Großübung

Explosion im Chemiewerk – Retter proben Ernstfall bei Oxea

Verletzte bergen und versorgen – die Feuerwehrleute sahen sich mit einer realitätsnahen Übungsszenerie konfrontiert.

Verletzte bergen und versorgen – die Feuerwehrleute sahen sich mit einer realitätsnahen Übungsszenerie konfrontiert.

Foto: Jörg Schimmel / FFS

Oberhausen.  Blaulicht, Martinshorn, Kolonnen von Einsatzfahrzeugen – auf dem Oxea-Gelände in Oberhausen-Holten wurde am Samstag der Ernstfall geprobt.

Um 10 Uhr ruft Gerald Mosel, Leiter der Oxea-Ausbildung, am Samstag den Notruf 112 an und alarmiert die Werksfeuerwehr von Oxea am Standort der Ruhrchemie in Holten: Explosion im Technikum des Ausbildungszentrums auf dem Werksgelände! Alarm! Die Werksfeuerwehr verständigt die Berufsfeuerwehr. Mit einem Massenanfall von Verletzten (das Fachkürzel dazu lautet: MANV) ist zu rechnen.

Unter diesen dramatischen Vorzeichen beginnt am Wochenende die Großübung von Werksfeuerwehr, Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr bei Oxea, wobei auch zahlreiche Kräfte von ASB, Maltesern, DRK und Johannitern beteiligt sind. Ein eindrucksvolles Übungsgeschehen entwickelt sich am Vormittag auf dem Werksgelände unter strahlender September-Sonne: Rund 40 Einsatzfahrzeuge sind vor Ort, etwa 110 Einsatzkräfte eilen zum Unglücksort. Dichte Rauschwaden ziehen durch das Technikum. Feuerwehrleute mit Atemschutz und Notärzte sind unterwegs, um 28 Verletzte, darunter fünf lebensgefährlich Verletzte, zu versorgen.

Azubis als Verletzte

„Uns kommt es auf eine möglichst realistische Gestaltung des Übungsszenarios an“, sagt Thomas Wüller, Leiter EHS bei Oxea. EHS – das steht für Environment, Health und Safety, also für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Oxea-Azubis haben sich bereiterklärt, ihre Wochenend-Freizeit zu opfern und fungieren als Schauspieler. Zuvor sind sie vom DRK-Team wirklichkeitsnah geschminkt worden.

So verpasste Tanja Söndgen (DRK) dem Azubi Lukas Machel (19), der zum Chemikanten ausgebildet wird, einen blutigen Arm voller Glassplitter und eine Verletzung an der Stirn. Neben den Azubis sind zwei Puppen im Einsatz, die als schwerverletzte bzw. eingeklemmte Personen von einem Balkon und an einem Container geborgen werden müssen. Wer das völlig verqualmte Ausbildungszentrum betritt, hört laute, verzweifelte Rufe: „Hier bin ich!“ „Hilfe!“ Die Retter bahnen sich mit Atemschutzmasken einen Weg durchs Gebäude, um die Menschen schnellstmöglich ins Freie zu holen.

Fachkundige Beobachter der Bezirksregierung Düsseldorf sind eigens angereist, begleiten und bewerten die Übung. Die Johanniter dokumentieren das Übungsgeschehen sogar mit Hilfe einer Drohne, die über dem Einsatzort schwebt. Der Chef der Berufsfeuerwehr Oberhausen, Gerd Auschrat, ist ebenso vor Ort wie Wilhelm Schuster, Leiter der Oxea-Werksfeuerwehr. Alarmierungs- und Meldeketten müssen passen und aufeinander abgestimmt werden, die Kommunikation zwischen Feuerwehren und Rettungsdiensten soll möglichst einwandfrei funktionieren.

Eine große Herausforderung

„Eine solche MANV-Übung ist stets eine große Herausforderung für alle Rettungskräfte“, sagt Jörg Lange-Hegermann von der Berufsfeuerwehr Oberhausen. Trotz des komplexen Übungsszenarios habe die Zusammenarbeit miteinander sehr gut funktioniert. „Wir alle haben dabei viel gelernt.“

Bis gegen 13 Uhr wird der Notfall trainiert. Nach der Übung kann dann auch Azubi Lukas mit allen anderen in der Werkskantine eine verdiente Stärkung genießen. Die Übungs-Glassplitter sind zu diesem Zeitpunkt längst aus Arm und Stirn entfernt.

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