Schulveranstaltung

Aufruf zur Europawahl beim Polittalk in Oberhausen

Die Politiker Niema Movassat (Die Linke), Terry Reintke (Grüne), Jens Geier (SPD), Moritz Körner (FDP) und Guido Reil (AfD)

Die Politiker Niema Movassat (Die Linke), Terry Reintke (Grüne), Jens Geier (SPD), Moritz Körner (FDP) und Guido Reil (AfD)

Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Brexit, Urheberrechtsreform, Re-Nationalisierung. Beim Polittalk am Bertha-von-Suttner-Gymnasium diskutierten Politiker mit Schülern über Europa.

Brexit, Urheberrechtsreform, Re-Nationalisierung – große Fragen, die derzeit die Europäische Union beschäftigen und an denen sich nicht nur Europapolitiker die Zähne ausbeißen. Kurz vor der nächsten Europawahl am 26. Mai ließen es sich die Europaabgeordneten Jens Geier (SPD), Dennis Radtke (CDU) und Terry Reintke (Grüne) nicht nehmen, zusammen mit den Europawahlkandidaten Moritz Körner (FDP), Guido Reil (AfD) und dem Bundestagsmitglied Niema Movassat (Die Linke) vor mehr als 300 Oberstufenschülern darüber zu diskutieren. Über Fragen, die vor allem junge Menschen beschäftigen.

Applaus für Europaparlamentarier

Beim Polittalk am Bertha-von-Suttner-Gymnasium ernteten vor allem die drei amtierenden Europaparlamentarier Applaus, die gegen die umstrittene europäische Urheberrechtsreform gestimmt und sich damit gegen die „Upload-Filter“ ausgesprochen haben. Ein Instrument, das droht, das freie Internet zu gefährden. Den Vorwurf, den ein Schüler vortrug, der Protest von Millionen Menschen sei von den Parlamentariern ignoriert und zugunsten der Verlage entschieden worden, wies Jens Geier entschieden zurück. „Wir haben bei der Debatte hochmobilisierte Interessenlagen erlebt, das war kein David gegen Goliath. Verlage und Internetplattformen haben hier mit harten Bandagen gekämpft.“ Am Ende entscheide ein Parlamentarier immer noch allein. Moritz Körner ergänzte: „Das war eine schlechte politische Entscheidung. Sie als un­demokratisch abzutun, spielt nur den Populisten in die Hände.“

Die Schülervertreter Sven Versteegen und Leon Wottka führten durch die Veranstaltung und stellten im ersten Teil noch selbst die Fragen. Dabei wurde schnell klar, dass sich Europa am Scheideweg befindet: Großbritannien will als erster Mitgliedstaat aus der EU austreten, Polen und Ungarn unterminieren die Rechtsstaatlichkeit, viele Regierungen rücken nach rechts und ziehen sich ins Nationale zurück, so das Bild, das die Podiumsgäste von Europa zeichneten.

Grüne kommen bei Schülern an

Terry Reintke unterstrich deshalb die Wichtigkeit einer Europäischen

Union, die bereit ist, Kompromisse zu machen. „Wir brauchen ein vereintes Europa, weil wir die Probleme der Zukunft nur gemeinsam lösen können. Deutschland alleine kann den Klimawandel nicht aufhalten“, sagte sie auch mit Blick auf die Schülerproteste für den Klimaschutz.

Die 31-jährige Grünen-Politikerin, die einige Jahre in Oberhausen gelebt hat, kam mit ihren Beiträgen wohl am besten bei der Schülerschaft an. Immer wieder rief sie dazu auf, sich an den Europawahlen zu beteiligen – auch wenn dies vor allem die Zwölftklässler sein werden, die gerade 18 geworden sind –: „Die Europäische Union ist, was wir am Ende daraus machen.“

Für Kopfschütteln und vermehrte Lacher sorgten die Redebeiträge von AfD-Mann Guido Reil. Die unbegründete These, Kanzlerin Merkel sei Schuld am Brexit, kassierten die übrigen Diskutanten mit sachlichen Argumenten. Den „Schulschwänzern“ riet er dann noch, auf Netflix zu verzichten, wenn sie wirklich was für die Umwelt tun wollten. Der Dienst fresse so viel Strom wie ganz Russland.

>>>Info: Schüler stimmten ab

Die Schüler konnten wie bei einer Europawahl für eine Partei abstimmen. Hier die Ergebnisse vor und nach der Diskussion. Besonders die Grünen legten am Ende deutlich zu.

Vorher: SPD 28 %, CDU 7 %, Grüne 17 %, FDP 9 %, AfD 5 %, Linke 10 %.

Nachher: SPD 26 %, Linke 4,5 %, Grüne 40,1 %, AfD 4,5 %, FDP 13,7 %, CDU 1,7 %.

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