Die Gewinner

Ehrenamtspreis von Oberhausen hilft geht an Familie Kempmann

Oberhausen hilft vergab den ersten Ehrenamtspreis an die Familie Kempmann aus Oberhausen. Hier im Bild (v.li.) Tippgeber Christopher Herbrich, Jörg Bischoff, André auf der Heiden (beide OB hilft), Karin und Laura Kempmann, Wolfgang Heitzer (OB hilft) und Dirk Kempmann. Nicht im Bild, aber ebenfalls ausgezeichnet: Till Kempmann.

Oberhausen hilft vergab den ersten Ehrenamtspreis an die Familie Kempmann aus Oberhausen. Hier im Bild (v.li.) Tippgeber Christopher Herbrich, Jörg Bischoff, André auf der Heiden (beide OB hilft), Karin und Laura Kempmann, Wolfgang Heitzer (OB hilft) und Dirk Kempmann. Nicht im Bild, aber ebenfalls ausgezeichnet: Till Kempmann.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Familie Kempmann brachte einem afghanischen Jungen das Schwimmen bei, damit er aufs Gymnasium gehen konnte. Und das ist noch längst nicht alles.

Die Oberhausener Familie Kempmann packt an: Dirk, Karin und ihre Kinder Laura und Till reden nicht viel, sie machen einfach. Die komplette Familie engagiert sich ehrenamtlich. Sie können nicht anders. Und deshalb sind sie jetzt die Gewinner. Der Verein Oberhausen hilft hat seinen ersten Ehrenamtspreis vergeben – und hätte keine würdigeren Preisträger finden können. Auch, wenn es den Geehrten sichtlich schwer fällt, sich öffentlich feiern zu lassen.

In der evangelischen Auferstehungsgemeinde waren Kempmanns schon immer aktiv. Dann kam das Jahr 2015. Und während andere über die große Flüchtlingskrise redeten, ging Familie Kempmann in die Flüchtlingsunterkünfte, unter anderem in die an der Kapellenstraße und überlegte, wie man den Menschen dort helfen könnte. Dirk Kempmann (52) schleppte mit Familien aus Syrien und Afghanistan, die mit fast nichts nach Oberhausen gekommen waren, Möbel und half dabei, sie aufzubauen. Er repariert bis heute alte Zweiräder, damit die Menschen ihre neue Umgebung erkunden können.

Kochen gegen das Heimweh

Karin Kempmann (49) begann zeitgleich, mit den Erwachsenen zu kochen. „Das war aber eine Idee aus der Gemeinde, unsere Pfarrerin hatte das vorgeschlagen“, betont sie. Aber immerhin griff auch sie diese Idee auf, denn sie hatte bei ihren Besuchen an der Kapellenstraße begriffen: „Es ist alles so neu für die Menschen, die ihre Heimat verloren hatten.“ Selbst kochen konnten die Flüchtlinge nicht. „Sie wurden mit deutschem Essen beliefert – für die Familien eine völlig ungewohnte Kost.“ Zum Glück spricht Karin Kempmann gut Französisch und Englisch. So konnte sie mit den Familien über den Markt ziehen und die Zutaten für die Mahlzeiten kaufen.

Dann legten alle gemeinsam los. „Ich habe viel dabei gelernt“, erzählt die Bank-Mitarbeiterin. Zum Beispiel, dass Kochen in vielen anderen Ländern der Welt viele Stunden in Anspruch nimmt. „Das ist alles sehr aufwendig.“ Und sie lernte, wie gut Reis schmecken kann. „Den bereite ich noch heute so zu, wie ich es dort gezeigt bekommen habe.“ Also: „Den Reis in Öl gut anschwitzen, mit Wasser begießen, eineinhalb Zentimeter muss es über dem Reis stehen, Deckel drauf, umrühren und auf kleiner Flamme weiter kochen.“

Mit Esmeel begannen die Schwimmkurse

Durch Esmeel, damals zehn Jahre alt, kamen die Schwimmkurse dazu. „Wir hatten die Patenschaft für Esmeels afghanische Familie übernommen“, erklärt Dirk Kempmann. Kempmanns begleiteten die Familie, um Esmeel zum Gymnasium anzumelden. „Na, hatte die Lehrerin gefragt, kannst du denn auch schwimmen? Das solltest du vor Schulbeginn unbedingt!“, erinnert sich der Betriebstechniker. Natürlich konnte der Junge nicht schwimmen. Also brachte Familie Kempmann Esmeel das eben selbst bei. „Drei Kinder aus der Familie machten schließlich das Seepferdchen, alle drei besuchen inzwischen das Gymnasium“, sagt Karin Kempmann. Viele weitere Kinder aus anderen Familien kamen dazu. Heute freuen sich alle, wenn Kempmanns mit ihnen am Wochenende ins Spaßbad fahren.

Fragt man Kempmanns, weshalb sie sich engagieren, erhält man diese Antwort: „Eigentlich müssten wir uns bei diesen Menschen bedanken, sie haben uns geholfen zu erkennen, was wichtig ist und was nicht.“ So wie der Mann aus Guinea, der fast erblindet ist, aber dennoch immer gut gelaunt auf Dirk Kempmann zukommt – und der ihm einen Fisch mitgab, als er hörte, dass Karin Kempmann am Wochenende verreist war. „Damit ich nicht verhungere.“

Und Till und Laura? Sie sind oft bei allem dabei – und darüber hinaus auch noch selbst aktiv. Till, Azubi, 20, engagiert sich in der Jugendarbeit der Auferstehungskirchengemeinde Osterfeld, repariert mit seinem Vater gemeinsam Fahrräder für Geflüchtete und restauriert während seiner Ferien im holländischen Sasput das CVJM-Haus. Laura, 22, studiert Sport- und Sozialwissenschaften. Sie engagiert sich in ihrer Gemeinde, beim Jugendaustausch Multi, hat bei den Ferienspielen in Schmachtendorf die Leitung übernommen und ist in einer Leichtathletik-Gruppe aktiv.

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