Kinderbetreuung

Oberhausen: Kita wird an großer Verkehrs-Kreuzung entstehen

Auf dem Grundstück an der Lindnerstraße 120 in Buschhausen (Kreuzung Buschhausener Straße) soll eine Kindertagesstätte für rund 115 Kinder entstehen.

Auf dem Grundstück an der Lindnerstraße 120 in Buschhausen (Kreuzung Buschhausener Straße) soll eine Kindertagesstätte für rund 115 Kinder entstehen.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der Druck, Kita-Plätze zu schaffen, ist in Oberhausen groß. Nun werden auch Grundstücke bebaut, die zuvor als nicht geeignet bewertet wurden.

Auf dem Grundstück an der Lindnerstraße 120 in Oberhausen-Buschhausen wird ein Investor eine neue Kindertagesstätte bauen. Insgesamt 114 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren und für Drei- bis Sechsjährige sollen hier entstehen. Ein örtlicher Träger hat sich nicht für die neue Einrichtung gefunden, in der die Kinder in sechs Gruppen betreut werden sollen. Die „Fröbel Bildung und Erziehung gGmbH“ wird die Kita betreiben. Der Jugendhilfeausschuss stimmte den Plänen mehrheitlich zu. Allerdings geriet der Standort des großen Kindergartens in den Fokus.

Kindgerechter Standort

Denn der befindet sich in unmittelbarer Nähe zur verkehrsreichen Kreuzung Lindner- und Buschhausener Straße sowie in der Nachbarschaft von Gewerbegebieten und Stoag-Betriebshof. Ist das kindgerecht? Ulrich Real (SPD) verwies darauf, dass vor rund einem Jahr die Stadt öffentlich das Grundstück als nicht geeignet für eine Kita bewertet habe. „Was hat hier zum Paradigmenwechsel geführt?“, wollte Real wissen. „Subjektiv betrachtet wäre der Standort auch aus meiner Sicht nicht geeignet.“

Hohes Verkehrsaufkommen

In der Tat hatte im Januar 2019 der Eigentümer des Grundstücks per Leserbrief in der WAZ-Ausgabe Oberhausen darauf hingewiesen, dass er die Fläche verkaufen und ein Investor dort eine Kita bauen wolle, die Stadt aber abgelehnt habe. In der Folge begründete die damalige Beigeordnete für Familie, Bildung und Soziales, Elke Münich, die Ablehnung: Der Bereich Regional-, Stadt- und Quartiersplanung im Rathaus habe das Grundstück 2018 geprüft: Es wurde „aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens als nicht geeignet für eine Kindertageseinrichtung eingestuft und verworfen“.

„Man kann seine Meinung wegen Sachzwängen ändern“, sagte Regina Scholz, Leiterin des Fachbereichs Planung im Dezernat Kinder, Jugend, Familie. Der Druck, neue Kita-Plätze in Oberhausen zu schaffen, ist groß. Wie berichtet, konnten im August 2019 rund 1000 Kinder, deren Eltern Betreuungsbedarf angemeldet hatten, nicht versorgt werden. Auch im kommenden Kitajahr 2020/21 plant die Stadt mit Notgruppen, werden wieder mindestens rund 250 Plätze fehlen.

Alles zugebaut in Mitte und Styrum

Die Stadt bemüht sich intensiv um den Ausbau der Betreuungslandschaft. Städtische Kitas werden erweitert, über das Investorenmodell sind neue Kitas in Planung. In Oberhausen-Mitte und Styrum ist der Bedarf an Betreuungsplätzen groß und gerade dort sei „tatsächlich alles zugebaut. Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dort weitere freie Flächen zu finden“, sagte Regina Scholz in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Der Standort an der Lindnerstraße sei für Eltern aus Buschhausen, Sterkrade sowie Mitte / Styrum und Alstaden / Lirich gleichermaßen gut zu erreichen. Die Architektur der Einrichtung plane der Investor, AL Kita Bau GmbH so, „dass das Geschehen nach hinten verlagert wird“.

Waldrandlagen erwünscht

„Wir wünschen uns ja alle Waldrandlagen für Kitas“, sagte Sebastian Girrullis. Der Grünen-Politiker verwies auf den dringenden Bedarf: „Wir können es uns nicht erlauben, eine sechsgruppige Einrichtung nicht zu bauen, damit wir möglichst schnell wieder einen Schritt weiterkommen in der Bedarfsdeckung.“

Geplant ist, dass der Investor Ende Februar den Bauantrag einreicht. Frühestens Ende Juli 2021 könnte die Kita fertig gebaut sein, so dass sie im Kitajahr 2021/22 den Betrieb aufnehmen könnte. Der Jugendhilfeausschuss stimmte dem schlussendlich mehrheitlich zu. Gegen die Stimme der Linken Liste: Norbert Müller kritisierte die „Privatisierung der Bildungslandschaft“, weil der bundesweit agierende „Bildungskonzern“ Fröbel der Träger werde. Da es sich um einen anerkannten Träger der Jugendhilfe handele, könne die Stadt die gemeinnützige Gesellschaft gar nicht ablehnen, erklärte Regina Scholz. Die örtlichen Träger hätten das erste Zugriffsrecht gehabt, aber kein Interesse gezeigt.

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