Sterkrader Lesesommer

Frank Goosen – ein Weltenwanderer der Liebe in Wende-Zeiten

Kabarettist und Autor Frank Goosen, hier bei einer Lesung in Gladbeck.

Kabarettist und Autor Frank Goosen, hier bei einer Lesung in Gladbeck.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Frank Goosen eröffnet den Sterkrader Lesesommer in der ausverkauften Bernarduskapelle. Selbst die Verabschiedung sorgt für begeistertes Raunen.

In den vergangenen Jahren fand die Eröffnung des „Sterkrader Lesesommer“ immer in der „GOT Sterkrade“, dem ehemaligen GHH-Gästehaus, statt. Weil aber diesmal mit Frank Goosen ein heimisches Schwergewicht literarischer Bespaßung zur vom „Literaturhaus Oberhausen“ mit Unterstützung des Kulturflur e.V., der Stadtbibliothek Sterkrade sowie der Buchhandlung Wiebus präsentierten Lesung eingeladen war, hätte das im ranzigen Charme des 70er-Jahre-eingerichteten Begegnungszentrums dem Andrang vergnügungssüchtiger Zuhörer niemals standgehalten.

Wer jetzt an Goosen sein Opa „Woanders ist …“ denkt, liegt nur knapp daneben. Denn statt der GOT gab ein veritables Gotteshaus, nämlich die Bernarduskapelle, das stimmungsvolle Ambiente für eine amüsante Zeitreise zurück ins Jahr 1989. Samt dreier Protagonisten, die dem ein oder anderen Goosen-Leser bekannt vorkommen konnten.

Muntere Eloquenz

Die stellte der 1966 in Bochum geborene Autor nach kurzer Begrüßung durch Hartmut Kowsky-Kawelke, der angesichts der Prominenz seines Gastes keine großen Worte machen musste, als die in ihre Jugendjahre zurückgeworfenen Helden seines 2016 erschienenen Romans „Förster, mein Förster“ mit munterer Eloquenz vor. Doch vorweg gab’s ein kleines Bekenntnis: „Ich weiß, dass Sterkrade nicht Oberhausen ist!“ Erstes Gekicher, dann setzt er noch eins drauf und die heimische Rivalität mit jener von Bochum zu Wattenscheid gleich.

Aufbrausende Heiterkeit, aber als mit allen Bieren gewaschener Tresenleser erledigt Frank Goosen solche Lockerungsübungen selbstmurmelnd aus dem Handgelenk. Ohne freilich dabei das Niveau eines Fritz Löhner-Beda zu erreichen, der „In der Bar zum Krokodil“ einst befand: „Denn Theben ist für Memphis das, was Lausanne für Genf ist.“

Die Mauer hilft beim Fremdgehen

Nun ja, Bochum ist auch nicht Berlin, wohin es Fränge alias Frank Dahlbusch verschlagen hat. Dort haust er in einer WG (wo sonst?) und macht sich ein lockeres Leben als „Weltenwanderer der Liebe“. Denn außer der portugiesischen Freundin Marta im Westteil der Stadt hat er auch noch auf der anderen Seite des antifaschistischen Schutzwalls mit Rosa eine weitere. Was natürlich wunderbar funktioniert, weil die Mauer eine Begegnung der beiden zuverlässig verhindert. Jedenfalls bis zum November 1989, dem der dritte Teil von Goosens Roman „Kein Wunder“ (Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019. 349 Seiten, 20 Euro) gewidmet ist.

Im Mai jedoch bekommt Fränge Besuch von seinen alten Freunden Förster („nur meine Eltern nennen mich Roland“) und Brocki, der bürgerlich Tilman Brock heißt und sich aus Liebeskummer während der Fahrt in dem klapprigen VW Jetta mit Hansa-Pils die Kante gibt. Was prompt zu Problemen an der innerdeutschen Grenze führt. Amüsant erzählt auch ohne „Gänsefleisch“, rasant gelesen von Frank Goosen, den jedoch seine Zuhörer in den Seitenbänken nicht wirklich gut hören konnten. Aber das kommt davon, wenn man nicht auf den lieben Gott und seine Verstärkeranlage vertraut.

So tun, als sei man depressiv

Es reichte aber doch, um mitzukriegen, dass Fränge sein Ost-Abenteuer mit einem schwunghaften Handel des Campingkochers „Juwel“ der „VEB Lötgeräte Leipzig“ finanziert. Und herzlich über eine nach Bochum verschlagene Schwäbin zu lachen, die Förster anstaunt: „Du bist Akademiker-Kind? Ich dachte, Du bist von hier!“ Was allerdings Rosa, das Mädchen aus Ost-Berlin, lässig toppt, als ihr der Akademiker-Sohn berichtet, sein Vater schließe sich am Wochenende ein und tue so, als sei er depressiv: „Was, das macht er beruflich?“

Nä, watt hatten wir Spaß mit Frank Goosen, der nach seiner Lesung die obligate Fragerunde mangels Neugieriger kurzerhand mit sich selbst bestritt – so viel zum Thema „Woanders ist auch …“ – und schließlich mit der Ankündigung eines Beatles-Buches für begeistertes Raunen sorgte.

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