Kinotipps

Kino-Kontraste: die Horror-Axt und ein Appell gegen Gewalt

Zitateschatz für King- und Kubrick Fans: Ewan McGregor als Danny Torrance, einst der kleine Junge in „Shining“, in einer „Doctor Sleeps Erwachen".

Zitateschatz für King- und Kubrick Fans: Ewan McGregor als Danny Torrance, einst der kleine Junge in „Shining“, in einer „Doctor Sleeps Erwachen".

Foto: Warner Bros

Oberhausen.  Exklusiv zeigen Lichtburg und Zonta-Club den Berlinale-Eröffnungsfilm „The Kindness of Strangers“. Die „Shining“-Fortsetzung kann nur enttäuschen.

Eine schräge Krimikomödie von typischer französischer Rasanz, dazu die Verfilmung eines der weniger geliebten Remakes aus Stephen Kings bluttriefender Feder – und ein Beitrag zur Kampagne „Zonta says no“, die Gewalt gegen Frauen geißelt: Das ergibt eine Kinowoche der Kontraste.

„Doktor Schlummer“ fehlt Kubricks subtiler Horror

Nur am Montag, 25. November, zeigt die Lichtburg mit dem Zonta Club Oberhausen als Preview den Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale „The Kindness of Strangers“ von Lone Scherfig. Die dänische Autorin und Regisseurin erzählt eine Geschichte von vier Menschen, die im New Yorker Winter allesamt ihre größte Lebenskrise meistern müssen: Da gibt es die junge Mutter Clara, die vor ihrem Ehemann flüchtet und dafür mit ihren zwei Söhnen nach New York geht, da der Polizist sie misshandelt. Als jedoch ihr Auto beschlagnahmt wird, müssen sich Clara und ihre Söhne der Realität des Straßenlebens stellen. Die schüchterne Krankenschwester Alice arbeitet in der Notaufnahme und hat ihre Berufung in einer Therapiegruppe gefunden. Marc, gerade aus der Haft im Gefängnis entlassen, wird nun von Timofey, dem Inhaber eines Restaurants und Enkel russischer Einwanderer, zum Restaurantleiter ernannt. Jeff hingegen braucht dringend einen Job; und der Rechtsanwalt John Peter hat zwar hohe ethische Ansprüche, doch ein geringes Selbstwertgefühl.

„Doctor Sleeps Erwachen“ mit Ewan McGregor in der Hauptrolle folgt der nach Jahrzehnten von Stephen King zu Papier gebrachten Fortsetzung von „Shining“. Danny Torrance, der telepathisch begabte Sohn des verrückten Jack, ist nun ein erwachsener Mann, ausgebrannt von Jahren des Drogenmissbrauchs. In einem Hospiz nutzt Danny seine besondere Kraft, um Sterbende kurz vor ihrem Tod zu trösten. Und er muss antreten gegen die finstere Sekte „Der wahre Knoten“, die seherisch begabte Menschen mordet. Bei einer derart aufgedunsenen Handlung ist – leider – der eher subtile Horror eines Stanley Kubrick kaum zu erwarten. „Doktor Schlummer“ erwacht in der Lichtburg täglich um 17.45 Uhr und 20.30 Uhr.

Romantik plus makabre Situationskomik

Bereits in der zweiten Woche präsentiert das Kino im Walzenlager jeweils um 20 Uhr „Lieber Antoine als gar keinen Ärger“ von Pierre Salvadori. In einem Städtchen an der Riviera lebt die junge Kommissarin Yvonne. Sie ist die Witwe des örtlichen Polizeichefs Santi, der in der Gegend als Inbegriff von Recht und Ordnung gilt. Nach seinem Tod erlebt Yvonne eine böse Überraschung, denn seine Tugendhaftigkeit war nicht so makellos wie sein monumentales Denkmal im Ortskern suggeriert. Tatsächlich war Santi tief in der südfranzösischen Unterwelt verstrickt und schickte einst den unschuldigen Antoine für acht Jahre ins Gefängnis. Als Antoine endlich auf freien Fuß gesetzt wird, möchte Yvonne dem sichtlich ramponierten und verwirrten Mann helfen, neues Glück zu finden – natürlich ohne ihre Identität preiszugeben. Regisseur Pierre Salvadori zeigt, was das französische Kino ausmacht: Romantik plus makabre Situationskomik plus zündende Schauspielkunst ergibt Komödienkino mit einer ganz eigenen Handschrift.

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