Musical

Bombastische Show, lasche Story: So ist „Tanz der Vampire“

Musical mit Biss: Filippo Strocchi (Graf von Krolock) und Diana Schnierer (Sarah) spielen die Hauptrollen im Metronom Theater Oberhausen.

Musical mit Biss: Filippo Strocchi (Graf von Krolock) und Diana Schnierer (Sarah) spielen die Hauptrollen im Metronom Theater Oberhausen.

Foto: Stage Entertainment

Oberhausen.  Nach elf Jahren ist das Erfolgsmusical „Tanz der Vampire“ zurück am Metronom-Theater Oberhausen. Es hat nichts von seiner Opulenz eingebüßt.

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Die Vampire bitten wieder zum Tanz. Nach elf Jahren ist das Erfolgsmusical „Tanz der Vampire“ zurück am Metronom-Theater Oberhausen und hat nichts von seinem Bombast eingebüßt: wuchtiger Rocksound, knallige Showeffekte, schaurige Bühnenbilder und im Zentrum ein charismatischer Finsterling. Fünf Monate lang machen die Blutsauger um den noblen Grafen von Krolock nun wieder die Bühne unsicher.

Für manche mag die Gruselnummer ja ein einziges Mash-Up sein. Die Vorlage: die kultige Vampirfilm-Parodie von Regie-Legende Roman Polanski; die Musik: aus der Feder von Jim Steinman, der mit seinem pathetischen Rocksound zeitlose Hits für Meat Loaf und Bonnie Tyler schuf. Sicherlich sind die Hauptzutaten des Stückes nicht unbedingt originell, doch „Tanz der Vampire“ schafft es, daraus eine Rock-Oper zu zaubern, die im Musical-Genre showtechnisch alle Register zieht. Seit seiner Uraufführung 1997 an den Vereinigten Bühnen Wien sahen weltweit mehr als neun Millionen Menschen die Produktion. In Oberhausen dürften nun noch einige dazukommen.

Märchenhaftes Bühnenbild, spielfreudige Darsteller

Bei aller Grufti-Ästhetik und Finsternis ist das „Grusical“ ein Stück für die ganze Familie, das durch seine humorvoll-(selbst)ironische Inszenierung (Buch und Texte: Michael Kunze) eine Menge Spaß macht und viele Schauwerte bietet. So entführt das märchenhafte Bühnenbild von William Dudley die Zuschauer in ein schaurig-schönes wie verschneites Transsylvanien. Dazu blitzt und donnert es und es pusten die Nebelmaschinen, dass es nur so qualmt.

Unheimlich-düster gerät so das Schloss des Grafen, das in seiner Ästhetik eher an die eigenwilligen Gruselstreifen von Tim Burton erinnert als an Polanskis Vampir-Parodie von 1967. Dagegen kommt das Wirtshaus mit seinen knoblauchbehangenen Dorfbewohnern im Zuckerbäcker-Stil daher, wo es gerade wegen der schrulligen Vampirforscher Professor Abronsius (Luc Steegers) und Assistent Alfred (Raphael Groß) Slapstick-artig zugeht.

Die Darsteller können sich auf der dreh- und schwenkbaren Bühne dabei nur so austoben, was der enormen Spielfreude des vampirerfahrenen und insgesamt wunderbar kostümierten Ensembles (Kostüme: Sue Blane) zuträglich ist. Der Italiener Filippo Strocchi mimte den Graf von Krolock bereits in Wien und Berlin, und überzeugt nun auch am Metronom Theater mit Charisma und deutlicher Bühnenpräsenz als blaublütiger Spitzzahn. Neben dem geschmeidigen Bariton, glänzen Diana Schnierer als weibliche Hauptrolle Sarah und auch Anja Backus als Magda vor allem mit ihrer Stimmgewalt, wobei Letztere sich erstaunlich besser, weil rockröhriger, in Steinmans knallende Songs einfügt.

Über allem thront ein Bonnie-Tyler-Hit

Zumal die Chöre sowieso sitzen, ebenso die live dargebotene Steinman’sche Musik. Dirigent Martin Gallery und sein zehnköpfiges Orchester sorgen hier mit Cembalo-Anklängen und satten Gitarren-Riffs für den wahrlich lauten und punktgenauen Soundtrack des Abends. In dessen Mittelpunkt thront die Überballade „Total Eclipse of the Heart“, einst der Comeback-Hit von Bonnie Tyler, hier zum „Sei dabei“ umgetextet.

Den Ohrwurm nimmt man am Ende gerne mit, mehr als die sonst so seichten Balladen von „Tanz der Vampire“. Insgesamt ein gelungenes Ständchen zum 20. Jubiläum des Metronom-Theaters Oberhausen, wenn man die unterkomplexe Story um die verhängnisvolle Vampirjagd mal ausblendet.

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