Soziales

Eine Rheinbergerin will Möbel vor dem Bordstein retten

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Yvonne Schneider aus Rheinberg-Millingen kauft Gebrauchtmöbel und lässt sie in ihrer kleinen Werkstatt in neuem (Farb-) Glanz erstrahlen.

Yvonne Schneider aus Rheinberg-Millingen kauft Gebrauchtmöbel und lässt sie in ihrer kleinen Werkstatt in neuem (Farb-) Glanz erstrahlen.

Foto: Prokofev

Rheinberg.  Yvonne Schneider aus Rheinberg-Millingen kauft Gebrauchtmöbel und lässt sie in ihrer kleinen Werkstatt in neuem (Farb-) Glanz erstrahlen.

Yvonne Schneider war 14 Jahre alt, als sie zum ersten Mal ein Möbelstück, das sie vom Sperrmüll gerettet hatte, verschönerte: Ein weißes Metallregal strich sie mit Lack in ihrer Lieblingsfarbe an – blau. „Ich habe immer schon einen Schmerz verspürt, wenn Möbelstücke auf dem Bordstein landeten. Es wird generell viel zu viel weggeschmissen, und es ist schön, wenn man Einfluss darauf nehmen kann“, sagt die Rheinbergerin.

Seit rund einem Jahr hübscht die 48-Jährige auch nebenberuflich alte Möbelstücke auf

Seit rund einem Jahr hübscht die 48-Jährige auch nebenberuflich alte Möbelstücke auf. „Für mich ist es Entspannung. Ich habe Spaß daran und kann mich austoben“, sagt die Bürokauffrau. In ihrem Wintergarten in Rheinberg-Millingen steht eine blaue Kommode, mit Blumenmuster und goldenen Ornamenten, in der Ecke eine Vitrine im abgeschliffenen Shabby-Chic-Stil. Und am Fenster lehnt eine Garderobe – frisch in weiß lackiert, für eine Stammkundin.

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Gelernt hat Schneider die Techniken über einen Online-Workshop, YouTube Videos und durch das Ausprobieren. „Bei meinem ersten richtigen Möbelstück wollte ich alle meine Fertigkeiten testen. Ich habe mit Stoff gearbeitet, mit Blumenschablonen. Das war aus heutiger Sicht viel zu viel. Aber die Kommode ging trotzdem weg“, erinnert sie sich. Heute laufe das Geschäft gut, im Schnitt bearbeitet sie jede Woche ein Möbelstück. Über Ebay-Kleinanzeigen kauft Schneider alte Kommoden oder Vitrinen, meistens aus dem Nachlass verstorbener Menschen. Dann schiebt sie Bank und Sessel in ihrem Wintergarten beiseite, packt Pinsel und Kreidefarben aus und beginnt, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen: Vintage, blumig und romantisch könnte man ihren Stil aus Pastelltönen und aufwendigen Verzierungen bezeichnen. Auch Techniken wie das Spachteln oder Abschleifen von Farbe kommen in Schneiders Werkstatt zum Einsatz.

Eine Woche pro Möbelstück

Eine kleine Kommode kostet am Ende etwa 175 Euro, ein größeres Sideboard etwa 300 Euro. Dahinter stecke jeweils eine Woche aufwendige Pinselarbeit. Neben dem Eigenverkauf der Möbel kommen einige Kunden auch mit Aufträgen zu ihr. „Ich freue mich immer, wenn die Leute sich dazu entscheiden, noch etwas aus ihren Möbelstücken zu machen, statt sich Neue zu kaufen“, sagt Schneider. Die meisten Auftragsarbeiten sind schlicht. „Einmal hat ein Mann mich gebeten seinen Dekokamin einfach nur weiß zu lackieren“, sagt die 48-Jährige, „heute kommt aber eine Kundin, die sich auch ein bisschen mehr traut.“ Ein alter Sekretär soll einen mintgrünen Anstrich mit Blumenmuster bekommen, erklärt die 48-Jährige und zeigt eine Skizze mit den Farbverlauf von dunkel- zu hellgrün. „Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute zum Pinsel greifen würden“, sagt Schneider. Ein gut erhaltenes Möbelstück könne nämlich bis zu dreimal neu angestrichen und nach eigenem Geschmack verschönert werden. Und damit auch weit mehr als eine Generation überdauern.

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