Laienspiel-Szene

Großer Krach in Oberhausen beim Theater „Wir im Pott“

Im August 2018 war die Welt bei „Wir im Pott“ noch in Ordnung: (v.li.) Anna Burkelc, die jetzt nicht mehr mitspielt, Rita Bode, Detlef Bode und Dagmar Kauermann am Neptun-Brunnen vor dem Gdanska.

Im August 2018 war die Welt bei „Wir im Pott“ noch in Ordnung: (v.li.) Anna Burkelc, die jetzt nicht mehr mitspielt, Rita Bode, Detlef Bode und Dagmar Kauermann am Neptun-Brunnen vor dem Gdanska.

Foto: Michael Korte

Oberhausen.   Mitten in der Spielserie trennt sich Autorin Rita Bode von vier Darstellerinnen. Die beklagen Alleingänge. Mit neuer Besetzung geht’s weiter.

Krach hat das Amateurtheater „Wir im Pott“ bisher immer nur auf der Bühne gespielt. Und das erfolgreich. Acht Mal wurde die Komödie „Alles wegen Neptun“ von Autorin Rita Bode 2018 aufgeführt. Bei ih­­ren Proben ging es fröhlich zu. Jetzt überrascht die Mitteilung, die noch ausstehenden weiteren Aufführungen fänden in neuer Besetzung statt. Vier bisherige Mitglieder des neunköpfigen Ensembles teilen gleichzeitig mit, sie hätten Spielverbot dafür bekommen.

Margrit Zulechner, Anna Burkelc, Elke Ungerer und Ingrid Fiedler sind ab sofort nicht mehr dabei. Sie haben seit über zehn Jahren gemeinsam dem Hobby des Laienspiels gefrönt. Zuletzt, seit 2016, probten sie mit verschiedenen Regisseurinnen Lustspiele aus der Feder der Oberhausener Autorin Rita Bode ein. Zunächst war das die Geschichte von „Tante Hedwig ihr klein Häusken“.

Ein Spaß für die heimische Bühne

Seit Anfang 2018 wurde für „Alles wegen Neptun“ geprobt, einen Spaß, den Bode eigens für die heimische Bühne, das Kult-Gasthaus Gdanska am Altmarkt, geschrieben hat: die Geschichte einer deutsch-polnischen Gaststätte und der Menschen, die sich darin aufhalten.

Bode und ihr Mann Detlef gehören mit zum Ensemble. Das ist das Besondere an „Wir im Pott“. Normalerweise führen Laienspiel-Theater Schauspiele fremder Autoren auf, für die sie eine Nutzungsgebühr bezahlen. Aber aus dem Spiel ist bitterer Ernst geworden. Hinter den Kulissen muss es seit längerer Zeit gebrodelt haben. „Wir haben uns das nicht anmerken lassen“, berichtet Ingrid Fiedler. Aber Rita Bode haben ihnen zu verstehen gegeben, dass sie sich als Autorin zu wenig gewürdigt fühle.

Streit um angebliche Alleingänge

Der Einfluss der Autorin muss groß gewesen sein. Denn wie Fiedler berichtet, hat es vor allem Streit um deren angebliche Alleingänge gegeben. So habe sie ei­genmächtig mit Wirt Ceslaw Golebiewski abgestimmt, dass die Aufführungen statt im großen Saal des Gdanska im kleinen Hinterhoftheater stattfinden. Dort gibt es aber nur halb so viele Plätze. Und dann habe sie auch noch großzügig Freikarten verteilt.

Es waren demnach nicht künstlerische Gesichtspunkte, die zum Streit führten. Beides habe sich, so Fiedler, auf die Einnahmensituation des Freizeit-Ensembles negativ ausgewirkt. Wie Fiedler berichtet, musste Regisseurin Anja Balzer ähnlich wie eine Chorleiterin honoriert werden. Zunächst seien die Mitglieder des Ensembles für die Proben dabei in Vorleistung getreten, mit mehreren hundert Euro pro Darsteller. Die Wahl des kleineren Theaterraums und die vielen Freikarten hätten die Aussichten darauf, die Auslagen wieder hereinspielen zu können, deutlich verschlechtert.

Kurz vor Weihnachten habe Bode den Frauen mitgeteilt, sie gehörten ab sofort nicht mehr zum Ensemble. Eine Diskussion darüber habe sie sich verbeten. Fiedler und ihre Mitstreiterinnen sprechen von einem Skandal. „Zehn Monate Probearbeit, die viel Freude bereitet haben, aber auch Kraft, Zeit und Geld gekostet haben, sind nun hinfällig“, schreiben sie. Für die erfolgreiche Amateurtheater-Szene in der Stadt sei das ein Novum.

Dass sie in so kurzer Zeit durch andere Darsteller ersetzt worden seien, ist für Ingrid Fiedler ein Hinweis darauf, dass ihre Absetzung von langer Hand geplant gewesen sein müsse. Denn sie hätten keine unbedeutenden Nebenrollen gespielt.

Vom Autorenrecht Gebrauch gemacht

Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt Rita Bode die Trennung. Die Freude am gemeinsamen Spiel sei der Gruppe im vergangenen Jahr abhanden gekommen. Zu den Gründen aus ihrer Sicht schweigt sie. Jedenfalls habe sie der Gruppe in ihrer alten Zusammensetzung zum Jahresende das Nutzungsrecht an ihrem Stück entzogen.

„Das ist mein Autorenrecht, von dem ich (ungern) Gebrauch gemacht habe. Aus persönlichen Gründen ist dieser Schritt für mich unumgänglich“, teilt Bode mit. Jeder Darsteller habe aber die Möglichkeit gehabt, mit ihr in schriftlicher Form in Kontakt zu treten. „Lediglich erfolglose Diskussionen wollte ich vermeiden.“

Nach einer gemeinsamen Abstimmung sei damals beschlossen worden, die Aufführung im Hinterhof-Theater zu spielen, wo auch geprobt worden sei. Zu dem Vorwurf, eigenmächtig eine große Zahl von Freikarten vergeben zu haben, schweigt sie, ebenso zu der Verrechnung der bisherigen Ausgaben der geschassten Darstellerinnen. Sie betont, damit Geld zu verdienen, sei ja nie Absicht gewesen. „Die Einnahmen, die wir mit der Aufführung erzielen, werden für die damit verbundenen Unkosten verwendet.“

Zu der Herausforderung, das Stück ohne längere Unterbrechung in neuer Besetzung erneut zu spielen, schreibt Rita Bode, sie habe sich dafür gegen Ende vergangenen Jahres nach neuen Mitspielerinnen umgesehen. „Durch sehr intensive und ergiebige Proben in kurzer Zeit bin ich äußerst zuversichtlich, das Stück im Theater im Gdanska erfolgreich aufzuführen.“

Noch viermal wird „Alles wegen Neptun“ gespielt

Die weiteren Aufführungen im Gdanska am Altmarkt 2019 haben am Freitag, 11. Januar, 19.30 Uhr, begonnen. Weitere Termine: Freitag, 8. Februar, 19.30 Uhr, Sonntag, 10. Februar, 18 Uhr, sowie am 22. und 24. März. Für die Februar-Aufführungen gibt es noch Restkarten.

Neu bei der Fortsetzung der Inszenierung ist, dass die polnische Künstlerin Roza Frackiewicz dabei musikalisch mitwirkt.

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