Handwerkermarkt

Menschen mit Handicaps stellen ihr Können unter Beweis

Mitglieder des Pfadfinderstammes Heinrich Seuse sorgen am Samstagabend bei den Novemberlichtern für musikalische Unterhaltung.

Mitglieder des Pfadfinderstammes Heinrich Seuse sorgen am Samstagabend bei den Novemberlichtern für musikalische Unterhaltung.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Für ihre Hand- und Bastelarbeiten geben andere Leute sogar Geld aus. Eine wertvolle Erfahrung für benachteiligte Menschen beim Handwerkermarkt.

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Novemberlichter nennt sich der Handwerkermarkt vor der Adventszeit, den die Caritas Oberhausen seit ein paar Jahren auf dem Hof des Zentrums Altenberg veranstaltet. Er lockte auch am Wochenende zahlreiche Besucher an, vor allem am Sonntag, als der Familientag bei strahlendem Sonnenschein zum Besuch einlud.

Da mischte sich nämlich ein Zauberer in schwarzem Anzug, rotem Hemd und prächtigem Zylinderhut unter das Publikum, ließ zum Beispiel vor den erstaunten Blicken eines kleinen Mädchens ein rosarotes Tüchlein unwiederbringlich in seiner großen Faust verschwinden. Jeannine Butenschön stand wenige Meter entfernt am Stand vom Caritas-Förderverein Claudia. Sie machte gerade Pause beim Basteln mit Pfeifenreinigern, die es in bunten Farben und funkelnden Ausführungen gibt. „Für das Basteln mit Kindern sind Pfeifenreiniger zur Zeit der Renner“, erklärte sie.

Offene Feuerstellen zum Aufwärmen

Heide Königsmann aus dem Schladviertel ließ sich an einem der Stehtische eine Bratwurst schmecken. „Ich habe den Markt schon besucht, als er noch an der Beethovenstraße in Sterkrade stattfand“, berichtete die Großmutter. Zum Familientag hatte sie ihren fünfjährigen Enkel mitgebracht, um ihre Tochter daheim mit den kleinen Zwillingen etwas zu entlasten. „Ich habe mir eine Garten-Deko zurücklegen lassen und der Kleine brät sich gleich ein Stockbrot über dem offenen Feuer“, sagte sie.

Diese offenen Feuerstellen waren schon am Samstagabend zum Aufwärmen bei den Besucherinnen und Besuchern beliebt, als der Markt mit seiner vielfältigen Beleuchtung seinem Namen gerecht wurde. So war auf den Pflastersteinen ein großer Stein aus Grablichtern aufgebaut. Zwei Schwestern aus Oberhausen und Köln hatten sich dort verabredet, um das Konzert des Sängers und Liedermachers Andreas Kürschner zu besuchen. Vor Beginn schlenderten sie an den Ständen des Marktes entlang und tranken jede von ihnen an einer der Feuerstellen einen Becher mit Glühwein.

Das ganze Jahr über wird dafür gearbeitet

„Wir machen das ja hier ja eigentlich, damit unsere Klienten erfahren, dass es Menschen gibt, die ihre Handarbeiten so schätzen, dass sie bereit sind, dafür Geld auszugeben“, erklärte Oliver Busse. Er ist bei der Caritas für jene Einrichtungen zuständig, die es Menschen in schwierigen Lebenslagen ermöglichen, ihrem Tagesablauf eine feste Struktur zu geben.

Eine solche Einrichtung ist die Ergotherapeutische Werkstatt an der Hertastraße in Osterfeld. An ihrem Stand wurden Arbeiten mit Holz und aus Ton angeboten. Dort ist Valeria Giunta als Ergotherapeutin beschäftigt. „Wir bieten Menschen mit psychischen Erkrankungen oder geistiger Behinderung ein niederschwelliges Beschäftigungsangebot“, erklärte sie. Das ganze Jahr über werde an den Gegenständen für die Novemberlichter gearbeitet und zwar so, dass die Einzelnen dabei ihre Stärken und Fähigkeiten einsetzen könnten.

Ablenkung vom Alltag

Ich sitze ja sonst nur meiner Wohnung und meine Gedanken kreisen dauernd um meine Erkrankung“, erklärte ein Klient, der gerade vom Stand von Schloss Bellinghoven bei Rees, einer Ausbildungsstätte für junge Menschen mit psychischen Erkrankungen, hinüber zum Stand der Ergotherapeutischen Werkstatt. Die Verkaufserlöse des Marktes fließen an die einzelnen Einrichtungen zurück.

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