Service in Arztpraxen

SPD in Oberhausen will Warten auf Arzt angenehmer gestalten

In vielen Arztpraxen müssen Patienten recht lange warten, ehe sie vom Arzt behandelt werden. Die SPD will die Wartezeit der Patienten sinnvoller nutzen.

In vielen Arztpraxen müssen Patienten recht lange warten, ehe sie vom Arzt behandelt werden. Die SPD will die Wartezeit der Patienten sinnvoller nutzen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / WAZ FotoPool

Oberhausen.  In einem Modellversuch in Oberhausen sollen sich Arztpraxen für einen besseren Service zusammenschließen, um volle Wartezimmer zu verhindern.

Die SPD will gleich zwei Probleme mit einer einzigen Idee lösen: Die ärgerlichen Wartezeiten in Arztpraxen sollen für Patienten viel angenehmer verlaufen als bisher, zudem sollen die Stadtbezirke stärker belebt werden. Als Modellort für den breit angelegten Versuch haben die Sozialdemokraten Osterfeld ausgewählt.

Erst wartet man auf einen Termin länger als drei Wochen (laut Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung 32 Prozent), dann muss man sich im Wartezimmer relativ häufig auch noch länger als eine halbe Stunde gedulden, ehe man ins Behandlungszimmer des Arztes eintreten darf (knapp 30 Prozent). „Da gibt es Leute in Oberhausen, die müssen sogar anderthalb Stunden in der Praxis sitzen und stecken sich vielleicht auch noch dort bei anderen Patienten an. Die hocken auf engstem Raum, das Aggressionspotenzial steigt. Und die wenigsten Praxen haben ein Extra-Wartezimmer für Menschen, die an einer Infektion leiden“, hat SPD-Sozialpolitiker Ercan Telli beobachtet – und formuliert selbstbewusst plakativ: „Deshalb haben wir eine innovative Idee entwickelt: Wir wollen ganz Osterfeld zu einem großen Wartezimmer umwandeln.“

Alle Praxen sollen sich im Modell-Stadtbezirk Osterfeld zusammenschalten und ihren Patienten das Angebot machen, dass sie erst einmal in Ruhe einen Kaffee trinken gehen können und rechtzeitig informiert werden, wann sie ins Arztzimmer können. Mit welcher Technik und Software dies geschieht, ist noch unklar und soll nun mit der Kassenärztlichen Vereinigung besprochen werden: Denkbar sind Textnachrichten, App-Meldungen übers Handy, ein Piepser in der Hand oder automatisierte Anrufe.

Rabatte auf eine Tasse Kaffee?

„Wir mindern damit den Stress in den Arztpraxen und zugleich beleben wir Osterfeld“, meint Telli. „Warum sollen nicht auch die Osterfelder Geschäfte zehn Prozent Rabatt für bestimmte Produkte wie Kaffee geben, wenn Patienten bei ihnen warten?“ Die SPD-Ratsfraktion hoffe darauf, dass in einem ersten Schritt zehn bis 15 Ärzte in Osterfeld durch eine Rahmenvereinbarung der Kassenärztlichen Vereinigung bei dem Projekt mitmachen.

Die SPD glaubt, dass die Bereitschaft der Praxenärzte, bei solch einem Projekt mitzumachen, hoch ist. Einige wenige bieten zwar derzeit schon in den Innenstädten des Ruhrgebiets an, dass Patienten bei längeren Wartezeiten noch etwas außerhalb der Praxen erledigen können, doch flächendeckend ist dieser Service noch nicht eingeführt.

Den SPD-Vorstoß sieht Dr. Stephan Becker, Vorsitzender der Oberhausener Kassenärztlichen Vereinigung, allerdings kritisch. „Das ist keine besonders gute Idee, weil viele Praxen eigenständig gut organisiert sind und die Patienten hier nicht lange warten müssen.“ Er glaube nicht, dass an dem Projekt sehr viele Praxen teilnehmen werden. „Wir möchten nicht, dass in die Praxenorganisation von außen reinregiert wird. Viele Anbieter auf dem Markt bieten zwar Geräte und Mitteilungsmöglichkeiten in Fällen mit langen Wartezeiten an, aber die Verfahren haben sich insgesamt nicht durchgesetzt. Wir lösen das lieber individuell: Wenn jemand mal eine Stunde warten müsste, dann empfehlen wir ihm, lieber noch einmal eine Runde spazieren zu gehen.“

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