Musik-Kabarett

Nostalgie und neue Härte in Timm Beckmanns Konzert-„Liga“

„Falsche Wimpern, echte Musik“: Die Zucchini Sistaz bürgen für farbenfrohe Auftritte im Look und Sound der Swing-Ära.

„Falsche Wimpern, echte Musik“: Die Zucchini Sistaz bürgen für farbenfrohe Auftritte im Look und Sound der Swing-Ära.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Zum zweiten Mal gastiert die „Liga der außergewöhnlichem Musiker“ am 18. September mit köstlichem Crossover von Klassik bis Rock im Ebertbad.

Wenn sechs klassisch geschulte Musiker der Essener Philharmonie seit nun mehr als drei Jahren dabei bleiben – dann sprengt dieser Erfolg in soziokulturellen Zentren und auf Kabarett-Brettln alle Maßstäbe eines schwarzbefrackten Klassik-„Events“. Auch mit ihrem zweiten Auftritt im Ebertbad am Mittwoch, 18. September, um 20 Uhr beweist die „Liga der außergewöhnlichen Musiker“ die Größe der Kleinkunst.

Timm Beckmann hat mit seiner Begegnung von Musikkabarett und Klassik ein Format begründet, das ganz neue Synergien erschließt zwischen dem Frack-und-Abendkleid-Genre und den vermeintlich legereren Kollegen. Seit März 2016 war die Essener Zeche Carl, ein soziokulturelles Zentrum alter Schule, das Stamm-Domizil dieser einzigartigen „Liga“.

Nach der Carnegie Hall in die Badeanstalt

Timm Beckmann hat in seiner Karriere als Wortartist und Flügelspieler schon viele Crossover-Varianten erprobt – durchaus mit nachklingendem Erfolg. So hinterließ das Duo „Weber und Beckmann“ mit der 2012 jung verstorbenen Christiane Weber sechs Chanson-Alben mit sinnlich-verspielten Texten. Im Gespann „Beckmann – Griess“ mit dem Rockgitarristen Markus Griess donnerten sowohl die Saiten als auch die Tasten. Für das zweite Gastspiel im Ebertbad sicherte sich der Impresario in schickem Schwarz – neben den längst bewährten Kräften von der Essener Philharmonie – wieder ein Aufgebot der Kontraste.

Große Klassik in kleiner Besetzung – dafür steht in der überlieferten Kammermusik das Klaviertrio: Hier verbinden sich sinfonische Dichte und Wucht mit der Intimität eines Solo-Rezitals. Das Morgenstern Trio repräsentiert also an diesem „Liga“-Abend die „ernste“ Seite – sollte man erwarten bei einem Ensemble, das schon in der Carnegie Hall aufspielte, aber ausdrücklich auch die kleinen Säle wertschätzt.

Als Frank Sinatra noch Pop war

Die „Zucchini Sistaz“ treiben’s ungleich bunter: Das gilt nicht nur für ihre farbenfrohen Outfits und Make-ups – getreu dem Motto „falsche Wimpern, echte Musik“. Ihr (im Vergleich zum Klaviertrio) „jugendliches“ Repertoire stammt aus der Zeit, als Frank Sinatra noch Pop war: So servieren die Zucchini Sistaz saftigen Swing für Gitarre, Kontrabass und Posaune zu dreistimmigem Gesang.

Last, not least, steht das Berliner Quintett „Onair“ seit sieben Jahren für „Crossover“ im besten Beckmann’schen Sinn: A cappella starteten die Fünf ganz traditionsverbunden mit „Wenn ich ein Vöglein wär“ – und landeten in kürzester Frist bei Rammsteins neuer deutscher Härte. Die flatterhaften Gesangskünstler wären schon für sich alleine den „Liga“-Kartenpreis wert.

Karten gibt’s ab 19,60 Euro, online ebertbad.de

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