Kundgebung

1100 bei Klimastreik in Siegen: Mehr als Schülerproteste

Omas for Future: Längst nicht nur Schüler gehen im Siegerland für das Klima auf die Straße.

Omas for Future: Längst nicht nur Schüler gehen im Siegerland für das Klima auf die Straße.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.  Die Rekordzahl der Teilnehmer überrascht auch die Organisatoren der Klimademo von Fridays for Future Siegen. Nächste Kundgebung zum Klimanotstand

Rund 1100 Teilnehmer sind laut Angaben der Polizei am Freitag dem internationalen Aufruf zum Klimastreik gefolgt und haben an zentraler Demonstration und Kundgebung in Siegen teilgenommen. Die Organisatoren, angemeldet hatten die Veranstaltung Maximilian Langenbeck und Mandana Krämer vom Siegener Fridays for Future-Ableger (FFF), hatten mit 600 Demonstranten gerechnet, gekommen sind fast doppelt so viele.

Die Bandbreite der Teilnehmer zeigt, dass die FFF-Bewegung auch im Siegerland keine reine Schüler-Initiative mehr ist. Kinder im Grundschulalter mit ihren Eltern, Schüler, Studierende, Senioren, aber auch Arbeitnehmer waren dem Aufruf gefolgt. Zu den bisherigen FFF-Kundgebungen in Siegen waren einige hundert Menschen gekommen – die Rekordzahl überraschte auch die Initiatoren des Organisationsteams.

Die jüngsten Teilnehmer sind auch mit die lautesten

Vom Bismarckplatz in Weidenau setzte sich der Zug über Weidenauer und Hagener Straße in Bewegung; nach kurzem Zwischenstopp an der Bluebox und einem Schlenker zum Siegener Hauptbahnhof ging es die Kölner Straße hoch zum Kornmarkt, wo vor dem historischen Rathaus Oberstadt die Abschlusskundgebung stattfand. Die Gemeinde läutete bei der Ankunft der Demonstranten die Glocken der Nikolaikirche und stellte wie viele andere Institutionen und Gruppen auch, kostenlos Verpflegung und Getränke zur Verfügung. Nach der Veranstaltung fand eine gemeinsame Müllsammel-Aktion in Siegen statt.

Zu den jüngsten Teilnehmern gehörten die Schülerinnen und Schüler der Bodelschwingh-Grundschule Kreuztal. Und zu den lautesten. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, skandieren sie unermüdlich. „Wir interessieren uns sehr dafür, dass die Umwelt geschützt wird und dass es den Tieren gut geht“, sagt ein Mädchen. Als sie von der Schulleiterin erfahren hätten, dass die Klimademo stattfindet, seien zu ihrer Lehrerin gegangen und gesagt, dass sie dort mitgehen wollten. Die Schilder haben sie selbst gebastelt, auch wenn manche von ihnen gerade erst Schreiben gelernt haben. Aber darauf kommt es nicht an: „Wir sind selber Schilder für das Klima“, sagt ein Mädchen.

Durchhalte-Appell für die Bewegung: „Seid Sand im Getriebe“

„Fridays for Future ist mehr als demonstrieren“, verwies Maximilian Langenbeck auf das gerade mit weiteren Initiativen gegründete Siegener Klimabündnis, „wir versuchen, den Klimanotstand auf den Weg zu bringen.“ Für die Ratssitzung am Mittwoch, 25. September, ist eine Kundgebung am Geisweider Rathaus angemeldet. „Wir haben einen Katalog mit konkreten Maßnahmen, auf die die Stadt Siegen Einfluss nehmen kann“, so Langenbeck.

Linken-Politiker Ulrich Schloos appellierte an die jüngeren Demonstranten, sich weiter zu engagieren. „Ihr macht vielen Menschen Mut, sich für ein Ziel einzusetzen, das so groß ist, dass es einem schwindelig wird, sagt er. Fahrradstreifen und -boxen seien nicht genug, wenn gleichzeitig immer mehr immer größere Autos durch die Straßen führen. „Die Klimabewegung ist nicht das Öl, sondern der Sand im Getriebe des Systems geworden“, so Schloos – „seid Sand im Getriebe.“

Jörg Hein von Greenpeace Siegen zeigte sich dankbar, dass dank der ursprünglichen Schülerproteste Klimaschutz heute deutlich an Bedeutung gewonnen habe. „Von sowas habe ich seit Jahren geträumt“, so der Umweltlobbyist. Auch er geißelte die Politik dafür, das Thema jahrelang verschlafen zu haben. Mit Blick auf die dramatischen erwarteten Folgen des Klimawandels: „Ein Mittelweg funktioniert nicht. Und es ist völlig egal, was es kostet. Es geht um das Überleben auf diesem Planeten.“

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