Gericht

Vier Schachteln Zigaretten geraubt – Frau muss in Haft

Das Amtsgericht Oberhausen verhandelte den Fall am Mittwoch.

Das Amtsgericht Oberhausen verhandelte den Fall am Mittwoch.

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Oberhausen.  Ein Diebstahl von vier Zigarettenschachteln eskalierte in Oberhausen dermaßen, dass die Täterin zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Eigentlich ging es „nur“ um vier Schachteln Zigaretten mit einem Gegenwert von 28 Euro. Die steckte sich eine 30-Jährige im Januar in die Tasche und verließ eine Discounter-Filiale an der Mülheimer/Ecke Schwartzstraße ohne zu zahlen. Doch die Situation eskalierte dermaßen, dass das Amtsgericht die vorbestrafte Frau nun zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilte.

Denn aus dem anfänglichen Diebstahl wurde eine handfeste Schlägerei. Es war gegen 9.20 Uhr, als die Angeklagte an der Kasse stand und nach den Zigaretten verlangte. Die Kassiererin nahm die Schachteln, zog sie über den Scanner und teilte ihrer Kundin den Preis mit. Kurioserweise steckte diese die Zigaretten aber einfach in ihre Umhängetasche und verließ seelenruhig die Filiale. So beschrieb es die Kassiererin bei ihrer Zeugenaussage.

„Das sah aus wie bei Kickboxern“

Sie sei dann hinterher gegangen. Eigentlich habe sie ja die Anweisung, sich bei Ladendiebstählen nicht einzumischen, um sich nicht zu gefährden. „Aber die Kasse stand an diesem Tag in meiner Verantwortung“, erklärte die junge Frau ihr Verhalten. Sie habe nicht damit gerechnet, „dass die Frau so ausrastet“. Nachdem sie versucht habe, die 30-Jährige aufzuhalten, habe die ihr in den Bauch getreten, sie geboxt, gekratzt und geschlagen. „Das sah aus wie bei Kickboxern“, berichtete ein weiterer Zeuge.

So recht erklären konnte die Angeklagte ihr Verhalten vor Gericht nicht. Den Diebstahl gab sie unumwunden zu. Sie könne auch nicht ausschließen, geschlagen zu haben, aber genau erinnern könne sie sich nicht. Womöglich habe es an den Medikamenten gelegen, unter denen sie stand. Die 30-Jährige war zum Zeitpunkt in psychiatrischer Behandlung in einem nahe gelegenen Krankenhaus. Dort hatte sie wegen Suizid-Gedanken Hilfe gesucht.

Keine verminderte Schuldfähigkeit

Die Angeklagte leidet an einer Persönlichkeitsstörung, an schizophrenen Schüben, ausgelöst womöglich durch den Konsum von Cannabis. Das bestätigte ein geladener Sachverständiger. Ihre Medikamente seien zum Tatzeitpunkt aber nicht sehr hoch dosiert, auch Ihre Einsichts- und Steuerfähigkeit sei nicht eingeschränkt gewesen. Man könne weder von einer Schuldunfähigkeit noch von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgehen.

Sie mag unter Druck gestanden haben, weil sie ihre Nikotin-Sucht befriedigen wollte und fürchtete, nicht genug Geld dabei zu haben. Doch das entschuldige die Tat nicht, machte auch das Gericht deutlich. Einem Zeugen, der das Geschehen am Tattag vom Auto aus beobachtet hatte und der Kassierin zu Hilfe eilte, biss die 30-Jährige so stark in den Arm, dass die Zahnabdrücke wochenlang zu sehen waren. Der Biss durch Jeansjacke und Winterpullover verursachte einen großen blauen Fleck, durch den starken Druck kam es auch zu einer kleinen Blutung.

Behandlung in Bedburg-Hau

Das Gericht verurteilte die 30-Jährige schließlich zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Die Strafe fiel auch deshalb so deutlich aus, weil die Angeklagte vorbestraft ist und unter laufender Bewährung steht. Sie habe gar nicht erst den Anschein gemacht, die damaligen Auflagen zu erfüllen, „statt sich bei Ihrem Bewährungshelfer zu melden sind Sie stiften gegangen“, erklärte ihr der Richter.

Derzeit wird die Frau in der LVR-Klinik in Bedburg-Hau behandelt. Doch im August wird sie entlassen – und muss ihre Haftstrafe antreten.

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