Ausbildung

Industrie fordert bessere Schulbildung für Auszubildende

| Lesedauer: 3 Minuten
Schauten Azubi Tim Grundke (vorne) über die Schulter (v.l.): Stefan Michel (Fitscher), Franz Roggemann (IHK), Jan Mrosek (DGB), Jörg Bischoff (Kreishandwerkerschaft), Regina Schenberg (Regionalagentur Meo) Heike Zeitel (Unternehmerverband), Nadine Streck (Arbeitsagentur).

Schauten Azubi Tim Grundke (vorne) über die Schulter (v.l.): Stefan Michel (Fitscher), Franz Roggemann (IHK), Jan Mrosek (DGB), Jörg Bischoff (Kreishandwerkerschaft), Regina Schenberg (Regionalagentur Meo) Heike Zeitel (Unternehmerverband), Nadine Streck (Arbeitsagentur).

Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Unternehmen beklagen mangelndes Interesse von potenziellen Auszubildenden. Oft fehlt es an Basiswissen wie Rechtschreibung und Mathematik.

Sie sind nicht in der Lage, einen fehlerfreien Satz zu Papier zu bringen. Auch eine Zahl durch zwei zu dividieren, fällt ihnen schwer. Es klingt ein Hauch von Verzweiflung in der Stimme von Geschäftsführer Stefan Michel mit, wenn er über Bewerber spricht, die im Betrieb Fitscherguss eine Ausbildung machen möchten. „Aber ich gebe nicht auf – weder die jungen Leute noch die Suche nach geeigneten Kandidaten.“

Das große Engagement des Oberhausener Unternehmens war für den regionalen Ausbildungskonsens Grund für einen Besuch im Rahmen der Ausbildungstour durch die Meo-Region Mülheim-Essen-Oberhausen.

700 junge Menschen ohne Lehrstelle

Der regionale Ausbildungskonsens ist ein Gremium, bestehend aus Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur, Jobcenter, Unternehmerverband und Kreishandwerkerschaft. Das große Ziel: Betriebe und geeignete Ausbildungskandidaten einander wieder näher bringen. Denn da hapert es derzeit gewaltig.

Das belegen auch die aktuellen Zahlen der Arbeitslosen-Statistik: Obwohl in vielen Betrieben am heutigen Mittwoch das neue Ausbildungsjahr startet, sind noch immer knapp 700 junge Menschen ohne Lehrstelle. Und das, obwohl Unternehmen händeringend suchen.

100 000 Euro für Nachhilfe

„Das Bild hat sich gewandelt“, sagt Fitscherguss-Geschäftsführer Michel. Früher hätten sich viele Bewerber um einen Stelle gestritten, „heute gehen wir als Betrieb aktiv auf die Suche nach neuen Auszubildenden.“ Dabei habe er sich längst damit abgefunden, nicht die besten Kandidaten zu bekommen. „Schüler mit guten Noten bewerben sich bei Thyssenkrupp, aber nicht bei uns.“ Er sei schon mit Dreien und Vieren auf dem Zeugnis zufrieden, aber auch solche Bewerber seien Mangelware.

Um seine Auszubildenden fit zu machen, muss der Oberhausener Betrieb kräftig investieren: Rund 100 000 Euro lässt er sich die „Nachhilfe“ kosten, lässt seine Azubis unter anderem beim Studienkreis oder dem Zentrum für Ausbildung und berufliche Qualifikation (ZAQ) schulen. „Eine solche Grundausbildung im Rechnen und Schreiben erwarte ich aber eigentlich von den Schulen.“

Die Schulen sind in der Pflicht

Dümmer werden die jungen Leute keinesfalls, sagen Michel und auch Kreishandwerksmeister Jörg Bischoff. „Sie haben andere Interessen und Neigungen.“ Auch hier seien die Schulen in der Pflicht. Sie müssten bei den jungen Leuten das Interesse für verschiedene Berufe und die Arbeit an sich wecken. „Und auch wir als Arbeitgeber sind gefragt“, sagt Bischoff. „Wir müssen auf die Jugendlichen zugehen statt sie abzustempeln, wir müssen alte Strukturen aufbrechen und an unserem Image arbeiten.“

>>> Vorzeigebetrieb in der Ausbildung

Für die Industrie- und Handelskammer ist das Oberhausener Unternehmen Fitscherguss ein „Vorzeigebetrieb in der Ausbildung“. Die Firma mit einem Jahresumsatz von 22 Millionen Euro beschäftigt derzeit 103 Mitarbeiter, darunter acht Auszubildende.

Darunter auch Tim Grundke. Für den 18-Jährigen beginnt am heutigen Mittwoch das zweite Lehrjahr. Der angehende Zerspanungsmechaniker hat sich früh mit dem Thema Ausbildung auseinandergesetzt, 2016 machte er sein erstes Praktikum.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Oberhausen

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben