Comics und Mangas

Comic-Convention Oberhausen: Wenn Engels „One Piece“ trifft

Als Schirmherrin über den ersten Cosplayer-Wettbewerb kam Eden Craft (Mi.) mit etlichen perfekt kostümierten Manga-Fans ins Gespräch.

Als Schirmherrin über den ersten Cosplayer-Wettbewerb kam Eden Craft (Mi.) mit etlichen perfekt kostümierten Manga-Fans ins Gespräch.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Sie alle haben normale Jobs, doch am Samstag gaben sich Comic- und Manga-Fans ihrer Leidenschaft hin. Für manche ist das sogar mehr als Hobby.

Mangas, Comics, das ist doch alles Kinderkram. Vorurteile. Genauso wie: „Große Augen“, „Schulmädchen“ und „Gewalt“ – wer über die aus Japan stammende Form der neunten Kunst sprechen will, muss diese Stichworte nennen. Dabei bewiesen kostümierte Cosplayer (Kofferwort: wörtlich übersetzt „Kostümspieler“) und die begabten Comiczeichner auf der Comic Messe am Samstag im Revierpark Vonderort, dass die Szene in Deutschland sowohl unheimlich vielfältig als auch tiefgründig ist.

Mancher findet hier seine lang ersehnte Ruhe

Giuseppe Fuggiano sitzt geduldig auf seinem Platz in der Halle. Eine Karikatur kostet bei ihm gerade mal 10 Euro. Wie oft er schon auf der Messe in Osterfeld war, weiß er gar nicht mehr so genau. „Bestimmt drei, vier Mal“, sagt der Kölner und reibt sich die Stirn. Über die üblichen Verdächtigen sei er als Fünfjähriger zum Zeichnen gekommen, erzählt der heute 31-Jährige. Lucky Luke, Garfield, Yps-Hefte habe er gesammelt. Seine eigene Zeichenkarriere fing aber mit nur einer Linie so richtig an.

Der Strich in der Landschaft heißt: „La Linea“. Das wütende TV-Comic-Männchen von Osvaldo Cavando ist ihm bis heute präsent. „In Deutschland kennt man das wahrscheinlich nur aus einer Werbung – für eine Hämorrhoidensalbe“, sagt er und lacht. Wieder geht ein Messebesucher an seinem Stand vorbei. Eine Karikatur will heute offenbar kaum jemand. Das sei okay, sagt er. Der studierte Mediendesigner kann, wie andere Comic-Künstler hierzulande, selten vom Zeichnen leben. Dafür sind kleine Treffen wie in Oberhausen familiärer – und mancher findet hier seine lang ersehnte Ruhe.

„Kunst ist etwas, was es noch nicht gibt“

Mit etwas Tusche zieht Chris Heuer Blut über die Klinge. Martialisch und sexy: Seine Interpretation von „Elektra“, einer weiblichen Comicfigur von Branchenprimus Marvel sei keine Kunst. Auch wenn er mehrere Stunden mit dem Pinsel damit verbringt, sie noch facettenreicher darzustellen. „Kunst ist für mich etwas, was es noch nicht gibt – und erst danach alle haben wollen.“ Das Bild sei für einen Freund, hier auf der Messe habe er auf seinem Stuhl endlich mal Zeit daran zu feilen. Der Illustrator und Designer arbeitet zurzeit vor allem an einer Graphic Novel über Friedrich Engels. Keine klassische Figur in der Comic-Welt, sondern eher Arbeiteridol. Wieso also gerade der kommunistische Revolutionär?

Soziale Ungerechtigkeit sei mehr denn je aktuell, sagt Chris Heuer. Er habe viel recherchiert, die Briefe an Marx in obszöner Sprache gelesen, seine Vita nachvollzogen; und Engels gedanklich in die Zukunft geholt. „Heute würde Engels wahrscheinlich mit dem SUV vor den Biomarkt fahren, dort Bio-Avocados und Wein kaufen und dann mit einem Grünen-Aufkleber am Kofferraum davonbrausen.“ Wie seine aufwendigen Panels aussehen könnten, verrät der Künstler seinen Fans mit einer 64-seitigen Vorabschau. Jeder darf an seinem Stand darin blättern. Der Fan ist nah dran in Oberhausen – niemand wirkt abgehoben. Das sei nicht überall so, meint Standnachbar Joachim Sohn.

„Auf den großen Conventions herrscht mittlerweile nur noch der Starkult“, sagt der Oberhausener Zeichner und erklärt, wieso das Sammeln von Autogrammen vor allem lukrativ für die Aushängeschilder ist. „Da kosten Unterschriften von jemanden, der mal einen Ewok in Star Wars gespielt hat, plötzlich mehrere hundert Euro – und die Leute bezahlen.“ Bei Manga-Fans gelten sogenannte „Con-Hons“ als absolutes Prestigeobjekt.

„Hier stehen die Zeichner im Mittelpunkt“

Die kleinen Bücher werden von den Zeichnern mit kleinen Mangas verschönert und damit umso wertvoller. „Doch im Gegensatz zur Comic-Con in Köln stehen hier die Zeichner im Mittelpunkt“, meint Fantasy-Autor Joachim Sohn. Klar sind jede Menge Hefte und Bücher im Angebot und zwei Stände weiter stapelt Händlerin Yvonne König Figur auf Figur auf ihrem Tisch aufeinander.

Die Preise für ihr Spielzeug erscheinen recht hoch – doch die Figuren der 31-Jährigen sind Importe aus Japan und unter Sammlern begehrt. „Ich fliege regelmäßig rüber und bin selbst Fan, seitdem ich klein bin.“ Mit „Sailor Moon“ und „Mila“ habe es bei ihr angefangen. „One Piece“ und „Pokemon“-Plüsch ist ebenfalls an ihrem Stand vertreten. 3000 Manga Bücher hat die Aachenerin selbst gesammelt. Auch wenn sie weiß, dass Comics keine Wertanlage sind, will sie mutig selbstständig werden. Und rund zwanzig Jahre nach dem Durchbruch der Abenteuerserie „Dragonball“ mag das sogar erfolgreich sein.

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