Theater Oberhausen

Zwei Trickster erzählen Kindern vom Streichespielen

Ein Musikpavillon vor blauer Himmelskulisse: Auf dieser Bühne beginnen die sieben Abenteuer von „Keloğlan Eulenspiegel“.  

Ein Musikpavillon vor blauer Himmelskulisse: Auf dieser Bühne beginnen die sieben Abenteuer von „Keloğlan Eulenspiegel“.  

Foto: Ronja Hermann / Theater Oberhausen

Oberhausen.  Im Theater Oberhausen finden erstmals die Chaos-Clowns „Keloğlan Eulenspiegel“ auf der Bühne zusammen. Das Märchen gibt’s in 60 Vorstellungen.

Als „Tyll“ in die Schreckenszeit des 30-jährigen Krieges versetzt, hat Romancier Daniel Kehlmann der mittelalterlichen Eulenspiegel-Figur eine neue Aktualität gegeben. Doch in der Regie von Ania Michaelis erzählt „Keloğlan Eulenspiegel“, dieses Bündnis zweier Narren, einige ganz andere, viel freundlichere Geschichten. Am Samstag, 16. November, um 16 Uhr steigt im Großen Haus die Premiere dieser „zu Herzen gehenden Geschichte“, wie Michaelis sagt. 60 weitere Aufführungen sollen folgen.

„Wenn’s gut läuft“, sagt Dramaturgin Romi Domkowsky, „sehen 25.000 Menschen Keloğlan Eulenspiegel“. Dann wären alle 60 Vorstellungen so gut wie ausverkauft. Die 53-jährige Regisseurin weiß natürlich um diesen gewissen Erfolgsdruck. Sie nennt es „eine doppelte Last, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden“ – und zugleich eine Mainstream-fähige Inszenierung abzuliefern. „Das ist eine Reibung, aber die gefällt mir.“ In Deutschland gilt Ania Michaelis als eine Pionierin des „Theaters von Anfang an“ und hatte sich in Oberhausen im vorigen Jahr denn auch mit einem Spiel für Publikum ab anderthalb Jahren vorgestellt: „Dein Name“ bezauberte die ganz Kleinen ebenso wie ihre Eltern und Großeltern.

Der ganze Globus steckt voller „Trickster“-Figuren

So soll es auch mit „Keloğlan Eulenspiegel“ gelingen – auch dies eine Pioniertat: Denn diese beiden Narren – der eine aus dem plattdeutschen Mittelalter, der andere aus der türkisch-osmanischen Überlieferung – finden im Theater Oberhausen wohl erstmals überhaupt auf einer Bühne zusammen. Aber eigentlich steckt der ganze Globus voller „Trickster“-Figuren, die zwischen gut und böse changieren, zwischen lustig und gruselig: Sei es der nordische Gott Loki oder der indianische Coyote. Ania Michaelis zitiert den jungen österreichischen Romancier und Dramatiker Clemens Setz, der vor vier Jahren mit „Till Eulenspiegel – Dreißig Streiche und Narreteien“ eine hochgelobte Nacherzählung vorlegte, Till sei mit seiner Liebe zum Chaos „die freieste Figur der deutschen Literatur“.

Auf der Bühne erzählen sich zwei Schauspielerinnen, vier Schauspieler und drei Musiker zu westöstlichen Klängen frei von Folklore „diese wundersamen Geschichten“, wie die Regisseurin sagt, „wie in einem Roadmovie“. Das ist anfangs puristisch – doch mit jeder Erzählung, verrät Romi Domkowsky, „wird’s immer magischer mit immer mehr Bühnenzauber“. Wie universell diese Geschichten vom Aufbegehren und Streichespielen sind, erfuhr das Theater-Team auch von den interkulturellen Mediatorinnen der ZIB Bildungsoffensive. Ob mit oder ohne Schellenkappe: Figuren wie „Keloğlan Eulenspiegel“ kennt man auch aus kasachischen oder arabischen Märchenstunden. Auch die Kinder aus der 1a der Rolandschule durften das Werden dieser Inszenierung miterleben und waren als Berater gefragt.

Meister des russischen Bewegungstheaters sorgt für Energieschub

„Geschichten haften ihnen an“, sagt Ania Michaelis über das „Keloğlan Eulenspiegel“-Doppel. „Sie sind gar nicht mehr vollständig zu entwirren.“ Sechs überlieferte Abenteuer – basierend auf den Fassungen von Clemens Setz und Kemal Kurt – hat das Ensemble in diese Weihnachtszeit-Produktion aufgenommen plus eine frei erfundene. Und damit der Bühnenzauber noch staunenswerter funkeln kann, zählt auch ein Meister des russischen Bewegungstheaters zum Team: Alexey Krivega sorgt als Choreograf für einen extra Energieschub: tolldreist wie Till. Oder wie Keloğlan.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben