Sozialer Abstand

Corona: Altenheim-Bewohner in Oberhausen winken Besuchern

In den Oberhausener Altenheimen herrscht wie in ganz Deutschland striktes Kontaktverbot. Die Bewohner müssen sich mit Mobiltelefon-Gesprächen und sogar Videotelefonie behelfen.

In den Oberhausener Altenheimen herrscht wie in ganz Deutschland striktes Kontaktverbot. Die Bewohner müssen sich mit Mobiltelefon-Gesprächen und sogar Videotelefonie behelfen.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Oberhausen.  Die Altenheime in Oberhausen sind wegen der Corona-Krise dicht, Angehörige dürfen nur in Ausnahmefällen zu ihren Lieben. Wie ist die Lage dort?

Sie stehen unter dem Fenster oder Balkon, rufen hoch und winken, von oben wird zurückgewinkt. „Wie früher an der Berliner Mauer“, sagt Manfred Lübke, um die Szene am Telefon zu beschreiben.

Lübke ist Einrichtungsleiter der Pflege- und Senioreneinrichtungen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) am Annemarie-Renger-Weg und in Holten. In diesen wie in anderen Wohnheimen für alte Menschen in Oberhausen gilt vorläufig bis zum 19. April ein Besuchsverbot wegen der Corona-Pandemie. Ob es verlängert wird, entscheiden Land und Kommune nach Lage der Dinge.

Keinen Corona-Infektionsfall bisher im Oberhausener Altenheim

Bisher gibt es in den Oberhausener Senioreneinrichtungen keinen bestätigten Fall einer Covid-19-Infektion (Stand 6. April). Für die Bewohner bedeutet die Krise vor allem ein Kontaktverbot mit ihren Angehörigen. Nach dem Eindruck von Manfred Lübke meistern alle Beteiligten – Bewohner, Angehörige und Pfleger – die ungewohnte und erzwungene Situation ganz gut, „Gerade die älteren Bewohner kennen noch aus ihrer Jugend, dass es Einschränkungen gibt“, sagt der 58-jährige Einrichtungsleiter.

Um den Kontakt nicht völlig abreißen zu lassen, würden Telefontermine zwischen Bewohnern, Freunden und Verwandten vereinbart oder die Mitarbeiter gäben Auskunft. Je nach technischen Möglichkeiten würde auch schon mal geskypt (Videotelefonie), wenn ein Pfleger sein Gerät zur Verfügung stellt. Denn die meisten Bewohner hätten keine Smartphones oder Tablets.

Besuch ist nur dann erlaubt, „wenn einer der Bewohner im Sterben liegt“, erläutert Manfred Lübke. Mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen (nur eine Person im Zimmer, kein anderer Kontakt) wird der letzte Abschied ermöglicht.

Das bestätigt auch Stefan Welbers, Leiter des Seniorenzentrums „Gute Hoffnung leben“ und aktuell Sprecher für die 26 stationären Oberhausener Pflegeeinrichtungen im Krisenstab der Stadt. In Ausnahmesituationen lasse es die Landes-Verordnung zu, das Besuchsverbot unter Berücksichtigung von Sicherheitsvorkehrungen zu lockern – allerdings gebe es manchmal unterschiedliche Ansichten darüber, was eine Ausnahmesituation ist.

Sondergenehmigung wegen Salatdressings?

So wollte eine Angehörige eine Sondergenehmigung zum Zutritt erlangen, um für die Mutter in der Einrichtung das Salatdressing abzuschmecken, das diese sonst nicht esse. „Da gibt es Schlimmeres, haben wir entschieden“, erzählt Welbers mit einem Augenzwinkern.

Ansonsten erlebt Welbers viel Verständnis bei den Angehörigen, wenngleich es gerade am Anfang des Besuchsverbots einen „erhöhten Kommunikationsbedarf“ gegeben habe. Einen generellen Aufnahmestopp für Kurzzeit- oder Langzeitpflege gibt es wegen der Corona-Pandemie in den Einrichtungen nicht. „Die Plätze werden gebraucht, es gibt einen hohen Entlassdruck seitens der Krankenhäuser“, sagt Stefan Welbers. Die neuen Bewohner würden vorsorglich in Quarantäne untergebracht.

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