Kurzfilmtage Oberhausen

Filmszene empört über 3sat-Absage an Kurzfilmtage Oberhausen

Auch Edgar Reitz nennt die kühle 3sat-Absage „einen Skandal“. Der inzwischen 87-jährige „Heimat“-Regisseur geht hier durch eines Szene von „800 Mal einsam – ein Tag mit dem Filmemacher Edgar Reitz“ von Anna Hepp.

Auch Edgar Reitz nennt die kühle 3sat-Absage „einen Skandal“. Der inzwischen 87-jährige „Heimat“-Regisseur geht hier durch eines Szene von „800 Mal einsam – ein Tag mit dem Filmemacher Edgar Reitz“ von Anna Hepp.

Foto: deja vu Filmverleih

Oberhausen.  Gegen die Abwicklung des Kurzfilms bei 3sat protestieren die Verantwortlichen von 13 Filmverbänden im offenen Brief an Intendant Thomas Bellut.

Mit deutlichen Worten und in großer Einmütigkeit protestiert die Filmszene gegen die Abwicklung des Kurzfilms beim öffentlich-rechtlichen Sender 3sat, der sich als Vollprogramm mit kulturellem Schwerpunkt versteht. Dutzende Filmemacher, darunter Edgar Reitz, Christoph Hochhäusler und Peter Nestler, formulierten zudem eigene Protest-Statements.

Am Donnerstag haben 13 deutsche Filmverbände, von der AG Kurzfilm bis zum Verband der deutschen Filmkritik (VDFK), einen offenen Brief an Thomas Bellut, den Intendanten des ZDF, unterzeichnet, in dem sie sich dem Protest der Kurzfilmtage gegen die Abwicklung des Kurzfilms bei 3sat anschließen. In ihrem Brief appellieren sie an Bellut, „sich für eine Zukunft des Kurzfilms im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie die Nachwuchsförderung einzusetzen und die Medienpartnerschaft mit den Kurzfilmtagen fortzusetzen.“

„Ein Zeichen von Ignoranz und Phantasielosigkeit“

Die Filmszene sieht das Genre Kurzfilm beim Drei-Länder-Sender „restlos abgewickelt“. Für die Filmverbände aber gehöre „sowohl die Förderung von neuen filmischen Handschriften als auch die Ansprache eines jüngeren Publikums“ unbedingt zum Auftrag des Kultursenders 3sat.

Dutzende Filmemacher und weitere Institutionen protestieren in Form eigener Statements. So nennt es „Heimat“-Regisseur Edgar Reitz „einen Skandal, wie sich die öffentlich-rechtlichen Sender ihrer kulturellen Verantwortung entziehen. Im Falle des Kurzfilms ist es darüber hinaus ein Zeichen von Ignoranz und Phantasielosigkeit.“

„Im Netz explodiert die Kreativität kurzer Formen“

Sein Kollege Christoph Hochhäusler, Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin meint ebenso deutlich: „Innovation ist auch und gerade im deutschen Film ohne den Kurzfilm nicht denkbar. Im Netz explodiert die Kreativität kurzer Formen, allein es fehlt oft an der richtigen Rahmung, den besten Arbeiten zu Sichtbarkeit zu verhelfen.“ In diesem Sinne ist 3sat also plump „aus dem Rahmen“ gefallen.

Der federführend vom ZDF in Mainz betriebene Sender 3sat hatte in seiner Absage von Sendeplatz, Filmankäufen und des 3sat-Förderpreises bei den Kurzfilmtagen dürftig damit begründet, „in diesem Genre schon seit langem nicht mehr produktionell tätig“ zu sein. Eine Reaktion der Verantwortlichen von ZDF/3sat auf den jüngsten Protestchor, meldet Kurzfilmtage-Sprecherin Sabine Niewalda, „steht zum heutigen Datum noch aus“.

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