerade einmal 240 Gäste eingefunden. „Ich habe mit einem größeren Ansturm gerechnet“, gesteht Jens Vatheuer (32), der Betriebsleiter. Als Freibad und mit der geöffneten Dachkuppel darf sein Bad schon seit dem 20. Mai wieder öffnen, mit freilich strengen Einschränkungen. Die Badbesucher scheinen damit keine Probleme zu haben.

Duschen und Umkleiden drinnen sind geschlossen. Dafür sind die Preise mehr als halbiert: Die Tageskarte kostet fünf Euro (sonst elf Euro) für Erwachsene, für Kinder zwei Euro. Die ganz Kleinen haben Eintritt frei. Die Badegäste gelangen im Untergeschoss durch eine Stollen-Attrappe direkt ins Außengelände. Dort sind im Abstand von 1,50 Metern die Liegen aufgereiht. Farbmarkierungen auf dem Boden zeigen die Position jeder Liege an. Nur Pärchen oder Angehörige dürfen ihn unterschreiten. „Überall, wo dieser Abstand nicht möglich ist, besteht Mundschutzpflicht“, sagt Vatheuer.

Desinfektionstrupp ständig unterwegs

Ihm ist es an diesem Tag lieb, wenn die Besucher ihre Liege den ganzen Tag über in Beschlag nehmen. Normalerweise ist das unerwünscht, sollen alle Badegäste mal zum Zug kommen. „Aber wir müssen nach jedem Toilettenbesuch (nur eine Person gleichzeitig möglich) und jedem Verlassen einer

Liege desinfizieren“, berichtet der Badleiter. Zwei Beschäftigte sind allein dafür zuständig.

Im Innenbecken zieht eine Frau einsam ihre Bahnen. Sechs Jugendliche tummeln sich am Beckenrand. Die Liegen dort sind alle fortgeräumt. „Das Babybecken ist ganz leer“, sagt Vatheuer. Im Außenbecken ist etwas mehr Betrieb. Die Rutsche ist aber außer Betrieb. Vatheuer: „Es darf keinen Spaßbadbetrieb geben.“ Zu große Nähe erhöht das Risiko von Ansteckungen. Denn im Wasser funktionieren Schutzmasken nicht.

Nur zehn Prozent halten sich im Wasser auf

„Es ist immer so, dass 90 Prozent der Badegäste außerhalb des Wassers sind, nur zehn Prozent darin“, erklärt der Chef vom Aquapark. Aber an diesem Tag ist die mit über 10.000 Quadratmetern riesige Liegewiese in ihrem hinteren Bereich fast leer. Platz wäre für insgesamt 1800 Menschen. Dass es viel weniger sind, liegt nicht an den „nur“ 25 Grad im Schatten.

Vatheuer erklärt die Regeln: „Wir dürfen wegen Corona je zehn Quadratmeter Außengelände und je 2,7 Quadratmeter Wasserfläche nur jeweils einen Badegast zulassen“, das mache maximal 700 Personen. Vorsichtshalber habe man sich auf 400 beschränkt. Sicherheitsposten an Ein- und Ausgang wachen darüber. Jeder Besucher muss sich registrieren lassen. Und das Personal achtet darauf, dass, abgesehen von Familien und Personen aus einem zweiten Haushalt, keine Gruppen von mehr als zwei Personen gebildet werden. Typische Vatertags-Gruppen sind aber Fehlanzeige. Vor der Eröffnung hatte Vatheuer mit 50 Personen von Feuerwehr und DLRG einen erfolgreichen Testlauf absolviert.

Yvonne Ernst aus Mülheim/Ruhrdöst mit ihrem Freund Dennis Fonfara (29) auf der Wiese in der Sonne. „Bei uns haben leider noch alle Bäder geschlossen“, sagt die 26-Jährige. Das Paar ist seit 9 Uhr früh hier. Mit den strengen Regeln hat es keine Probleme. „Wir waren darauf gefasst, dachten aber, alle stürmen hierher“, sagt sie. „Die Regeln entsprechen ja der Gesamtsituation. Daran sind wir mittlerweile gewöhnt“, ergänzt er. Außerdem finde man alles im Internet.

Kai Schneider (49) aus Gelsenkirchen, der mit Lebensgefährtin (47) und Enkelkind Pia (5) zwei Liegestühle in Beschlag genommen hat, hat sogar vorher angerufen und nach der Wartezeit am Eingang gefragt. „Es war alles frei. Ehrlich gesagt, ich empfinde es als Vorteil, das nicht so viel los ist“, sagt er. Für Pia sei das hier eine willkommene Abwechslung. „Sie kann ja seit acht Wochen nicht in die Kita“, erklärt der Großvater.

Endlich wieder rauskommen

Louisa Kerbsties (27) liegt dienstlich im Bikini auf der Wiese. Sie ist Erzieherin, betreut eine Wohngruppe von sechs halbwüchsigen Mädchen. Vier von ihnen tummeln sich gerade im Wasser. „Ich bin froh, mit ihnen wieder mehr Möglichkeiten zu haben“, erklärt sie. Die Aktivitäten seien schon stark eingeschränkt gewesen. Carry (15), die neben ihr liegt, freut sich sogar auf die Schule.

Eine Mülheimerin (55), die zum reinen Schwimmen gekommen war und das Bad verlässt, ist auch froh über die Wiedereröffnung. „Die Bewegung ist besser als jede Psychotherapie“, sagt sie. Wer Angst vor Ansteckung habe, müsse ja nicht kommen.

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