Nahverkehr

Busprobleme: Siegener Schulen schlagen Alarm – VWS reagieren

Eine Woche nach der Umstellung der ÖPNV-Fahrpläne haben wir nachgefragt: bei Fahrgästen und Anbieter. 

Eine Woche nach der Umstellung der ÖPNV-Fahrpläne haben wir nachgefragt: bei Fahrgästen und Anbieter. 

Foto: Jens Plaum

Siegen.  Verkehrsbetriebe kontern die Vorwürfe von Schulleitungen und Politik: Häufig Probleme aus dem letzten Schuljahr, die umgehend abgestellt wurden.

Täglich wiederkehrende, „unhaltbare Zustände“ bei der Schülerbeförderung: Fünf Siegener Schulen beklagen massive Probleme im Schulbusverkehr. „Offensichtlich ist, dass die vorgehaltenen Buskapazitäten bei weitem nicht ausreichen. Busfahrer lassen Schüler an den Haltestellen stehen, weil die Busse voll sind“, heißt es in einem Schreiben, das auch alle Mitglieder des Ausschusses für Schul- und Bildungswesen unterzeichnet haben.

Das Busproblem sei seit Monaten ein ernstes Thema, „es war Zeit genug, dass Chaos zu beseitigen“, so die Unterzeichner um Ausschussvorsitzende Eva Bialowons-Sting. Offensichtlich sei, dass die vorgehaltenen Buskapazitäten bei weitem nicht ausreichten, eben weil Schüler wiederholt an den Haltestellen stehen bleiben müssten, weil die Busse voll seien.

Ende August gab es rund 1200 Änderungen im Fahrplan der Verkehrsbetriebe Westfalen Süd (VWS): Damit reagierten VWS und Kreis auch auf die anhalten Absagen von täglich bis zu 150 Fahrten in den vergangenen Monaten, die durch Personalmangel und -ausfälle verursacht waren. Bis Ende des Jahres zunächst soll dieser provisorische Fahrplan gelten.

Die Probleme und Forderungen: Transparenter ÖPNV

Kommunikationsdefizite, Personalmangel, Linienkürzungen, fehlende Anschlussbusse, Haltestellenverlegungen, Baustellen, Busse ohne Zielangabe führen Schulen und Politik an „Das führt zu Ausweichhandlungen mit skurrilen Auswirkungen. Eltern fahren vermehrt ihre Kinder zur Schule, was zu chaotischen Situationen vor den Schulen führt“, heißt es weiter, Schüler würden einen früheren Bus nehmen, um pünktlich zu kommen – mit der Folge, dass die „Schulbuslinie“ dann ziemlich leer unterwegs sei.

Die Schulen schreiben in der Ersten Stunde keine Klausuren mehr. Die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln werde eigentlich durch die Daseinsvorsorge (Gemeindeordnung NRW) gewährleistet und soll die Anbindung aller Räume mittels qualitativ hochwertiger Mobilität garantieren. Der Aufgabenträger habe für die Durchsetzung der versprochenen Qualität zu sorgen. Die öffentliche Hand müsse immer entscheiden, ob und inwieweit die Daseinsvorsorge realisiert wird.

Die Politik – Landrat und Kreistag – und Anbieter – VWS – müssten ihre Verhaltensweisen ändern um den ÖPNV transparenter und übersichtlicher zu gestalte. „Erst dann ist ein effizienter ÖPNV, hinsichtlich guter Versorgung, auch in Siegen möglich.“

Die VWS: Probleme aus dem vergangenen Schuljahr

Die Verkehrsbetriebe Westfalen Süd (VWS) haben auf das Schreiben reagiert und weisen die Beschreibung „chaotisch“ zurück. Wie Betriebsleiter Gerhard Bettermann betont, habe es sich bei den geschilderten Fällen auch um Probleme aus dem vergangenen Schuljahr gehandelt, nach Gesprächen mit den Schulen seien die in dem offenen Brief beschriebenen Missstände in den meisten Fällen bereits behoben worden.

