Tribute-Rock

Floydbox fiebern ihrem Oberhausener Heimspiel entgegen

Eine Tribute-Band mit Stadion-Format: Floydbox unter freiem Himmel am Stadion Niederrhein.

Eine Tribute-Band mit Stadion-Format: Floydbox unter freiem Himmel am Stadion Niederrhein.

Foto: Udo Gottschalk / FFS

Oberhausen.  Die Tribute-Band vereint Passion und Perfektionismus. Nur das „schräge“ Frühwerk ihrer Vorbilder aus Cambridge blenden die Musiker bisher aus.

Natürlich ist Floydbox, Oberhausens sonst so reisefreudige Tribute-Band, auch ein Unternehmen, eingetragen als GbR. Vor allem aber ist es Passion, sowohl für den Rockband-Kern mit seinen bürgerlichen „Zweit“-Berufen als auch für die gestandenen Profimusiker des Chores und an den Saxophonen. Für Michael Baum, den Sänger, der erst vor drei Jahren zu dieser verschworenen Truppe stieß, war es sogar „Liebe auf den ersten Blick“.

„Wir wissen, dass es momentan etwas komisch anmutet, auf zukünftige Veranstaltungen hinzuweisen“, so hatte sich die Stimme von Floydbox bei der Redaktion gemeldet. „Aber wir hoffen, dass das Leben irgendwann wieder normal weitergeht – und dann wollen wir bereit sein.“ Konkret: Das für April geplante Konzert in der Borbecker „Dampfe“ ist abgesagt, für den Mai-Gig im Hessischen bleibt vielleicht eine „Restchance“, sinniert Michael Baum. Doch das Heimspiel der (mehrheitlich) Oberhausener am 31. Oktober in der „guten Stube“ Luise-Albertz-Halle soll wieder ein ganz besonderes Konzert werden.

Ritterschlag fürs penibel abgemischte Klangbild

Ihren guten Ruf als „The Emotional Side of Floyd“, der die Zehn auf der Bühne von etlichen anderen ebenfalls auf hohem Niveau agierenden Tribute-Bands abhebt, haben Floydbox schließlich auch den begeisterten Fans daheim zu verdanken. Begonnen hatte die Band vor 20 Jahren als „Roadbox“: eine Coverband, die sich traute, auch mal eines der epischen Werke von Pink Floyd zu spielen. Obwohl er selbst damals noch nicht dabei war, verweist Michael Baum stolz auf den Coup, als eine der Ersten vom Rock-Fach für ausverkaufte Gigs im Ebertbad zu sorgen.

Bedenkt man den ausgefeilten Sound, der die Badeanstalt am Ebertplatz auszeichnet, ist das schon ein Ritterschlag fürs penibel abgemischte Klangbild der Band. Die eingestreuten Floyd-Songs wurden bei „Roadbox“ ausgebaut zum kompletten Pink Floyd-Set – bis 2013 die Entscheidung anstand, sich ganz für das Oeuvre von David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Richard Wright zu entscheiden: Seitdem also Floydbox.

„Der Neue“ musste sich als Sänger erstmal bremsen

„Die anderen kennen sich schön ewig“, weiß Michael Baum. Ein gemeinsamer Musikerfreund hatte ihm vor drei Jahren die Oberhausener empfohlen: „Ruf da mal an!“ Das erste angeregte Telefonat mit Gitarrist Ralf Grunwald dauerte dann bereits über eine Stunde – „sowas tun Männer ja sonst nicht“: Die Chemie stimmte von der ersten Probe an – und das galt auch für die weiteren 14-täglichen Treffen.

Dabei muss sich „der Neue“ als Sänger durchaus bremsen – schließlich war Michael Baum zuvor als Fan von Iron Maiden eher ein stimmlicher Botschafter des Heavy Metal. Und auch sein Bewegungsdrang als „Rampensau“, wie der 53-Jährige selbst sagt, musste zum ruhigeren Floyd-Sound erst das richtige Maß finden: „Jetzt ist das kein fremdes Terrain mehr für mich.“

Schließlich wollen Floydbox live ihre Freude an der Musik über die Bühne bringen – und die eigene Fan-Begeisterung weitertragen. Die ist nur beim „schrägen“ Frühwerk der Briten aus Cambridge deutlich gedimmt – obwohl gerade mit diesem Repertoire Nick Mason und seine Tribute-Band „de luxe“ namens „Saucerful of Secrets“ große Erfolge feiern. „Wir überlegen noch“, meint der Floydbox-Sänger zurückhaltend. Schließlich bedeuten bereits die dreieinhalbstündigen Gigs mit etlichen episch ausgelegten Floyd-Kompositionen für die Instrumentalisten „ein enormes Lernpensum“, wie Baum betont. Dem Sänger sind dagegen auf den instrumentalen Langstrecken genügend Pausen vergönnt.

Jugendtraum von einem schicken Nightliner

Als Angestellter im Einzelhandel dankt er seinem verständnisvollen Arbeitgeber – und bleibt gerne Wochenend-Musiker: „Es wäre viel zu harte Arbeit, davon leben zu wollen.“ Das gilt allerdings nicht für die beiden Fulltime-Musiker am Saxophon, Bettina Schmuck und Sven Rossenbach. Sie und die vier Chorsängerinnen wechseln sich bei den Floydbox-Gigs ab, sind als Profis in vielen musikalischen Metiers unterwegs. Kompositionen von Sven Rossenbach dürfte jeder schon einmal gehört haben: Denn der 53-Jährige kreierte mit Florian Van Volxem „Sounddesign“ für eine Fülle von TV- und Kinofilmen.

Und die Sängerinnen, in Hessen zuhause und stets erst beim Soundcheck dabei, überraschen den Rest von Floydbox immer wieder mit ihrem Glanzstück „The Great Gig in the Sky“: Clare Torry setzte auf LP den Maßstab für seelenvollen, wortlosen Gospel-Gesang. „Aber unser neuester Clou ist eine zweistimmige Version“, erzählt Michael Baum bewundernd.

Last, not least zählt zum 20-köpfigen Tross von Floydbox auch die engagierte Technik-Crew für Sound, Licht – und für den Floyd-typischen „Kringel“ für die Video-Sequenzen. Zu den Konzerten ist man so mit einem Siebeneinhalb-Tonner plus Bandbus unterwegs. Und Michael Baum träumt weiter seinen Jugendtraum von einem schicken Nightliner – „das wäre die Krönung meiner Musikerlaufbahn“.

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