Ratssaal-Umbau

Oberhausen will farbige Stuckdecke im Ratssaal restaurieren

Die ursprüngliche Decke im Ratssaal des Rathauses Oberhausen soll nach Willen von Denkmalschützern und Politikern renoviert werden.

Die ursprüngliche Decke im Ratssaal des Rathauses Oberhausen soll nach Willen von Denkmalschützern und Politikern renoviert werden.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Oberhausen will die bis vor kurzem verdeckte alte historische Decke im Ratssaal erhalten. Dafür muss allerdings ein anderes Kunstwerk weichen.

Oberhausener Politiker, Fachleute und Denkmalschützer sind nun doch fest entschlossen, die alte Decke im Ratssaal des Ende der 1920er Jahre errichteten Rathauses im backstein-expressionistischen Stil wieder vollständig im Original-Zustand zu restaurieren. Allerdings ist noch völlig unklar, wie teuer diese aufwendige Reparatur wird.

Oberbürgermeister Daniel Schranz legte dem Hauptausschuss des Rates jetzt einen Werkstattbericht mit den ersten Ergebnissen des Arbeitskreises „Umbau Ratssaal“ vor. In der politischen Sommerpause hatten Bauarbeiter die abgehängte Decke aus Platten der 50er Jahre entfernt, um die ursprüngliche dreidimensionale Konstruktion des berühmten Rathaus-Architekten Ludwig Freitag zum Vorschein zu bringen.

Beim Anblick der bedauerlicherweise zu 40 Prozent zerstörten Decke gerieten nicht nur die Denkmalschützer ins Schwärmen. „Die Decke ist eine außerordentliche Stuckdecke, die es so kein zweites Mal gibt“, gab Schranz die Einschätzung der Stilexperten wieder. „Die Gestaltung der Rathaus-Fassade wird aufgenommen, in dem diese mit Hilfe der Deckengestaltung in den Raum hineingezogen wird.“ Restauratoren hätten versichert, dass die Decke trotz ihrer Zerstörungen durch Einbauten komplett wieder herstellbar sei.

So entschied der zuständige Arbeitskreis, die alte Decke bei der angestrebten technischen Ertüchtigung des Ratssaals zu erhalten – dabei sollen die nur rudimentär erkennbaren Farben Perlmausgrau, Fernblau und Graubraun erneuert und in Teilen das Schlagaluminium mit warmen Silber-Farbton eingesetzt werden.

Anderes Kunstwerk muss weichen

Leider muss bei aller Freude über die historische Decke ein anderes Kunstwerk weichen: Der Wandfries des Oberhausener Künstlers Walter Mawick von 1958 mit markanten Ansichten aus der Stadtgeschichte in heiteren Pastellfarben. Jetzt ist dieser Fries an einer Längs- und einer Querseite oben direkt an der Decke befestigt – und beißt sich nach Ansicht der Kenner mit ihr farblich und gestalterisch. Nun sollen Fachleute überlegen, wo man künftig den Mawick-Fries präsentiert – im Technischen Rathaus, in der Luise-Albertz-Halle oder im künftigen Sozial-Gebäude an der Essener Straße.

Als nächstes soll nun ein auf Modernisierungen in historischen Gebäuden spezialisierter Architekt beauftragt werden, den Ratssaal trotz aller Begeisterung für alte Decken so herzurichten, dass trotzdem alle modernen Ansprüche an Technik, Raumtemperatur, Raumluft und Zugang für Behinderte erfüllt werden. Abspecken will man die Wünsche an einen funktionstüchtigeren Ratssaal vorerst nicht.

Aus Sicherheitsgründen mit Netz

In der Zwischenzeit tagen Rat und Ausschüsse im Saal unter der kaputten historischen Decke, die aber aus Sicherheitsgründen mit Netz und Folie versehen wurde. So soll verhindert werden, dass die Ratspolitiker bei ihren Sitzungen zu viel Angst haben. „Sie müssen hier nicht befürchten, dass Ihnen hier die Decke auf den Kopf fallen kann – so wie bei Asterix und Obelix die Gallier beim Anblick des Himmels“, beruhigte Oberbürgermeister Daniel Schranz die Mitglieder des Hauptausschusses am Montag.

Ohnehin werden so schnell Bauarbeiter nicht durch den Saal huschen: Erst muss der Facharchitekt klären, was an Modernisierung möglich ist, danach wird erst ein Zeitplan für die Bauarbeiten erstellt. Dass alles so lange dauert, ist vielleicht gar nicht so schlecht: Erst nach der Kommunalwahl Mitte September 2020 wird man wissen, wie viele Ratspolitiker in den Saal einziehen werden – und wie viele Stühle man benötigt. Durch Überhangmandate kann der künftige Rat viel größer werden als bisher. Heute arbeiten dort 60 gewählte Lokalpolitiker.

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