Nahverkehr

Facebook-Nutzer üben Kritik an Oberhausener Stoag

Stoag in der Kritik: Die meisten Facebook-Nutzer wünschen sich günstigere Fahrkartenpreise, einen besseren Service und eine verbesserte Taktung.

Stoag in der Kritik: Die meisten Facebook-Nutzer wünschen sich günstigere Fahrkartenpreise, einen besseren Service und eine verbesserte Taktung.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Seit Jahren verliert die Stoag Fahrgäste und Halter von Fahrkartenabos. Wir haben auf Facebook gefragt: Was kann die Stoag besser machen?

Seit Jahren verliert die Stoag immer mehr Fahrgäste in Oberhausen. Im Vergleich zu 2009 fuhr das Nahverkehrsunternehmen im vergangenen Jahr etwa 5,5 Millionen Menschen weniger in Bussen und Bahnen durch die Stadt. Wir haben unsere Nutzer auf Facebook gefragt: Was muss die Stoag tun, damit sich der Trend dreht?

Die Resonanz war groß. Knapp 400 Beiträge zählten wir in der Kommentarspalte. Nutzer berichteten über ihre Erfahrungen mit der Stoag und äußerten überwiegend ihre Kritik an den Zuständen im Oberhausener ÖPNV und der Preispolitik des VRR.

Die meisten Nutzer wünschen sich günstigere Fahrkartenpreise, einen besseren Service und eine verbesserte Taktung. Dabei wird eins deutlich: Im Vergleich zum Auto kann auch der Nahverkehr in Oberhausen in Sachen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kosten nicht mithalten.

„Ich brauche eine Stunde von Dümpten nach Holten“

„Ich brauche mit dem Bus über eine Stunde, um von Dümpten nach Holten zu fahren. Dabei muss ich mindestens zwei Mal umsteigen. Mit dem Auto dauert das unter 20 Minuten“, schreibt etwa Facebook-Nutzer Sven Abel. Die Kosten für Autofahrt und Monatsticket rechnet Birgit Klein gegeneinander auf: Im März habe sie es wieder mit dem Nahverkehr versucht, weil sie nach einem Schlaganfall nicht Autofahren durfte: „Für die Monatskarte habe ich 73,95 Euro [Ticket 1000, Preisstufe A2 – Anm. d. Red.] bezahlt. An Sprit hätte mich der Monat 16 Euro gekostet.“

Bettina Koos schreibt: „Bei der Stoag fallen auch einfach mal Busse aus, weil kein Personal da ist.“ Das bestätigt auch der Stoag-Betriebsrat auf Nachfrage dieser Redaktion. Personalengpässe und dauerhaft hohe Krankenstände sind der Grund für viele Verspätungen und Ausfälle, die von den Facebook-Nutzern bemängelt werden. Daneben würden viele Fahrer sich nicht mehr richtig mit den Fahrplänen auskennen.

Dem Stoag-Betriebsratsvorsitzenden Herbert Michalik ist dieses Problem natürlich zu Ohren gekommen: „Dies kann einerseits mit den Fahrern von Fremdfirmen zusammenhängen, die einen Teil unserer Linien fahren. Andererseits müssen Busfahrer heute sechs bis sieben verschiedene Linien unter hohem Zeitdruck an einem Tag bewältigen. Das kann schon mal zu Verwirrungen führen.“

Kritik am Kundenservice

Nach Beobachtung der Nutzer sind die Busse und Bahnen zu Stoßzeiten deutlich überlastet. „Vielleicht sollte an einigen Stellen in Oberhausen geprüft werden, ob es noch Chancen für weitere Verbindungen wie die Centro-Trasse gibt“, schreibt Nutzer Markus Wentzel. Er schlägt vor, dass die Stoag direkte Fahrten zu den größeren Arbeitgebern ermöglichen sollte – dies in Verbindung mit günstigen Jobtickets. Besonders eine Direktverbindung zwischen Sterkrade Bahnhof und Oberhausen Hauptbahnhof hält er für sinnvoll. So würden nach Meinung von Markus Wentzel eventuell mehr Arbeitnehmer aufs Auto verzichten.

Beschwerden gibt es auch über den Kundenservice der Stoag: „Selbst wenn man telefonisch oder persönlich Kritik übt, kommt keinerlei Reaktion zurück“, ärgert sich Sebastian Kassner. „In jedem noch so kleinen Unternehmen gibt es eine Art von Qualitätsmanagement. Bei der Stoag existiert das anscheinend nicht wirklich.“

Preiserhöhung im VRR ausgebremst

Facebook-Nutzer Gianni Virgallita bringt das Dilemma der Nahverkehrsbetriebe im Ruhrgebiet auf den Punkt. Der Vorsitzende der Oberhausener Jusos fordert eine bessere Taktung, ein besseres Netz und einfache günstige Abos wie Tarife. „Aber das kann die Stoag nicht alleine beeinflussen, sondern der VRR gemeinsam mit den anderen Verkehrsverbünden muss hier besser werden.“

Immerhin: CDU und Grüne haben zuletzt bei der VRR-Verbandsversammlung die geplante Ticketpreiserhöhung für 2020 blockiert. Denn wenn der VRR bei offenbar schlechter werdendem Angebot weiter die Preisschraube nach oben dreht, dann gehen auch der Stoag weiterhin Fahrgäste verloren – und die bewegen sich seit Jahren im sechsstelligen Bereich.

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