Topleiter

Jungunternehmer aus Oberhausen: Mit Leitern zum Erfolg

Passen zusammen wie Sprossen und Holme: Die beiden Geschäftsführer Anatoli Kordonski (re.) und Vitaly Morozor leiten schon seit 2012 gemeinsam die Geschäfte von „Topleiter“.

Passen zusammen wie Sprossen und Holme: Die beiden Geschäftsführer Anatoli Kordonski (re.) und Vitaly Morozor leiten schon seit 2012 gemeinsam die Geschäfte von „Topleiter“.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  In Sterkrade macht sich ein besonderes Geschäft nicht nur im Handwerk bundesweit einen Namen. Es besetzt erfolgreich eine Nische.

Egal ob Trittleitern, Stehleitern, Obstbaumleitern, Teleskopleitern, Dachleitern, Schiebeleitern – in einem Ladengeschäft in Sterkrade dreht sich wirklich alles um die Welt der Sprossen und Holme. Unter der Marke „Topleiter“ vertreiben Anatoli Kordonski und Vitaly Morozov so gut wie alles, womit Mann oder Frau Hinauf- und Hinabsteigen kann. Selbst für die Firmengründer war der Schritt in die Selbstständigkeit ein gewaltiger Sprung auf der Karriereleiter.

„Jeder Handwerker in der Stadt, der etwas mit Leitern zu tun, kennt uns“, sagt Anatoli Kordonski (32) stolz. Auch in der Branche sei ihre Marke „Topleiter“ mittlerweile jedem Dritten ein Begriff, fügt er hinzu, das hätten Marktanalysen ergeben. Dass die beiden Firmengründer der dahinter stehenden Tripin GmbH es mal soweit bringen würden, hätten sie nicht gedacht.

Händler lebt vom Online-Shop

Zusammen mit seinem Geschäftspartner Vitaly Morozov (38) besetzen die beiden nun eine Nische, in der man wirtschaftlich nicht ins Unermessliche wachsen, aber durchaus Erfolg haben kann. „In Zeiten von Online-Händlern wie Amazon muss man sich spezialisieren“, sagt Morozov. „Wir sehen uns auch eigentlich mehr als IT-Unternehmen, denn als klassisches Geschäft.“ Denn der Kern ihres Geschäftsmodells ist ein ausgefeilter wie aufgeräumter Online-Shop.

Leitern, Gerüste, Podeste und Industrietreppen aller Art kann man dort in allen Varianten aus Alu, Kunststoff, Stahl oder Holz bestellen. Geliefert wird nach ganz Europa. Von den zehn Mitarbeitern kümmern sich allein acht um den Online-Shop, übernehmen telefonische Beratung, die umfangreiche Planung von Sonderanfertigungen und regeln die versandtechnisch nicht ganz unkomplizierte Abwicklung.

„Jeder ist Experte für einen bestimmten Bereich“, sagt Kordonski über sein junges Team von Leiter-Experten. Ausführliche Beratung gebe es aber nach wie vor auch vor Ort. „Wir haben hier einiges an Laufkundschaft. Das Geschäft liegt an der Neumühler Straße ganz günstig. Viele fahren dran vorbei und werden drauf aufmerksam.“

Bundeswehr und Tesla bestellten schon in Oberhausen

Die Kundschaft bestehe zu gleichen Teilen aus Firmen- und Privatkunden. Erstere sind so zahlreich wie unterschiedlich. Das Arbeitsamt Frankfurt, der Elektroauto-Hersteller Tesla, Sea Life, Centro, das Bundeskriminalamt und auch die Bundeswehr bestellten schon Sonderkonstruktionen über die Oberhausener Firma. „Als wir 2012 mit dem Unternehmen angefangen haben, war die Bundeswehr einer der ersten Kunden“, erinnert sich Vitaly Morozov. Arbeitspodeste für die Panzerreinigungen standen damals auf dem Bestellzettel.

Nicht weniger kurios ist die Gründungsgeschichte hinter der Tripin GmbH und ihrer Marke Topleiter. Mit Handwerk hatten Kordonski und Morozov nämlich nicht so wirklich was am Hut. „Ich hatte in meinem früheren Beruf mit Leitertechnik zu tun und wollte immer schon selbstständig werden“, erzählt der diplomierte Informatiker Morozov. In dem Handel mit Leitern erkannte er großes wirtschaftliches Potenzial, „weil es nicht zu viel Konkurrenz gibt“.

Während Morozov den ersten Schritt Richtung Firmengründung ging, war auch Anatoli Kordonski gerade seinen alten Job losgeworden. Der Vertriebler und Verkäufer durfte schon in jungen Jahren eine Vodafone-Filiale leiten, hatte sich dann aber mit seinem Chef überworfen und war auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

Väter brachten die beiden Gründer zusammen

„Aber erst unsere Väter haben uns zusammengebracht, wir kannten uns eigentlich nur entfernt“, sagt Anatoli Kordonski und lacht. Als die Väter am Telefon über die Jobsituation ihrer Söhne sprachen, war ein Treffen beider Familien schnell arrangiert. Ein paar Meetings später gründeten die beiden Partner dann ihre erste eigene Firma. „Wir mussten uns beide charakterlich aber erst einmal einspielen“, erzählt Morozov. „Das lief anfangs nicht ohne Reibungen.“ Nun hat jeder der Geschäftsführer einen eigenen Bereich. Kordonski kümmert sich um den Vertrieb, Morozov leitet als Informatiker die Geschicke der IT.

„Wir hatten ja am Anfang gar keine Erfahrungen, was es heißt, eine Firma zu leiten“, erinnert sich Kordonski. „Das war ein echtes ‘Learning by doing’.“ Nachdem die beiden zunächst in einem kleinen Büro mit einem weiteren Mitarbeiter ihre Anfänge bestritten, eröffneten die Gründer 2015 das Ladengeschäft an der Neumühler Straße in Sterkrade.

Aber die 150 Quadratmeter, die unter anderem als Büro-, Lager- und Verkaufsfläche dienen, werden dem jungen Team langsam schon zu klein. „Wir sind auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten“, sagt Anatoli Kordonski. Auch das Team soll vergrößert werden: In fünf Jahren wollen die Chefs die Anzahl ihrer Mitarbeiter von zehn auf zwanzig verdoppeln. Das wäre in der Leitersprache schon mal personaltechnisch ein sicherer Aufstieg.

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