Erinnerungskultur

Schmierereien von Oberhausener Weltkriegsdenkmal entfernt

Keine Spur mehr von der Farbattacke: Hartmut Schmidt, Geschäftsführer der OGM (li.) und Peter Klunk, Vorsitzender des Bürgervereins Alstaden, vor dem gereinigten Weltkriegsdenkmal im Ruhrpark in Oberhausen.

Keine Spur mehr von der Farbattacke: Hartmut Schmidt, Geschäftsführer der OGM (li.) und Peter Klunk, Vorsitzender des Bürgervereins Alstaden, vor dem gereinigten Weltkriegsdenkmal im Ruhrpark in Oberhausen.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Keine Spur mehr von der Farbattacke am Weltkriegsdenkmal in Oberhausen-Alstaden. Doch die Debatte um historische Erinnerungsorte hallt nach.

Das Ehrenmal im Ruhrpark hat seine ursprüngliche Farbe wieder. Die roten Schmierereien sind von dem Steinquader entfernt, der an die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege erinnert, genauso wie die politischen Parolen um die Backsteinmauern ringsum.

Mit Sandstrahlern beseitigten Mitarbeiter im Auftrag der Stadttochter Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) am Donnerstag, 17. Oktober, die Verschmutzungen an der Gedenkstätte in Alstaden, die offenbar von Anhängern der antifaschistischen Szene verursacht worden waren. Losungen wie „Antifa Area“ und „Fight Nazi Scum“ (dt „Bekämpft den Nazi-Abschaum“) waren in weißer Graffiti-Schrift zu lesen.

Bekenntnisse des Täters kursieren im Netz

„Es gibt im Internet ein klares Bekenntnis zu der Tat. Wir werden der Person die entsprechenden Kosten für die Säuberung in Rechnung stellen“, sagt OGM-Geschäftsführer Hartmut Schmidt, der die schnelle Reinigungsaktion veranlasst hatte. Noch laufen die polizeilichen Ermittlungen.

Am vergangenen Samstag, 12. Oktober, hatten 20 Mitglieder der rechtsextremen Kleinpartei „Die Rechte“ einen Kranz an der Gedenkstätte niedergelegt. Etwa 50 Gegendemonstranten protestierten gegen den ideologischen Missbrauch des Ehrenmals. Bereits in der Nacht zuvor war das Areal verunreinigt worden.

Diskussion über Erinnerungskultur ausgelöst

Die Aktion hallte in der vergangenen Woche nach und löste eine Debatte über den Umgang mit dem Kriegsdenkmal und der Bedeutung von Erinnerungsorten in Oberhausen aus. Zahlreiche Stimmen der Stadtgesellschaft meldeten sich zu Wort.

Nachdem die SPD-Jugendpartei Jusos einen Abriss und die Linke eine Veränderung des Gedenkortes gefordert hatten, reagierte darauf der Bürgerring Alstaden, der sich ehrenamtlich um die Denkmalpflege im Ruhrpark kümmert und an der Errichtung des Ehrenmahls vor 65 Jahren beteiligt war, mit einer ausführlichen Stellungnahme.

Bürgerring: Ehrenmal von breitem gesellschaftlichen Konsens getragen

Dabei wies der Bürgerring-Vorsitzende Peter Klunk den Wunsch nach einer Beseitigung, um Neonazis fernzuhalten, entschieden ab und betonte, dass es sich bei dem Ehrenmal um ein Mahnmal handelt, welches die Sinnlosigkeit von Krieg und Zerstörung anmahnt.

Gleichzeitig verwies er auf die historischen Umstände, mit denen das Ehrenmal im Jahr 1954 errichtet wurde – „getragen von einem breiten gesellschaftlichen Konsens“, wie Peter Klunk am Freitag, 18. Oktober, an der gesäuberten Gedenkstätte nochmals betonte.

„Der geschichtliche Kontext und die Rolle, welche dieser Erinnerungsort, an dem Gedenkgottesdienste und Erntedankfeste abgehalten wurden, für die Bewohner des Stadtteils spielt, wird schlichtweg verkannt und ist, wie er von manchen heute gesehen wird, absolut falsch“, meint Klunk.

Linke fordern offene Gesprächsrunde

Die Linke-Liste und die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) fordern nun eine offene Gesprächsrunde zum Umgang mit der Gedenkstätte und schlagen die Gedenkhalle als Veranstaltungsort vor. Die biete mit ihrer Ausstellung „Risse im Stein“ Anknüpfungspunkte, um über das Thema Erinnerungskultur in Oberhausen offen zu diskutieren.

Peter Klunk signalisierte im Namen des Bürgerrings Dialogbereitschaft: „Derzeit liegen von vielen Seiten diverse Vorschläge auf dem Tisch.“ Bevor es allerdings zu einem derartigen Austausch kommt, will Klunk in den nächsten Wochen das Gespräch mit Kulturdezernent Apostolos Tsalastras (SPD) suchen.

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