Oberhausens Partnerstadt

Neue Regierung verspricht Freihafen für Middlesbrough

Die verlässlichste Jobmaschine für Middlesbrough war während der letzten Jahre die Teesside University, hier mit dem neuen Hörsaalgebäude „The Curve“. Millionen-Investitionen folgen bis in die 2020er Jahre.

Die verlässlichste Jobmaschine für Middlesbrough war während der letzten Jahre die Teesside University, hier mit dem neuen Hörsaalgebäude „The Curve“. Millionen-Investitionen folgen bis in die 2020er Jahre.

Foto: Teesside University

Oberhausen/Middlesbrough.  Der Städteverbund Tees Valley will den „Rostgürtel“ am Fluss in Oberhausens nordenglischer Partnerstadt in eine Jobmaschine verwandeln.

Seitdem die Bürger von Middlesbrough mit bis zu 83 Prozent EU-Ablehnung für den Brexit stimmten, entdeckten auch die Hauptstadt-Journalisten und internationale Korrespondenten Oberhausens nordenglische Partnerstadt für Stimmungsbilder aus dem deindustrialisierten „Rostgürtel“ Großbritanniens. Den Begriff benutzt auch Joshua Posaner, Autor für das junge US-Medium „Politico“. Doch er verheißt baldige Besserung.

Ein gigantischer, städteübergreifender Freihafen für die Teesside genannte Region soll sich zur hochtourigen Jobmaschine entwickeln. „Tausende von hochqualifizierten Jobs für zurückgelassene Gebiete“, versprach der konservative Premier und wild entschlossene Brexiteer Boris Johnson vor der Tür von Downing Street 10. Und Elizabeth Truss, neu ernannte Staatssekretärin für internationalen Handel, nahm sogar die 350 Kilometer nordwärts aus London auf sich, um das Versprechen zu konkretisieren: Sie sprach vom „weltweit fortschrittlichsten Freihafen-Modell“, das für bis zu zehn englische Küstenstädte den Aufschwung bringen soll.

20-minütige Zugfahrt durch Endzeit-Kulissen

Propagandist des vollmundig verkündeten Konzepts in der bisher Labour-dominierten Region ist der junge konservative Bürgermeister (Mayor) von Tees Valley, dem Verbund der fünf Städte am Unterlauf des gleichnamigen Flusses. In der Mitte: Middlesbrough. Der 32-jährige Ben Houchen tönt auf seiner Webseite zum Luftbild eines rostenden Stahlwerks: „Große Dinge kommen!“ Konkret, so jedenfalls hat Korrespondent Joshua Posaner Maß genommen, bedeckt die Industriebrache des avisierten Freihafens die sechsfache Fläche des Bankenbezirks in der City of London.

In der Europäischen Union gibt es 80 Freihandelszonen; in Großbritannien schloss der letzte Freihafen 2012. Die Tees Valley-Region hätte einen Erfolg dringend nötig: Als Kurztrip durch Endzeit-Kulissen beschreibt der „Politico“-Korrespondent die 20-minütige Zugfahrt von Thornaby „durch den ruinösen Hauptbahnhof von Middlesbrough“ nach Redcar. Dort hatte 2015 ein weiteres Stahlwerk dichtgemacht, gingen weitere 3000 Jobs verloren.

Die Erschließungskosten bleiben ungenannt

Auf die Rückkehr der Industrie-Arbeitsplätze setzt der alerte Ben Houchen und verheißt 37.000 Jobs in den nächsten 20 Jahren. Dem Nordosten Englands fehlen öffentliche Investitionen, erkennt auch Korrespondent Posaner. Was es kosten wird, einen industriellen Rostgürtel erschließungsreif herzurichten, beziffert sein konservativer Gesprächspartner nicht. Im Ruhrgebiet dürfte man eine genauere Vorstellung davon haben.

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