Coronavirus

Corona: Oberhausener Familie sitzt auf Palmen-Insel fest

Der Oberhausener David Wagner mit seiner Familie auf der kleinen malayischen Insel Pulau Kapas.

Der Oberhausener David Wagner mit seiner Familie auf der kleinen malayischen Insel Pulau Kapas.

Foto: David Wagner

Oberhausen.  Eine Oberhausener Familie harrt in der Corona-Krise auf einer kleinen Insel in Malaysia aus. Zwischen Palmen und Sorgen. So sieht ihr Alltag aus.

In den Sprachnachrichten hört man im Hintergrund die Wellen des südchinesischen Meeres rauschen. Auf Fotos sieht man traumhaft aneinander gereihte Palmen vor menschenleeren weißen Stränden. Es klingt nach harmonischen Urlaubsgrüßen.

Doch der Oberhausener David Wagner steckt mit seiner Familie mitten in der Corona-Krise in Malaysia fest – auf der kleinen Insel Pulau Kapasa. Sein Handy ist momentan die einzige Luftbrücke nach Deutschland. Gemeinsam mit seiner Frau Charlotte sowie den Kindern Josua (3) und Carlo (6 Monate) hält die junge Familie über Videos und Fotos den Kontakt zu ihren Verwandten. Wann es zurück nach Deutschland geht, wissen sie nicht. Die meisten Flüge sind abgesagt. „Zwischen zwei Tagen und zwei Monaten ist alles möglich!“

Kleine Boote versorgen die Insel

Es ist für den 37-Jährigen, der in der Veranstaltungsbranche arbeitet und in Oberhausen Partys wie die „Jugendsünde“ im Zentrum Altenberg organisiert, eine Zeit der Kontraste. Zum Reisestart, Mitte Februar 2020, sieht noch alles anders aus. Mehr als fünf Wochen möchte die Familie mit dem Rucksack Malaysia erkunden; die Traumreise war lange geplant. Sie schauen sich die saftig grünen Teeplantagen auf Cameron Island an. Stöbern durch das Künstlerviertel der multikulturellen Stadt George Town.

Und schließlich fährt ein kleines Boot sie auf die dünn besiedelte Insel Pulau Kapas, an der Ostküste des Landes. Dort erfahren sie schließlich vom Lockdown. Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus sind in Malaysia geringer als in Deutschland, doch auch hier geht plötzlich nichts mehr.

Einige Unterkünfte machen auf ihrer Insel dicht. Wagner hört von Touristen, die andernorts ihre Zimmer verlassen müssen. „Das ist ein komisches Gefühl. Du weißt ja nicht, wie es weitergeht. Und wie sich die Lage entwickelt.“

Doch ihr Vermieter, ein Niederländer, nimmt der jungen Familie schnell die Panik. Sie dürfen bleiben, zahlen nun die Hälfte des Zimmerpreises. Lebensmittel wie Früchte und Hygiene-Artikel wie Windeln erhalten sie zum Supermarktpreis. Die Versorgung ist aktuell gut. Kleine Motorboote bringen das Nötige auf die autonome Insel. Jede Lieferung wird vorsichtig am Strand ausgeladen und desinfiziert.

Komplizierte Anreise zum Flughafen

Im Gefühlskino ist es wie ein Leben von Gestrandeten. Die Polizei auf dem Festland kontrolliert den Zugang zur Insel. Keiner darf sie betreten. Touristen, die noch einen Flug in die Heimat ergattern, werden von der Polizei in Empfang genommen. Ein Arzt kontrolliert die Gesundheit. Erst danach geht es von einem Regionalflughafen zur malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Eine Reise mit vielen Hindernissen.

Mit der Deutschen Botschaft hat David Wagner schon gesprochen. Doch kurzfristige Flüge sind durch die komplizierte Anreise zum Flughafen-Drehkreuz kaum zu erreichen. Über das Internet informiert er sich über alternative Flüge nach Europa. Er berichtet teilweise von Mondpreisen wie 1700 Euro pro Ticket – wenn es überhaupt noch welche gibt.

Die Unsicherheit, wie es weitergeht, schwingt mit, aber sie haben auch Glück. „Hier kann sich unser Dreijähriger bewegen. Das ist natürlich besser, als in einem Zimmer unter Quarantäne zu stehen.“ Die Menschen sind hilfsbereit. Auf der Insel beschäftigen sie sich jeden Tag neu, damit kein Lagerkoller entsteht. „Wir sparen uns immer einen Programmpunkt pro Tag auf.“

Mit Yoga und Volleyball

Ein wenig Volleyball und etwas Yoga betreibt die Familie an leeren Stränden. Verwandte und Freunde schicken per Whats-App viele Hilfsangebote. Und über Facebook teilt David Wagner kurze Videos, damit auch alle wissen, dass es ihnen gut geht. Momentan können sie nur abwarten.

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