„Es geht uns nicht darum Schuld zurückzuweisen“, sagt Bettermann. Dass aber bei 165 Schulen im Verkehrsgebiet der VWS hier und da mal etwas vorkomme, könne man nie ausschließen, man arbeite jeden Tag daran, dass es so wenig Probleme wie möglich gebe. Von „Chaos“ könne aber keine Rede sein. Wenn es zu Schwierigkeiten komme und statt pauschaler Aussagen konkrete Hinweise vorlägen, reagierten die VWS umgehend, um sie zu beseitigen, bekräftigt der Betriebsleiter.

Die Schulen: Schüler bleiben stehen oder müssen laufen

Das Evau beklagt, dass eine bisher unverzügliche Anreise der Kreuztaler Schüler mit Umstieg in Geisweid nicht mehr funktioniere, weil sie 20 Minuten am Busbahnhof warten müssten. Auch Schüler vom Giersberg berichten von gestrichenen Verbindungen, weil der Gelenkbus durch einen normalen Bus ersetzt wurde, würden Kinder aus Freudenberg an den Haltestellen stehen gelassen. Im Fahrplan der R 10 gab es keinerlei Änderungen, sagt Bettermann.

Vom ZOB fahren die Busse morgens mit bis zu 15 Minuten Verspätung ab, beklagt sich die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, Schüler kämen zu spät. Busse der Linie R17 seien so spät unterwegs, dass ein Umsteigen nicht möglich sei. Fußwege von mehr als 30 Minuten seien die Folge. „Die Verkehrssituation in Siegen lässt leider keine ungehinderte Fahrt zu“, sagt Bettermann mit Verweis auf die wieder angespanntere Lage nach den Sommerferien. Seit Freitag wird ein zusätzliches Fahrzeug eingesetzt. Zudem sei ein Umstieg der R 16 am Heckersberg ursprünglich nicht vorgesehen gewesen, die Kinder seien von dort mit der C107 zur Schule gefahren – die in der Tat mit dem Fahrplanwechsel gestrichen wurde. Man werde sicherstellen, dass der Umstieg von R 16 auf A646 im Bereich Reichspfad künftig funktionieren werde.

Das Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium gibt an, dass Busfahrer vielfach orientierungslos seien, Kinder nach dem Weg fragen, falsche Routen fahren oder Haltestellen vergessen würden. Häufig seien Busse mit der Zielangabe „Betriebsfahrt“ unterwegs, man könne diese Fahrzeuge nicht zuordnen. Das seien ausnahmslos Unregelmäßigkeiten aus dem vergangenen Schuljahr gewesen, das habe die Schule inzwischen bestätigt, so Bettermann.

Das Gymnasium auf der Morgenröthe erklärt, dass man bezüglich Fahrplanänderungen in den Sommerferien vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei, ohne gezielte Informationen und Rücksprache im Vorfeld. Aktuell seien drei planmäßige Fahrten belegbar, die nicht stattgefunden haben. Busfahrer hätten Kinder nicht mehr einsteigen lassen, obwohl im hinteren Teil des Busses noch Platz war. „Im letzten Jahr wurde die Lage erstmals kritisch, nun nimmt sie katastrophale Ausmaße an.“ Mit der Schulleitung sei man in intensivem Austausch, um die Dinge kurzfristig zu regeln, sagt dazu Gerhard Bettermann.

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Verspätung und Überfüllung von Bussen seien auch am Peter-Paul-Rubens-Gymnasium die Gründe, warum Schüler zu spät kämen. Wünschenswert sei, dass die Busfahrer aktiv auf die zügige Verteilung der Fahrgäste im Bus einwirken würden. Zum Ende der Schulzeit würde der Einsatz von Gelenkbussen oder ein zusätzlicher Wagen die Situation erheblich entspannen. Für Schüler aus Wilnsdorf, die ein gymnasiales Angebot im Ganztagsbereich brauchen, wäre eine Erhöhung der Frequenz wünschenswert. Die Kapazitäten seien auch nicht bestellt gewesen. Dass die Schüler stattdessen den Linienbus 102 genommen hätten, könne nicht funktionieren. Man habe die Pläne nochmals abgeglichen: Ab sofort fährt montags bis donnerstags ein zusätzlicher Bus.

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